Futurance: Zukunft & Versicherung
Bereite dich auf die Zukunft vor, indem du dich mit uns auf eine Reise durch den Futurance Podcast begibst!
Hier nehmen wir die großen Herausforderungen, die vor uns liegen, mit voller Leidenschaft und Begeisterung unter die Lupe. Denn durch frische Perspektiven, neue Ideen und das Durchbrechen alter Denkmuster können wir gemeinsam eine bessere Zukunft gestalten.
Lass dich von jungen Visionären aus der Branche inspirieren und erfahre, was sie antreibt, in der Branche zu arbeiten oder auch zu verlassen. Hier lernst du, wie junge Menschen die Zukunft sehen und welche Visionen sie für unsere Gesellschaft und Wirtschaft haben.
Gemeinsam mit uns und den anderen Pionieren, die den Vertrieb und die Assekuranz der Zukunft mitgestalten wollen, wirst du Teil einer Bewegung, die die Versicherungswirtschaft zum Treiber der Transformation macht.
Erlebe die Begeisterung, die Leidenschaft und die Vision, die uns antreibt, und werde Teil von Futurance: Gemeinsam. Für eine sichere Zukunft!
Futurance: Zukunft & Versicherung
Wie Glaubenssätze deine Investments beeinflussen
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Unser Gast, Ingo Schröder, ein ausgewiesener Experte für Finanzplanung, Vermögensaufbau und Altersvorsorge, nimmt uns mit auf seine Reise durch die Finanzwelt. Ingos Weg in der Branche führte vom Strukturvertrieb zum Aufbau Deutschlands größter Honorarberatung.
In dieser Episode diskutieren wir die Notwendigkeit eines Provisionsverbots bei Altersvorsorgeprodukten, um hohe Kosten und Interessenskonflikte zu vermeiden. Ingo teilt seine Vision von staatlich gefördertem Zugang zu digitaler Finanzbildung und wie sich die Finanzwelt in den nächsten 15 Jahren ändern könnte.
Besonders spannend ist seine Sicht auf die Herausforderungen im Strukturvertrieb und die Wichtigkeit authentischer, wertebasierter Beratung. Wir sprechen über die Rolle der Empathie und die Herausforderungen, die Selbstständige beim Übergang in den Ruhestand erleben.
Ingo geht außerdem auf die psychologischen Aspekte des Geldes ein und wie tief verwurzelte Glaubenssätze unsere finanziellen Entscheidungen beeinflussen. Ihr erhaltet Einblicke in die Honorarberatung in Deutschland und die Bedeutung der Transparenz im Beratungsprozess.
Ob Provisionsverbot, Finanzbildung in Schulen oder die Perspektiven für junge Makler – diese Folge bietet reichhaltige Inhalte für alle, die sich für die Zukunft der Finanzberatung interessieren. Bleibt dran für eine informative und inspirierende Diskussion!
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Herzlich willkommen zum Futurents Podcast. Wir sprechen über die Zukunft einer sehr traditionsreichen Branche. Wir sind nämlich der Überzeugung, dass es an der Zeit ist für echte Veränderungen in der Versicherungs- und Finanzwirtschaft. Und wer die Zukunft mitgestalten will, der muss hier zuhören. Hallo und herzlich willkommen zum Futurance Podcast. Mein Name ist Maximilian Stroll und ich freue mich sehr, dass ihr heute eingeschaltet habt. Denn heute nehmen wir auf an einem Tag in sehr bewegten Zeiten, würde ich sagen. Wir haben unseren Finanzminister verloren. Ob das jetzt ein großer Verlust ist oder nicht, da kann man sich vortrefflich drüber streiten. Da wird es heute vermutlich aber nicht so viel drum gehen. Wobei mal gucken, weil vielleicht geht es auch ums Altersvorsorgedepot, denn den Gast, den ich heute hier habe, das ist ein absoluter Experte, wenn es ums Thema Finanzplanung geht, wenn es ums Thema Vermögensaufbau und Altersvorsorge geht. Und wen ich heute hier habe, ist Ingo Schröder. Ingo, sehr, sehr schön, dass du hier bist. Stell dich doch unserer Zuhörerschaft bitte mal vor.
SPEAKER_01Ja, vielen Dank für die Einladung, Maximilian. Ja, meinen Namen hast du ja gerade schon verraten, den brauchen wir nicht mehr. Auf jeden Fall sind wir auch Honorarberater. Das machen wir jetzt seit mittlerweile über zehn Jahren von Malwerk, hat vielleicht der eine oder andere, die eine oder andere von euch da draußen schon mal gehört. Und kommen ursprünglich aus dem Finanzvertrieb. Das bedeutet, wir haben auch erfolgreich. 2007 bis neun, wir sind drei Gründer bei Maiwerk, schon in Finanzvertrieben gearbeitet, auch in höheren Positionen und konnten die andere Seite auch kennenlernen und haben uns dann 2014 entschieden und 2015 gegründet, nämlich Maiwerk als echte Honorarberatung mit aufwandsbasierten Honoraren. Das Ganze haben wir in Köln angefangen, sind mittlerweile deutschlandweit tätig und beraten Kunden weltweit. Bin Katzenpapa, habe zwei Katzen, Ben und Jerry, vielleicht kommen sie auch noch ins Bild. Man merkt, ich mag Eis. Und ja, freue mich auf das Gespräch heute, da ich selten eher in solchen Formaten bin und freue mich auf alle, auch als direkte Einladung an alle, da ja sicherlich für viele Honorarberatung noch etwas neuer ist oder manchmal auch verteufelt, dort eine Einladung auszusprechen, noch mehr darüber zu kennenzulernen und auch mal die Gedankenwelt nach zehn Jahren Honorarberatung von uns mitnehmen zu können, auf Basis deiner Fragen natürlich.
SPEAKER_00Ingo, megacool. Und ich freue mich wirklich sehr, dass du hier bist. Du hast mir auch schon einen Begriff mit reingebracht, den wir, glaube ich, erstmal klären müssen, bevor wir zu dir als Person noch kommen, zu euch auch als Firma kommen und zu dem, was ihr denn da eigentlich macht. Du hast gesagt, ihr macht echte Honorarberatung. Was ist der Unterschied zwischen echter und unechter Honorarberatung?
SPEAKER_01Ja, also erstmal gibt es den Begriff ja gar nicht als geschützten Begriff. Das heißt, praktisch gesehen dürfte sich jeder erstmal Honorarberater, Honorarberaterin nennen. In der Definition, wenn wir mit Leuten gesprochen haben, die schon seit 20 bis 30 Jahren in der Branche sind, dann steht aus unserer Sicht und auch damals Honorarberatung für eine interessenskonfliktfreie Beratung, die eben unabhängig ist. Und so wird sie heute auch immer noch promoted von VerbraucherschützerInnen, von FinFluencerInnen, die sagen, mach's selbst oder geh halt zum Honorarberater. Und wir haben den Begriff echt hinzugefügt, um genau das zu unterstreichen, weil leider dieser Begriff aus unserer Sicht marketingtechnisch halt auch missbraucht wird, indem jemand sagt, naja, ich berate, also beraten, in Anführungszeichen, auf Honorar. Eigentlich bin ich ein Honorarvermittler, aber auch den Begriff gibt es an sich nicht geschützt. Also kann man sich erstmal im Deckmantel der Honorarberatung bewegen und den Marketing-Effekt auch abgrasen. Aber interessenskonfliktfrei sind dann die allermeisten leider dann doch nicht, weil sie eben nur ein Honorar nehmen, wenn ein Abschluss stattfindet oder noch mehr Honorar bekommen, wenn halt eine größere Summe abgeschlossen wird, ob es jetzt in Versicherungen oder Depots sind. Und aus unserer Sicht gehört eben zu einer echten Honorarberatung auch, dass Preise transparent gemacht werden, weil dann wird genau so ein Interessenkonflikt, der dann ausgelöst wird, weil man sich dann denkt, naja, also der Kunde, der jetzt bei mir einen 500-Euro Sparplan macht oder 1000-Euro Sparplan oder der statt 30.000, 300.000 anlegt, da überlege ich mir mal spontan, welches Honorar ich nehme. Oder es ist sogar schon festgelegt, wie hoch das Honorar ist, weil es eben auf Basis der Gebührenordnung unterschiedlich ist, die jemand hat. Das sehen wir nicht als Honorarberatung an, aber man muss eben festhalten, es ist kein geschützter Begriff. Das heißt, rein theoretisch, auch wenn es vielleicht demnächst Urteile gibt, die das dann anders sehen, dürften die Leute das so benennen, aber wir interpretieren für uns das als echte Honorarberatung, nämlich ohne Interessenkonflikte und unabhängig und so machen wir es und so praktizieren wir es auch bei Malwerk.
SPEAKER_00Jetzt bist du selber, seid ihr auch als Team nicht direkt als Honorarberater gestartet, sondern ihr habt euch dahin entwickelt. Jetzt hast du schon von Interessenkonflikten gesprochen, das leite ich daraus einfach mal ab. Diese Interessenkonflikte, die habt ihr auch selber erlebt. Wie genau war es denn eigentlich bei dir, um uns vielleicht auf dieses Thema Interessenskonflikte auch hinzuarbeiten, wie bist du denn in die Branche gekommen? Was war der Moment, wo du gesagt hast, ja, ich möchte jetzt Finanzvertrieb machen?
SPEAKER_01Ja, man ist natürlich morgens aufgestanden und hat gesagt, ich werde jetzt Finanzvertriebler. Bei uns war es wahrscheinlich wie viele in die Branche gekommen. Man hat Freunde und Bekannte, bei uns war es damals unser Tennistrainer, der hat gesagt hat, hey Ingo, du bist doch immer schon investmentinteressiert gewesen. Ich habe mit 14 meiner ersten eigenen Aktien gekauft, wäre das nicht was für dich neben dem Studium. Und so haben wir damals bei einem größeren Finanzvertrieb Tekis angefangen, beziehungsweise ich damals noch erst noch AWD und dann Thekis, aber über die Jahre und die Karriereleiter hochgeklettert. Ja, und haben da immer noch besten Wissen und Gewissen beratet. Und der Slogan war auch immer, berate den Kunden so, wie du selbst beraten werden möchtest und so haben wir es auch versucht zu machen. Nichtsdestotrotz hat man schon immer mal wieder festgestellt, nicht bewusst, wenn man A jung war und b, frisch in der Branche, dass man sich manchmal geärgert hat, dass man Stunden an Beratung investiert hat und der Kunde dann vielleicht doofe Fragen gestellt hat, noch mehr Zeit in Anspruch genommen hat oder gar nicht abgeschlossen hat. Und so kam irgendwann der Gedankengang, neben, ich empfand es als schwierig, wirklich in einem Strukturvertrieb Unternehmer zu sein und voll selbstbestimmt zu sein, der Entschluss, dass im Strukturvertrieb dann Schluss ist, trotzdem ich für mich zu dem damaligen Zeitpunkt die zweithöchste Position im Sales erreicht hatte bei TEKIS, dass das jetzt nicht das finale Ding sein kann für die nächsten 20 bis 30 Jahre. Und dann hatten sich damals Kollegen von uns auch abgekoppelt von TEKIS und haben eine Honorarberatungsfirma aufgemacht. Und da hatten wir dann das Glück, eben dort schon ein paar Regeln, auch rechtliche Sachen über die klären zu können, Eindrücke zu bekommen, Best-Practice-Tipps. Und so sind wir dann quasi vom Strukturvertrieb in die Honorarberatung gegangen. Und als das passiert ist, ist einem mal aufgefallen, was außerhalb der Käseglocke so möglich ist, auch im Sinne des Verbrauchers, der Verbraucherin.
SPEAKER_00Das will ich auch gleich wissen, bevor wir dazu kommen. Gab es Momente in der Zeit, in dem du noch im Provisionsvertrieb warst, wo du gesagt hast, das waren so Aha-Erlebnisse für dich? Also wo du wirklich Situationen hattest, bei denen du dir vielleicht im Nachgang gedacht hast, boah, da muss ich nochmal ausführlicher drüber nachdenken, wie es jetzt dazu kam. Gab es irgendwas oder war das eher die Summe seiner Teile bei dir?
SPEAKER_01Es war sicherlich eine Summe der Teile. Wie gesagt, unternehmerisch wird man, finde ich, in Strukturvertrieben immer in einen Topf geschmissen mit allen, die auch dazu gehören. Also ein Beispiel, wir haben bei uns in der Abteilung zu dem Bereich, zu dem wir gehörten, immer gesagt, wir stellen uns nicht an Unis und machen da kalterquise. Und dann ist halt, ja, und dann hast du aber einen anderen Bereich, der nicht zu deinem Bereich gehört, aber auch in Köln aktiv ist, der von Tekis an der Uni stand. Dann hast du natürlich ein Argumentationsproblem gegenüber deinen Freunden, denen du das behauptet hast. Und das macht es halt unglaubwürdig. Das heißt, du wirst zwangsläufig mit Leuten in einen Topf geschmissen bei einer größeren Company, was du so mit deinen eigenen Werten und Vorstellungen, wie du auch deinen Beruf wahrnimmst, nicht vereinen kannst. Das war sicherlich das eine. Aber es gab auch Feedback von Kunden, ich meine, wir kennen es alle, zumindest aus Strukturvertrieben, aber vielleicht auch so, man hat in seinem Freundeskreis akquiriert und das ist ja auch vollkommen okay. Die dann aber schon gesagt haben, das habe ich mehrmals gehört, Ingo, ich vertraue dir, aber ob das wirklich jetzt das Beste ist, was du mir da gegeben hast oder nicht, keine Ahnung. Und wenn das häufiger kommt, dann ist es schon so, dass man sagt, ja, also warum nicht? Also ich habe dich doch gut beraten, aber es latent kommt dann eben schon das mit, ja, ich habe auch Skepsis demgegenüber. Und wenn du dann wirklich den Ansatz hast, du willst jemanden so gut beraten, wie es geht, und so wie du es selbst machen wollen, würdest du, ich würde dir selbst kein Finanzprodukt abschließen, wenn ich noch Skepsis hätte. Klar, ich bin auch eine Person, die vertraut und es gerne macht, aber das hat schon so ein bisschen dann das Feedback gewurmt, obwohl sie es bei dir gemacht haben. Und das haben wir so jetzt nicht mehr. Also jetzt ist es eher andersrum. Ich hatte vorhin noch ein Gespräch und dann sagte ein Kunde zu mir, Ingo, du bist im Leben eine Herausforderung, aber weil wir die Leute befähigen, über sich selbst nachzudenken und das nicht nur wissensseitig, sondern auch emotional-psychologisch. Und das ist eine Ebene, die wir halt kennengelernt haben, wo du dich auf den Kunden ganz anders einlassen kannst und wo du auch für dich selbst aus der Verkäuferrolle herausgewachsen bist und ganz anders, neutraler in so ein Gespräch reingehen kannst und weißt, es gibt eigentlich keine Frage, die kritisch ist. Also klar, ein guter Vertriebler und Sales, der hat auf jede Frage auch eine Einwandbehandlung, aber ich meine, Einwandbehandlung, also da steckt für mich schon drin, ich muss es eher so abwehren und clever umwandeln in was Positives. Kann man so oder so sehen, aber ich stelle mich lieber neutraler als guter Coach, als Psychologe, der hin und sage, hey, du kannst mich alles fragen und ich kann es locker, authentisch, passend zu meinen Werten beantworten, wie ich sonst auch im normalen Leben bin. Und das ist etwas, was man dann schon festgestellt hat. Und das macht deutlich glücklicher als im normalen Strukturvertrieb. Ich würde es jetzt nicht pauschal als Provision bezeichnen, aber Strukturvertrieb, wie es vorher war.
SPEAKER_00Ihr seid ja Wissensarbeiter mit dem, was ihr macht. Ihr seid keine, also natürlich verkaufst du auch du, du verkaufst deine Zeit, genauso wie es ich auch tue, zum Beispiel. Und ich glaube, das ist ein wesentlicher Unterschied, wenn man für sein Wissen bezahlt wird, weil die Leute einfach genau da denn dann auch das Vertrauen haben, als wenn man in die Person das Vertrauen hat, dass sie einem schon das Richtige empfehlen wird und man eben diesen psychologischen Aspekt der Kosten, ich muss aktiv etwas bezahlen, gar nicht so wahrnimmt, weil man eben das schon eingepreist im Produkt hat. Aber ich glaube auch, der Weg des Wissensarbeiters ist derjenige, der zukunftsfähig ist. Ich glaube, der wird mit Technologien noch viel mehr gestärkt werden und ich glaube, da kommt genau das, was du jetzt auch angesprochen hast, nämlich dieses Empathischsein, den Menschen wirklich verstehen zu wollen, seine Situation verstehen zu wollen, seine Ziele verstehen zu wollen und so weiter. Das wird mehr in den Vordergrund drücken. Und ich glaube, da könnte das jetzt ein ganz guter Rahmen sein, um dir da als Profi, als einer der Vorreiter in dem Ganzen mal die Frage zu stellen, wie mache ich das denn eigentlich? Wie komme ich denn auch als Vermittler weg von diesem Abschluss zählt, hinzu wirklich Kunde zählt?
SPEAKER_01Ich glaube, indem man erstmal den Begriff verändert, also A, dass man sich wirklich mal erstmal als Berater sieht, weil also wirklich praktisch gesehen ist niemand, der nicht auf Honorar berät und es nicht pauschal gegen Zeitaufwand oder mit einem Pauschalhonorar macht. Also vom Prinzip sind das, das klingt jetzt für alle hart, aber es sind praktisch gesehen VermittlerInnen. Also eine Beratung mag vielleicht stattfinden, damit man dieses Ziel erreicht, aber man müsste wirklich mal hingehen und Beratung für sich verkörpern. Und dann würde ich diesen Begriff auch nochmal mehr aufteilen, als du ihn als Wissensvermittler, irgendwie so hast du es glaube ich gesagt, ne? Es ist eben nicht nur Wissen, weil das findet auf der rationalen Ebene statt. Ich würde eher sagen, wir sind befähiger, um souveräne eigenständige Finanzentscheidungen zu treffen. Und souveräne eigenständige Finanzentscheidungen zu treffen und jemanden dazu befähigen, heißt, ich bringe das komplette Entscheidungsbuffet auf den Tisch. Sowohl rational, also zum Beispiel jemand zu erklären, was sind denn neutral, betrachtet die Vor- und Nachteile von Riester, Rüro, BAV und allem drum und dran, ohne dass ich weiß, bei dem einen verdiene ich mehr oder weniger oder da verdiene ich vielleicht auch gar nichts dran. Aber die Leute eben, und wir haben zum Beispiel auch eine Coaching-Ausbildung gemacht, also auch die psychologische Seite mit zu berücksichtigen. Auch da diese Kunden, die heute da waren, deswegen empfanden sie es als herausfordernd, die sind in der Übergangsphase beide selbstständig vom Arbeitsleben in die Rente. Und die haben gesagt, ja, bisher, wenn sich Dinge im Leben verändert haben, dann konnten wir das gut ausgleichen, weil dann haben wir einfach eine andere Tür genommen und haben dann halt mehr gearbeitet. Ja, das Problem ist nur, wenn ich nicht mehr arbeiten kann und will in der Rente, dann entstehen auf einmal, also ich habe mir vorher selbst Sicherheit gegeben, ja, weil ich gesagt habe, ich kann das selbst ändern. Das kennt man als Selbstständiger, wenn man irgendwo gegenläuft und sagt, okay, dann gehe ich da hinten weiter. Aber die Sicherheit, mir selbst zu geben über meine Arbeitskraft, die habe ich dann weniger auf jeden Fall. Das heißt, auf einmal werde ich mit Dingen konfrontiert, die mit rationalem Wissen und ein MSCR World ist nach 15 Jahren immer im Plus, relativ wenig zu tun haben, weil wenn ich auf dem Weg dahin zweimal die Rutsche mitmache um 50 Prozent nach unten gehe und vorher auf Geld, Sicherheit, Ruhepol, haben sie es genannt, projiziert habe, dann spielt auf einmal meine Sicherheit und meine Ruheachterbahn. Und ich glaube, das zu kombinieren, ist aus meiner Sicht der Königsweg, um KundInnen zu befähigen und vom Vermittler zum Berater zu werden. Also in der Nutshell, ich bringe ihnen neutral Wissen bei, schaffe eine Entscheidungsgrundlage und kann dazu noch emotional psychologisch beistehen, gerade mit dem Blick, was zum Beispiel Geld mit uns macht, Stichwort Projektionen auf Geld.
SPEAKER_00Was macht denn Geld mit uns?
SPEAKER_01Tja, was macht Geld mit dir?
SPEAKER_00Das ist eine gute Frage.
SPEAKER_01Ja, also ich mache mal die Gegenfrage. Wenn du, wenn ich dich fragen würde, Geld isst und du müsstest den Satz beenden, welche vier bis fünf Nomen, Adjektive oder Verben würdest du einsetzen?
SPEAKER_00Sozialtechnologie, Zahlmittel, eine genormte Metrik für Bestimmung von Größen, einen Ausdruck von Leistungswertschätzung etc. pp. Das wäre mir spontan eingefallen.
SPEAKER_01Und was würden deine Eltern noch hinzufügen bei diesem Begriff, wenn die da noch ein, zwei Wörter hinzufügen würden?
SPEAKER_00Lebensnotwendig. Das Produkt harter Arbeit, andere Ideologie vielleicht noch ein bisschen. Ja, ich glaube, das wär's.
SPEAKER_01Ja, und jetzt streicht man statt Geld ist, sagt man ich bin. Ich bin sozial, ich bin Technologie, hast du gesagt, das Geld oder ich bin lebensnotwendig über deine Eltern, ich bin das Produkt harter Arbeit. Und in dem Moment merkt man, wenn man das mal übersetzt, das ist ja gar nicht so weit weg. Also nicht immer, es gibt auch blinde Flecken. Dinge, die man ablehnt, können auch blinde Flecken sein. Aber man merkt auf einmal, das hat mit Geld eigentlich gar nichts zu tun, sondern Geld ist eine Projektionsfläche, die eine Eigenschaft hat, nämlich, sie sagt nicht nein zu dem, was ich ihm gebe. Also sagen wir mal, man verbindet, wie du es beschrieben hast bei deinen Eltern, Geld ist harte Arbeit. Das heißt, ich verbinde damit, wenn eine bestimmte, also ich verbinde Geld eine bestimmte Summe, das ist gleich harte Arbeit. Ist ja die Frage. Also ich meine, du hast ja gerade für dich selbst auch Technologie genannt, ja, und Nvidia macht 80% Marge im Technologiebereich. Also 80% Marge ist nicht, also viel Geld ist nicht unbedingt harte Arbeit, sondern vielleicht einfach nur eine gute Idee. Es ist also erstmal ein Glaubenssatz. Und wenn ich dem hinterher renne und denke, okay, das wird weniger harte Arbeit, je mehr Geld ich habe, ich meine, wir bauen beide gerade Unternehmen auf, dann werden wir feststellen, nur weil es mehr Geld wird, wird es nicht unbedingt weniger harter Arbeit, vielleicht sogar andersraum. Das heißt, in dem Moment, was ich tue, ich habe, wenn ich meine Identität als Teppich sehe, gebe ich Flicken an Geld ab, die ich in dem Moment selbst nicht mehr habe. Und die Idee dahinter ist, bei Dingen, die positiv assoziiert sind, zu sagen, okay, ich bin das mit und ohne Geld. Einen Kunden zum Beispiel, denen habe ich am Ende heute mitgegeben, ich bin frei, ne, sorry, ich bin sicher mit und ohne Geld, dass natürlich eine gewisse Sicherheit durch Geld kommt. Kann sein, worauf will ich hinaus, mit der kleinen Übung gerade, die wir spontan gemacht haben, unabgesprochen, dass im Endeffekt Geld für jeden unterschiedlich ist, aber viele, viele, viele da draußen unbewusste Projektionen auf Geld haben. Und da ein Ohr für zu haben, gerade für die Emotionen, die an Geld hängen, schafft eine ganz, ganz andere Tiefe. Und wir haben ja alle mit Geld zu tun als FinanzberaterInnen. Und da ein Ohr für zu haben für Ängste, Sicherheiten und das nicht aus dem Verkäuferinteresse heraus. Also natürlich hilft es gegebenenfalls auch einen Abuse damit zu machen. Aber da besser hinzuhören, da jemanden abzuholen, ich kann ein anderes Beispiel machen zum Beispiel, durch das aktive Zuhören und dass man mehr Geldbewusstsein hat und was dahinter steckt. Ein Kollege hatte ein Pärchen in der Beratung und hat irgendwie gemerkt, beim Thema Geld, wo sie darüber gesprochen haben, über die Altersvorsorge, sie war irgendwie relativ still online. Und hat irgendwann einfach nur aus der Wahrnehmung heraus gesagt, sag mal, also irgendwie spüre ich ja was. Also bin ich da auf dem falschen Schlauch oder woher kommt das? Und hat sie angefangen, wie ein Wasserfall zu heulen, weil sie gesagt hat, ihr Mann ist vier von sieben Tagen die Woche beruflich unterwegs und wir regeln jetzt zwar das Thema Altersvorsorge, aber er will sich nicht um die Berufsunfähigkeit kümmern. Hätte ich das nicht zwischen den Zahlen wahrgenommen, wirklich ganz neutral, einfach nur als Wahrnehmer, nicht, ich will es denen verkaufen, dann wäre das nie auf den Tisch gekommen. Und die hätten ein Thema an ihrer Beziehung gehabt. Und das kam über Geld im Endeffekt raus. Und das sind so kleine Eindrücke zu deiner Frage, was ist denn Geld eigentlich?
SPEAKER_00Das ist mega spannend, Ingo. Ich möchte da gleich nochmal nachhaken, was für Leute, wie denken die Leute, die zu euch kommen, wie denken die über Geld nach? Was sind da so die Antworten, wenn du ihnen diese Frage stellst und gibt es da vielleicht Gemeinsamkeiten, die du in den Antworten erkennst? Oder vielleicht auch so Glaubenssätze, die immer wiederkommen, Weltanschauungen, die immer wiederkommen, wo du sagst, hey, da ist eigentlich gut, auch mal eine Gegenperspektive aufzumachen und das sind so Durchbruchmomente für viele Leute, wenn sie vielleicht das erste Mal so auf die Art über Geld nachdenken.
SPEAKER_01Also Durchbruch, Momente über die Art, über Geld nachzudenken, sind es für die allermeisten. Weil, du hast ja gerade Glaubenssätze zum Beispiel angesprochen, du kannst dir das so wie unsere, so wie wir sind, in verschiedenen Leveln vorstellen. Das tiefste Level ist Level 4. Das sind Dinge, die durch die Hormone und alles, was über unsere Mütter quasi und schon im Mutterbauch mitgegeben wird. Also dein Herz schlägt, weil es schlägt, nicht, weil du das aktiv steuern kannst. Und du wirst es auch nicht, außer durch irgendwelche anderen Sachen beeinflussen können, dass es schlägt, wie es schlägt. Also das ist Level 4, ja, das sind grundsätzliche Dinge, die wirst du nicht mehr verändern. In Level 3 kommt die Identität. Darüber kommt eher das Sein, und da sind Glaubenssätze und Money-Mindset angeordnet und darüber das Handeln. The Tip of the Iceberg, das, was du siehst. Und was ist anders oder was irritiert die Leute, was ist herausfordernd, dass es relativ schnell über Geld, ich sage es immer als immer stehende offene Hintertür zur Identität, eben schnell dahin geht. Und manche werden feststellen, die können Glaubenssätze noch und löcher umkehren. Und manchmal hilft das auch. Also manchmal hilft das, Glaubenssätze umzukehren, Money-Mindset bewusster zu haben, das kann auf der Ebene ein Problemlöser sein, aber manchmal oder häufiger kommt es wieder durch, alte Verhaltensmuster, weil sie eben nicht auf dieser Ebene liegen, sondern eine Ebene drunter. Und wenn du da mit den Leuten hingehst, wenn sie zum Beispiel durch eine tiefgehende Risikoanalyse, die genau sowas berücksichtigt, denen erzählst, das, was hier gemessen wird, das prägt sich schon mit dem sechs Monat deiner Mutter, im Mutterbauch hat sich bei dir geprägt, bis Umgang mit Taschengeld, sechsten Lebensjahr ungefiltert und dann ist es quasi abgeschlossen bis zum Beginn des ersten Ausbildungsweges, dann sind die Leute automatisch in ihrer Kindheit. Und können dich daran erinnern, habe ich damals mein erstes Taschengeld für ein Lolli ausgegeben, für Zuckerwatte auf der Kirmes oder habe ich es gespart. Und das war in dem Moment eine wichtige und große finanzielle Entscheidung, ob ich meine Mark dafür ausgegeben habe oder gespart habe. Und wenn du da bist, dann, und das ist das Schöne für alle, die zuhören, es gibt eine ganz andere Tiefe und eine ganz andere Verbindung, die ich auf einmal. Mit einer Kundin, mit einer Kundin habe. Und ja, so wird es im Endeffekt aufgebrochen. Jetzt weiß ich gar nicht, ob ich deine Frage vollständig beantwortet habe, aber das ist zumindest die Besonderheit und die Verbindung, die dadurch entstehen kann.
SPEAKER_00Auf jeden Fall. Ich möchte aber bei dem Themenblock bleiben noch und möchte dir noch die Frage stellen: Gemeinsamkeiten, wenn man schon über Gemeinsamkeiten und vielleicht auch Unterschiede bei den Kunden nachdenkt, was haben die denn für Erfahrungen? Vielleicht gibt es da auch wieder Gemeinsamkeiten oder Unterschiede, Erfahrungen mit Finanzvertrieb, Finanstleistungen und oder auch Produkten bisher so gemacht?
SPEAKER_01Ja, also es gibt sicherlich Gemeinsamkeiten von Kunden, die zu uns kommen. Sie haben in der Regel sind es Kunden, die Erfahrung in der Provisionswelt gemacht haben oder in der Anbahnung waren bei ProvisionsberaterInnen, ob das jetzt Banker, Versicherungsmakler, Strukturvertriebe, wie auch immer sind, dass die zu uns kommen. Häufig aufgeklärt durch digitale Medien und darüber wissen, es gibt eine Alternative zu, wir haben es mal ausgerechnet, 99,8 Prozent aller anderen, die eben darauf Provision arbeiten. Das ist eine Gemeinsamkeit. Und dann hängt es von der Größe der Strukturvertriebe und der Banken ab, in welcher Häufigkeit Kunden von dort zu uns kommen. Das auf jeden Fall, aber ansonsten, du hast ja auch darüber gesprochen, welche Glaubenssätze bringen sie mit, haben sie da was gleich, das ist so unterschiedlich wie jeder Charakter und jeder Mensch auch. Mit Sicherheit hast du Leute, die Risiko unterschätzen. Also die sagen, ich habe ein MSCA World und das ist doch nicht so schlimm. Ja, okay, geht so. Aber die haben das halt so gelernt. Du hast Leute, die Risiko komplett überschätzen. Das ist auch ein Muster, auch statistisch erwiesen, dass Leute sich risikotechnisch eher unterschätzen als überschätzen. Also sie wissen eigentlich gar nicht, dass sie theoretisch risikoreicher investieren könnten. Stellen aber fest, dass sie es komplett überzogen haben dann danach. Das sind so gleiche Sachen und ansonsten kommen halt häufig schon Leute zu uns, die Provisionstarife haben, Provisionsverträge haben. Und wo wir dann halt eben ganz neutral darauf eingehen und sagen, solltest du es behalten, verkündigen? Und was sind Alternativen oder auch gar keine Alternativen? Behalte es einfach und mach etwas anderes.
SPEAKER_00Das ist für mich wirklich ein wahnsinnig interessanter Einblick. Ich habe vor, ich glaube, zwei Monaten ist es her, mal eine Erfolge gemacht, wo ich mich mit Reddit, ich weiß nicht, ob dir die Plattform was sagt, auseinandergesetzt habe. Da gibt es auch zum Thema Finanzen einen ganz großen Subreddit, wo ungefähr 700.000 Leute sich gegenseitig helfen zu dem Thema. Und es gibt noch einen Subreddit, der nennt sich Strucki Leaks. Und da wird dann das Worst-Off präsentiert, zugegebenermaßen auch mit viel Polemik und auch in Teilen total kontraproduktiv, glaube ich, aber doch sehr eindrucksvoll, was da eben alles so für Erfahrungen gemacht werden. Und das, was ihr ja macht, ist ja dieses Bindeglied darzustellen zwischen denjenigen, die diesen Do-It-Yourself-Ansatz auch aus einer Enttäuschung oder vielleicht aus einer Desillusionierung, die sie meinem erfahren mussten, heraus gewählt haben, die aber sich vielleicht mit der Thematik und mit dieser Komplexität, weil Finanzmärkte, vor allem, wenn es jetzt um Investment geht, ist nun mal eingewoben in ein ganz großes, in ein großes Ganzes. Da gilt es schon, wie du sagst, wirklich das eigene Risikoprofil fundiert zu bestimmen und dann auch die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Bei Versicherungen vielleicht ein Ticken anders gelagert, hängt auch von der Sparte der Versicherung natürlich ab. Aber diese Leute, die diesen Do-It-Youself-Ansatz wählen und dann zu euch kommen, weil sie vielleicht merken, es wäre gut, da doch nochmal einen Profi drauf blicken zu lassen. Was sind das so für Menschen? Also sind es überwiegend junge Menschen, sind es überwiegend Männer, Frauen, Akademiker, Nicht-Akademiker? Gibt es da irgendwelche Gemeinsamkeiten? Und was würdest du sagen, wie können wir als Branche deren Vertrauen auch wieder zurückgewinnen?
SPEAKER_01Also es sind sicherlich alles Leute, die eher disillusioniert sind von der Finanzbranche und das Vertrauen grundsätzlich in die, also nicht grundsätzlich, aber es wurde erschüttert, sagen wir mal so, in die Finanzwelt durch Erfahrung. Oder die halt sehr schnell Meinungen von FinfluencerInnen, Influencern, VerbraucherschützerInnen glauben, wo ja auch immer ein bisschen Wahrheit dran ist und wo die Branche sicherlich auch ihren Weg tut. Aber es ist halt eben, und dafür, und das merken wir halt, wir müssen den Leuten halt klar machen, es ist nicht schwarz oder weiß. Und letztens kam ja so eine schöne Idee von einer Begriffsfindung, also Verbraucherschützer machen ja auch viel Meinung auch gegen Versicherungen. In 99,8% der Fälle liegen sie wahrscheinlich auch richtig. Aber Verbraucherschützer sind eben Verbraucherschützer und keine Verbraucherbefähiger. Das muss man mal so feststellen. Und ich glaube, genau das sind eben die Leute, die zu uns kommen, um den Bogen mal da zu schlagen. Es sind Leute, die Do-It-Yourself machen wollen, die aber trotzdem an der Komplexität scheitern. Die Komplexität wird auch irgendwo in der Finanzindustrie gestaltet. Also man könnte sicherlich mit einer Initiative die Komplexität der Produkte deutlich verringern und würde es einfacher machen, Zugänge, Do-It-Yourself-Zugänge zu haben. Ist es nun mal aber nicht. Und es gibt ja viel for Free Content und wir haben eben Leute, die diesen for-Free-Content wahrnehmen, ob das Mother Money Penny ist, Finanztipp, Finanzfluss, ja, wie auch immer. Es gibt ja den ganzen Inhalt. Nur er ist nicht strukturiert, also nicht offensichtlich strukturiert, innerlich wie dieses aufbauen, redaktionell schon, aber nicht offensichtlich strukturiert und vor allem nicht pädagogisch in einer sinnvollen Reihenfolge aufgebaut. Und dort eben jemanden zu haben, wo ich weiß und wo ich mich melden kann, der mir jetzt nicht erzählt, das ist gut und das ist schlecht, sondern der mir neutral die Vor- und Nachteile aufzeigt, um mich zu befähigen, um dann mich zu entscheiden, will ich das dann auch wirklich im Nachgang noch do-it-yourself machen oder brauche ich jemanden im Hintergrund? Das ist, glaube ich, das Bindeglied und was, was viele vereint. Und das sind größtenteils Akademiker, ja, weil man muss natürlich auch sagen, und da gebe ich der Provisionsindustrie auch recht, wenn sie sagt, Honorarberatung kann sich auch nicht jeder leisten. Die Frage ist, ob dann der Weg in die andere Richtung sinnvoll ist, da könnten wir drüber sprechen. Aber ja, Honorarberatung kann sich, Stand jetzt, wir warten mal 2025 ab, was MyWerk noch so rausbringt, Stand jetzt ist natürlich eine Einstiegshürde mit 1000, 2000, 3000 Euro Honorar nicht für jeden stemmbar. Das heißt, tendenziell ja, verdient unser Kunde 50.000 bis 60.000 oder hat eine größere Summe, sechsstellig irgendwo geerbt, geschenkt bekommen, Hausverkauf, irgendwie sowas. Und ist auch tendenziell Akademiker in. Ja, das schon. Aber wir haben auch Leute, die sich bei uns melden. Also wir haben ja auch Do-It-Yo-Safe-Kurse, weil für uns eben, wir sagen, der Weg zurück ist ja nicht in Produkte, die anerkannterweise zu teuer sind, sondern dann musst du es halt selbst machen. Ich vergleiche das immer mit einer Wohnung selbst zu streichen. Also er wird euch um einen Maler, der macht mir einen Kostenvorenschlag und ich sage, ich kann es mir leisten oder ich mache es selbst. Das Problem ist, dass die Farbauswahl so kompliziert ist, dass ich es nicht selbst machen kann in der Finanzindustrie. Und dann jemanden brauche, der über die Produkte bezahlt wird, der es mir dann umsonst macht. Aber an sich sind sich, glaube ich, alle einig, wenn es einen Weg gäbe, gut, dann verdient halt jemand nichts an der Stelle, aber wenn es einen Weg gäbe, günstige Produkte an Mann und Frau zu bringen, gerade die, die GeringverdienerInnen sind, die brauchen es ja am meisten. Also der Akademiker, ja, der Arzt, der 120.000 verdient, ja, also aus unserer Perspektive braucht er auch ein günstiges Produkt, aber der hat sicherlich am Ende des Tages nicht so nötig, wie vielleicht die Mutter, die 10.000 Euro brutto im Jahr verdient und zwei Kinder hat, die nachher schlecht dasteht mit der Rente.
SPEAKER_00Bei diesem Thema Honorarberatung kann sich nicht jeder leisten. Da stellt sich mir immer eine Frage, einfach mal ein Gedankenspiel in den Raum gestellt. Angenommen, wir würden jetzt wirklich, es geht von heute auf morgen ein Provisionsverbot, es werden alle Vermittler gezwungen, zu Beratern zu werden und nur noch mit Honorar zu beraten. Vorausgesetzt, wir hätten auch überall natürlich die passenden Produkte dafür, da kommen wir auch gleich noch drauf. Aber wäre es dann nicht so, du bist Ökonom, ich bin Betriebswirt, deswegen die Frage ganz klar an dich. Wäre das dann nicht so, dass der Markt in dem Fall tatsächlich mal regelt, also dass sich da dann Preise und auch Zahlungsmodalitäten eben der Nachfrage entsprechend anpassen würden? Wenn ich jetzt so an meine VWL-Vorlesungen denke, dann erinnere ich mich an den Gleichgewichtspreis. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, ich als junger Berater, ich merke, okay, ich kann jetzt hier keine Tickets für 250, 300, 400 Euro die Stunde aufrufen, sondern ich muss mich da anders orientieren und ich merke auch, dass Klientel, mit dem ich besonders erfolgreich zusammenarbeiten kann, das sind vielleicht nicht diejenigen, die ab front irgendwie mal 2000 Euro zahlen können, aber es sind diejenigen, die bereit sind, einen Zahlplan zu verfolgen und die auch bereit sind, einen Serviceplan zum Beispiel, der da integriert ist, mitzuverfolgen. Also habe ich da einen Denkfehler drin? Wie siehst du das aus?
SPEAKER_01Also dein Szenario ist, es gibt ein Provisionsverbot und darauf basiert das. Genau. Bin ich voll bei dir. Also, ich meine, wenn man sich mal diese ganzen Studien durchliest, wo es dann ein Provisionsverbot gab und was die Auswirkungen davon sind, man kann das in England und Holland eigentlich ganz gut nachlesen, dann messen die ja tatsächlich auch, was ist passiert mit der Beratungsdichte. Kann sich das jeder leisten und solche Dinge. Und was man eben festgestellt hat, ist, dass die Beratungsangebote vielfältiger werden, einfacher werden, also der Zugang, aber noch weiter muss noch weiter ausgebaut werden, die Einfachheit muss auch weiter ausgebaut werden. Aber es gibt eben mehr Do-Yo-Self-Angebote, Produkte werden einfacher. Und es werden meiner Kenntnis nach in England, es wird halt auch gefördert. Das heißt, du kannst, wenn ich das nicht ganz falsch auf Englisch, auf Deutsch übersetzt habe, kannst du tatsächlich in deinen Rententopf reingreifen und sagen, ich leiste dir damit, nicht ausreichend zu gebenermaßen. Ich weiß nicht, wie viele von uns waren, aber ein paar hundert. Das reicht halt nicht aus, in zu einer Beratung zu gehen, aber ich kann mich an meinem gesetzlichen Rentenversicherungstopf bedienen und mir damit eine unabhängige Beratung quasi kaufen, ja, oder eben einen Honorarberater. Und ich bin vollkommen bei dir. Ich glaube, dass der Markt da reguliert und das nicht nur reguliert, sondern eben auf Basis dessen auch Angebote kommen. Ganz nebenbei genau das werden wir nächstes Jahr machen. Wir werden ein Paid-Membership-Modell auf den Markt bringen, das ist der erste seiner Art. Wo es eben genau darum geht, diese Einstiegshürde so klein wie möglich zu machen. Und da muss man sich halt überlegen, was ist der Mittelweg von ich zahle 3.000, 4.000, 5000 Euro für eine einmalige Beratung und biete eine Einzelberatung an, zu ich biete eine möglichst kleine Einstiegshürde, aber kriegt die Person trotzdem noch gut abgeholt. Und ich glaube schon, dass eben, wenn die Regulierung da mitspielt, also wenig Regulierung da ist, dass eben neue Ideen dort automatisch entstehen werden und dass dann eben der Markt reguliert und der Verbraucher entscheidet. Aber dann gut, dann würden jetzt vielleicht andere sagen, jetzt hören, ja gut, aber das könnte er ja jetzt auch schon. Ja, naja, anderes Thema.
SPEAKER_00Ja, da sind uns, glaube ich, in der Sache auch einig. Ich glaube, die Art und Weise, wie auch über das Provisionsverbot debattiert wird, halte ich persönlich für nicht besonders zielführend. Ich glaube, da schärft man den Grabenkampf. Die Lager werden immer noch deutlicher und man muss sich irgendwo in einem Lager fast schon positionieren. Du wirst nicht glauben, wie oft ich schon darauf angesprochen worden bin, dass ich quasi hier ein Provisionsverbotsverfechter wäre, was nicht der Fall ist. Ich bin aber auf jeden Fall jemand, der sehr stark daran interessiert ist, das Kundenwohl nicht nur für Marketingzwecke zu instrumentalisieren, sondern diesen Verbraucherschutz in die Branche mitzuübertragen. Ich sehe es nämlich wie du, sind die wesentlichen Kritiker unserer Branche. Ich verstehe die Abwehrmechanismen, ich verstehe auch die Zwänge oder die internen Logiken, die in manchen Versicherungshäusern eben so vorherrschen. Ich sehe auch, dass der Vorstandsvorsitzende aus der letzten Periode mit Ausscheiden aufgrund von Altersgründen dann auf einmal der Aufsichtsratsvorsitzende wird und so weiter und so fort. Also das sind schon Sachen, die bei einem differenzierten Blick auf die Gesamtgemengelage, glaube ich, viel Sinn ergeben. Aber was ist der Weg, den du siehst, hin zu einem Modell, bei dem die Wissensarbeit und das Coaching, das wirkliche Enablement der Leute, also ein finanzielles Enablement, Finanzbildung zu vermitteln, wirklich eigentlich Bildungsdienstleister und Finanztrainer, Coach, gut, Finanzcoach, der Begriff, den bitte streichend Dummy hier, ganz wichtig rausschneiden. Der ist ja leider jetzt schon besetzt. Aber was glaubst du, ist der Weg, um dahin zu kommen, wenn wir uns bei diesem Provisionsverbot offensichtlich verbissen haben?
SPEAKER_01Also ich bin bei dir. Man muss den Grabenkampf nicht zwangsläufig führen. Ich halte es auch nicht für zielführend, weil die Meinungen da, glaube ich, auch relativ festgefahren sind und da jeder auch seine Wahrnehmung haben darf. Das ist ja okay. Meiner Meinung nach müsste sich jeder mal ganz ehrlich, und da stelle ich leider fest, dass das sehr schwierig ist, mal ganz ehrlich die Frage stellen, wen stelle ich denn an erster Stelle mit meiner Dienstleistung in meinem Unternehmen? Ist es wirklich der Kunde? Oder ist es erstmal mein ökonomisches Gewinnwohl, nenne ich es mal, also das Wohl meines Unternehmens. Und deswegen habe ich auch festgestellt, dass der Grabenkampf nicht sinnvoll ist, weil das Problem ist, dass hättest du mich das bei Tekis gefragt, hätte ich dir gesagt, es ist der Kunde. Es fehlt der Blick außerhalb und wir hatten es ja mal uns schon mal unterhalten und es gibt so ein paar ganz passende Beispiele, wo ich jeden da draußen mal anschubsen will und anstupsen will, wo das auftaucht in der Provisions- aber auch in der Honorarvermittlungsindustrie. Bei der Riester-Reform wäre es ein ganz passendes Beispiel gewesen bei der Riester-Rentenreform. Wenn man sich das mal durchrechnet, stellt man fest, dass Geringverdiener, also die quasi einen Sockelbeitrag vorher in Riester gezahlt haben, mit einem oder zwei Kindern deutlich weniger Zulagen bekommen hätte. Man müsste also hingehen und einen Weg finden, wie man eigentlich eine Vertriebsaktion macht für alle Geringverdiener. Wenn ich den Kunden Nutzen im Vordergrund stellen würde. Und danach, also der ökonomische Nutzen darf ja nicht fehlen. Ich kann ja jetzt mal unseren Gedankengang dazu droppen, was wir gemacht hätten oder vielleicht demnächst machen, je nachdem, wie es passiert. Wir hätten geguckt, dass wir einen Live-Call anbieten, weil wir können natürlich nicht jeden, der uns quasi kein Honorar zahlen will, beraten, sondern wir müssen ein Gruppenformat finden und hinten raus das möglichst so einigermaßen automatisiert abwickeln können, die Verträge, dass die Leute sagen, hey, für einen Fufi kann ich am Gruppencall, also for free am Gruppencall teilnehmen und für ein Fufi bekomme ich die Einrichtung, damit ich im Endeffekt pro Jahr 500 Euro mehr Zulage bekomme mit der aktuellen Riester-Variante als mit der neuen Riester-Variante. Ich will jetzt keinem zu nahe treten, aber ich wette mit dir, kein Provisionsvertrieb oder Makler hätte die Bestandsaktion aus dem Leben gerufen. Das ist ein Beispiel. Das andere Beispiel, wenn man sich mal genauere Kostenstrukturen von Rentenversicherungen anschaut, machen wir mal private Rentenversicherung, dann müsste eigentlich jeder sagen, der auf Provisionen berät und der den Kunden in den Vordergrund stellt, ich mache keine monatliche Zahlung, die meine Bewertungssumme bis zum Ende hochrechnet, sondern ich arbeite über Zuzahlungen. Warum? Wenn man sich die Kostenstruktur mal genauer anschaut, stellt man fest, dass die Zuzahlungskosten, ich mache mal ein Beispiel von dem, wo ich es kenne, ja, 11 V1871, Honorartarif, kostet die Einmalzahlung, also die Zuzahlung 0,5 Prozent, wenn ich es als Sparplan einstelle, 4%. Das heißt, ich müsste also eigentlich mir den Gedanken machen und ich müsste erstmal drauf kommen. Das ist ja schon der Punkt. Ich muss erstmal drauf kommen. Allein das drauf kommen begrenzt sich schon, weil ich ja in der Provisionswelt gar keine andere Möglichkeit habe. Also, also sonst wäre ich wie beim Depot, DWS, Riester, ja, macht auch niemanden, weil ich werde nur ratierlich bezahlt. Das ist ein Beispiel. Oder zu sagen, ich gehe in einer bestimmten strategischen Reihenfolge vor und sage jemandem, mach dreimal eine große Einmalzahlung in Rirup. Das ist vielleicht genug zu deiner gesetzlichen Rente, damit du genug Fixeinkommen hast und danach stellst du beitragsfrei. Wer macht das, wenn er einen Storner dafür bekommt? Das ist gar kein Vorwurf, sondern es geht mir darum, denkt doch mal alle da draußen wirklich nach, ob ihr wirklich den Kunden in den Mittelpunkt stellt. Und da muss ich manchmal schmunzeln, wenn irgendwelche Interessensverbände, sag ich mal, oder Juristen sagen, dass der Makler doch im Wohl des Kunden arbeitet. Ja, das mag vielleicht irgendwo so stehen, aber praktisch gesehen ist das nicht die erste Stelle. Und ich will auch nicht sagen, dass wir die heiligen Samariter sind und die weißen Ritter, die das zu 100% machen, aber das sind so mal ganz einfache Beispiele, wo sich jeder mal fragen darf, stelle ich den Kunden wirklich in den Mittelpunkt? Und darum, und ich glaube, dann verbessern wir die Industrie wirklich, weil Kunden merken das, die fühlen sich auf Augenhöhe behandelt. Man stellt sie wirklich in den Vordergrund. So ist das Gefühl, ich habe jemanden, der mit rechts schreibt, aber der den Kunden mit links alles aufschreibt. Das wirkt teilweise unnatürlich oder halt eben verkäuferisch. Weil natürlicherweise ich auch unterbewusst mein Verkaufsinteresse in den Vordergrund stelle. Auch wenn es viele gar nicht merken werden oder gemerkt haben. Ich meine, wir kommen ja auch aus dieser Welt, wir haben ja Provisionen gemacht, wir wissen ja, wie es war. Wenn wir dann irgendwie kommentieren, wissen das manche natürlich nicht und denken, naja, ihr naiven Honorarberater, was denkt ihr denn in eurer utopischen Welt? Also ist es ja nicht. Wir haben ja Erfahrung in dem Bereich. Und ich glaube, long story short, wirklich an erster Stelle ganz bewusst und sich mal vorher hinterfragend, das Kundeninteresse und den Kundennutzen an erste Stelle zu stellen und danach sein ökonomisches Interesse, das geht in Verbindung. Wir machen siebenstellige Honorarumsätze und es klappt. Da sind gar keine Vermögensverwaltungsgebühren dabei. Wenn das passiert, hätten wir, glaube ich, eine deutlich bessere Beraterwelt, eine deutlich bessere Reputation, aber dafür brauchst einige Löcher in der Käseglocke. Ich habe so dieses Simpsons-Bild im Kopf vom Simpsons-Film, weißt du, da müssen einige raus und dazu kann ich jeden einladen und habe hoffentlich ein paar Impressionen gegeben. Da gibt es zig Beispiele zu, vor allem strategisch, wo man merkt, du glaubst das und ich glaube dir das auch, dass du denkst, du stellst den Kunden an erste Stelle, du tust es aber praktisch gesehen nicht.
SPEAKER_00Ja. Also, was ich dazu auf jeden Fall sagen kann, ist natürlich die Perspektive oder die Frage, die sich da vielleicht auch jeder mal stellen kann, was für Informationen bekomme ich denn von meinem Produktpartner auch zur Verfügung gestellt. Also ich denke jetzt an dem Altersvorsorgebeispiel auch immer ans Thema Dynamiken. Ist ja was, was uns im Verkauf so beigebracht wird, Inflationsschutz. Klingt sofort logisch, man hat es verstanden, man verbindet es irgendwo im Kopf mit Inflation, man verbindet sofort mit diesem Framing, ist was Schlechtes, da müssen wir den Kunden dafür schützen. Ist dann wieder was, wo ich mir selber denke, hey gut, ich tue dem Kunden ja eigentlich was Gutes. Dadurch, dass er jedes Jahr diese 3% Dynamik in seiner AV zum Beispiel hat. Was aber passiert, ist ja.
SPEAKER_01Aber jetzt kommt genau, also ich finde, grundsätzlich hast du einen sehr schönen Begriff gesagt, ich sollte mir gar nicht die Frage stellen, ob ich dem Kunden was Gutes tue, sondern da geht es wieder um das Thema Befähigen. Ich schaffe eine Entscheidungsgrundlage, wo ich ihn dazu befähige, selbst eine mündige, souveräne Entscheidung zu treffen. Wenn ich das wirklich durchziehe, ist das aufwendiger. Wir regeln das über teilweise sieben, acht Stunden durch den Beratungsprozess fortfolgende Vorbereitungsvideos. Aber da muss ich mich halt auch gewissen Vorurteilen stellen, genau das mit der Dynamik, was du sagst. Oder stelle halt auch andere Dinge in der Aufarbeitung fest. Aber genau dieses ich entscheide für jemanden. Natürlich ist das für manche Leute richtig und viele werden sagen, ja, aber meine Kunden wollen das genauso. Ja, weil du es oder sie es auch so wollen, ja. Aber es gibt eben auch andere Kunden, ich glaube, die Welt entwickelt sich eher dahin mit der Informationsdichte und KI und allem drum und dran, dass man eher ein Entscheidungsbuffet haben will als a la carte. Natürlich ist a la carte cool, wenn man genau weiß, was man will und sich darauf einlässt. Aber das ist es genau. Der Unterschied, ich entscheide nicht für den Kunden, sondern ich lasse ihn entscheiden und schaffe eine Entscheidungsgrundlage. Das erfordert aber auch einiges von einem selbst, weil man eben aus der Verkäuferrolle rausgeht und wirklich in die Beraterrolle rausgeht.
SPEAKER_00Ja. Und da ist er wirklich. Nein geht das sorry. Da ist er, also da sprichst du ein Thema an, das beschäftigt ja auch wirklich viele junge Vermittler, vor allem mit denen ich spreche, die da in dem Fall jetzt wirklich ausschließlich Makler eigentlich, die fachlich absolute Koryphäen sind, die wirklich super tief drin sind, die große Freude dann haben, fachlich immer noch besser zu werden. Die gibt es in der AO natürlich auch, aber in dem Fall bei mir waren es jetzt wirklich nur Makler bisher, mit denen ich darüber gesprochen habe, die aber immer wieder sagen, wenn ich frage, was hinter dich da dann jetzt wirklich Wissensarbeiter zu sein, dich für das bezahlen zu lassen, was du da auch leistest und nicht für den Abschluss, wenn du eigentlich sowieso schon fremdelst mit diesem System. Und dann kommt ganz häufig eben, ja, ich weiß nicht, ob mir der Sprung gelingen würde. Meine Kunden wollen das nicht und so weiter und so fort. Also ich glaube, man findet da schnell irgendwelche Gründe. Ich stelle dann auch die Frage, hast du mit deinen Kunden da schon dazu gesprochen? Hast du sie quasi auch aufgeklärt, was das für eine Konsequenz für sie hätte? Ich kann schon verstehen, dass man dieses Gespräch nicht führen will, weil da muss ich natürlich auch eingestehen vor dem Kunden, das, was ich dir vielleicht in der AV da vermittelt habe. War jetzt rückblickend gesehen nicht das Optimum von dem, was ich dir hätte anbieten können. Auf der anderen Seite, klar, viele von denen gehen diesen hybriden Weg, dass sie sagen, hey, ich vermittle halt dann im Servicefall einfach Honorarlösungen oder Honorartarife, Nettotarife. Wie blickst du da drauf? Was würdest du denen mitgeben, wenn jetzt hier junge Vermittlerinnen und Vermittler zuhören und sich die Frage stellen, ja klingt gut, aber wie?
SPEAKER_01Zwei Punkte für mich. Also ich versuch's mal in einem Bild zu machen. Wenn ich vorher alle Eissorten, egal ob vegan oder normal verkauft habe und jetzt sage ich verkaufe nur noch veganes Eis, dann finde ich es ganz natürlich, dass ich, dass die Leute, die vorher da waren, zum Teil nicht mehr zu mir passen. Das heißt, also ich mache im Endeffekt ein zweites Geschäft auf, was vielleicht was ähnliches macht, aber komplett anders. Und vorher habe ich eben eine Kundschaft angezogen, die sich davon angezogen hat. Ich bin ein Teil davon und wahrscheinlich viel sogar, ich als Personenmarke dafür verantwortlich, aber dass die Person zu dem Geschäftsmodell passen und zu meinem neuen Geschäftsmodell nicht, das würde ich erstmal so akzeptieren und mich nicht dagegen wehren. Und diesen Gedanken zu haben, ich muss die alle darüber transferieren, das ist sowieso Blödsinn. Also du wirst Leute haben, die sagen, nö, bin ich nicht bereit zu zahlen. Fertig. Und dann kommt es zum nächsten Punkt, der zweite Punkt an der Stelle. Ich glaube, wichtig ist erstmal klar zu machen und dann, so haben wir es ja auch erlebt, wir haben ja genau diesen Wechsel gemacht, sich klar zu machen, einerseits, was sind natürlich die Vorteile für dich als Kunde, wie kann ich das aufarbeiten, aber was sind meine eigenen Werte? Und wie passen diese Werte jetzt eigentlich viel besser zu, na, also ich habe vorher schon nachhaltig gelebt habe, aber kein veganes Eis gemacht, weil so Tierprodukte, also ich will das jetzt gar nicht aufmachen, das große Thema, aber ich finde, es trifft so ein bisschen. Wenn ich jetzt also sage, ich hatte vorher schon diese Werte, ich kannte nur nicht die Möglichkeit, veganes Eis zu machen, jetzt kann ich es machen. Und ich beschreibe dir nochmal ganz klar im Wechselprozess mit bestehenden Kunden, was meine Werte und Visionen dahinter sind und warum ich das mache und warum du auch dazu passt, denke ich, wenn du meine Werte teilst, ist das A für bestehende Kunden gut und vor allem für neue Kunden, neue Leute anzuziehen. Weil auch das können wir ja best practice. Ich denke mal, wir sind die größten Einzelhonorar mit einem fairen Honorarvermittler in Deutschland, würde ich mal fast behaupten. Es gibt genug Nachfrage dazu, aber es bedarf auch Aufklärung und die Aufklärung, die fängt erstmal bei einem selbst an. Das heißt, ich muss mir erstmal selbst im Klaren darüber sein, was sind meine eigenen Werte. Fühle ich mich so, also habe ich so einen hohen Selbstwert und sind mir meine eigenen Werte so klar, dass ich sie transparent nach außen tragen kann und auch selbstbewusst diesen Preis für mich verlangen kann. Ja, also das ist ja so ein bisschen, spreche ich eine Frau oder einen Mann abends an, weil ich mich in dem Moment selbstbewusst und selbstwertig genug fühle oder lasse ich mich ansprechen. Ja, aber wir gehen mal vom Ansprechensszenario aus, da muss ich natürlich wissen, was ich kann und was für Vorteile sind und eine gewisse Selbstsicherheit mitbringen. Und das ist beim Honorar auch so. Wir haben uns am Anfang super schwer getan und mit viel zu geringen Honoraren angefangen, weil wir gesagt haben, das können wir nicht verlangen. Ja, und jetzt ist es ganz natürlich, dass du das verlangst, weil du, also der Satz dahinter ist, ich bin ein Hochstapler und das ist gut so. Nicht, dass wir zu hohen Preis haben, es ist immer negativ konnotiert, aber für sich selbst, wenn man da anfängt und denkt, boah, ja so viel kann ich ja nicht nehmen, das war ja voll umsonst, dann mal den Satz sagen, ich bin ein Hochstapler, Hochstaplerin und das ist gut so. Und das einfach mal annehmen, dass man sich selbst es wert ist. Ich bin Geld ist. Also es ist okay, dass mir jemand von sich 2000 Euro gibt, weil ich es wiederum ihm total zurückzahle. Das hat nichts mit Fachlichen zu tun. Ich als Mensch gebe ihm es zurück und meine Dienstleistung passt dazu. Und das muss man, glaube ich, da ist viel, viel Selbstarbeit und deswegen ist es auch nicht so einfach, diesen Wechsel zu betreiben. Aber viel Selbstarbeit, eigene Werte und dann ist das sehr gut möglich und dann kann man sich eben auch sehr gut unterscheiden da draußen von anderen. Und auch ganz andere Themen, das kommt ja noch dazu, ich kann ja Social Media mit MyWerk, wenn ich das wollen würde, viel, viel, also wir sind schon spitz, aber ich könnte noch, wenn ich genug Geld für irgendwelche Anwälte bezahlen würde, könnte ich noch viel, viel spitzer rangehen, weil ich viel, viel mehr Möglichkeiten habe. Und ich kann einen ganz anderen Trust aufbauen. Und wenn man das mal gefühlt hat, wie man da auch sitzt vorm Gespräch, ich kann mich wirklich noch daran erinnern, als wir angefangen haben und sitzt hast und denkst, zehn Kilo weniger, weil ich nicht darauf achten muss, wie ich gewisse Dinge umschiffe, damit die nicht ans Thema kommen. Also Seite 30, Produktinformationsblatt zum Beispiel. Diese schwierigen Themen oder kritisch, es gibt keine kritischen Nachfragen mehr. Und wenn zu den Produkten, und die sind ja in Anführungszeichen egal. Und das würde ich jedem raten, beschäftigt euch mit euch selbst. Ich weiß noch, wir haben bei uns aufgeschrieben, wir haben einfach eine Excel gemacht, wir haben jeder von uns dreien als drei Gründer das aufgeschrieben, wie empfinden wir das, wie sind wir, wie wollen wir uns fühlen, was sind unsere Werte? Und dann haben wir quasi mit Ausschussprinzip immer einen Wert gegen den anderen antreten lassen und haben es nachher auf zehn, glaube ich, runtergebrochen. Das macht ganz nebenbei auch jede Marketingagentur mit dir, die mit dir eine Marke entwickelt. Und das ist super wichtig.
SPEAKER_00Ja. Sehe ich ganz genauso. Es glaube ich, also ich führe gerade sehr, sehr viele dieser Assessments durch. Ich habe schon dir auch erzählt, was wir so machen mit diesen Managed Services und so weiter und so fort. Teil in diesen Assessments ist auch immer rauszufinden. Wir starten immer bei einem selber. Also ich kann mich nicht positionieren, wenn ich nicht verstehe, wer ich bin, wofür ich stehe und warum ich das auch tue. Ich habe es gestern auch jemandem erzählt, ich habe das normalerweise immer tageweise gemacht, also wirklich vor Ort bei den Leuten und dann acht bis zwölf Stunden, gib ihm. Es hat auch was fast schon Therapeutisches, weil man so viel Zeit miteinander verbringt und man erfährt von den Kunden Sachen, die wissen die besten Freunde nicht. Da gibt es so eine Methode, die nennt sich Lebenslinien. Da zeigne ich mir wirklich einfach mal meinen Zeitstrahl auf, den ich schon lebe, und dann alle prägenden Ereignisse. Das kann die Einschulung sein, das kann die Geburt von einem Geschwisterkind sein, das kann das erste Auto sein, das kann alles möglich sein, es kann eine schlimme Erfahrung sein, ein toller Erfolg, dass man mal irgendeinen Musikwettbewerb gewonnen hat oder ein Instrument bekommen hat oder sportlich erfolgreich war oder eben aber auch die Lows bei dem Ganzen, um sich klar zu werden, warum bin ich der, der ich heute bin und wer bin ich eigentlich. Und ich glaube, das ist, wenn man dann sich auch die Frage stellt, weil die richtige Zielgruppe zu finden, bedeutet immer, was für ein Problem kann ich für diese Gruppe lösen? Und dann muss ich auch vom Problem, das diese Gruppe vereint, herdenken. Da kann ich dann anfangen, mit meiner Fachlichkeit, das ist der dritte Schritt, diese Lösung richtig schön zu präsentieren, zu zeigen, warum ich der Richtige bin. Da habe ich nämlich die Kombination aus mir als Person, aus dem Problem der Zielgruppe und der Lösung. Und deswegen finde ich diesen Ansatz, den ihr da wählt, wirklich einen sehr, sehr guten, halte den auch aus meiner Marketingvertriebsperspektive für den absolut richtigen. Und du hast jetzt noch ein Thema angesprochen, das ich zum Schluss noch gerne mit dir anreißen möchte. Eigentlich sind es noch zwei kleine Sachen, aber das Thema Produkte. Ich glaube, da sollte man unbedingt auch nochmal drüber sprechen, weil wir ja auch in unseren Vorgesprächen darüber gesprochen haben, was sind denn so die Hürden, mit denen ihr jetzt auch als Honorarberater denn noch so konfrontiert seid. Und wie blickst du aus deiner heutigen Brille auf die Gesamtproduktwelt? Ist Honorarberatung überall möglich? Nein.
SPEAKER_01Ja, eine gute Frage. Also nach IDD war es ja so, dass theoretisch du als Honorar, also nach 34D Absatz 2, ja, du theoretisch Provisionstarife vermitteln dürftest, also sie zum Versicherer bringst und der diese Provision in Form einer Beitragsrückerstattung zu 80% auskehrt. Warum auch immer 80%? Lobbyarbeit lässt grüßen, aber so wäre es theoretisch. So, jetzt ist es aber so, dass praktisch gesehen du keine Direktanbindung und auch keine Pool-Anbindung bekommst, wenn du 34D Absatz 2 bist. Warum ist das so? Naja, weil manche Rechenzentren, weiß ich nicht, noch, Asprach-Uralt sind, ja, und das wahrscheinlich, also ich verstehe den Grund als Versicherung. Die können das nicht abbilden. Das würde viel zu viel Kapazitäten fressen, weil eigentlich müsstest du für jeden Haftpflichtvertrag entweder eine genau parallele Tarifgeneration schaffen, die eben keine Provisionen enthält, oder du müsstest irgendwie ein Beitragskonto für jeden Mini-Vertrag schaffen, wo genau das verrechnet wird. Was machen die Versicherer also? Die sagen, obwohl alles gleich ist, vorher warst du 34D Absatz 1, waren wir auch mal eine gewisse Zeit und dann seit seit langem aber schon 34d Absatz 2, wir geben euch keine Anbindung mehr. So, damit ist die Antwort, die ich dir gegeben habe, unterstrichen. Nein, es ist nicht überall möglich, weil ich eben nur sehr begrenzt in allen Produktkat in allen Produktsparten auf alle Tarife zugreifen kann. Im Altersvorsorgebereich vollkommen ausreichend und überhaupt nicht notwendig. Im BU-Bereich auch so gut wie nicht notwendig. Manchmal schon. Da muss man sich halt Gedanken machen, schickt man den Kunden zu Check24 oder hat man noch einen befreundeten Provisionsmakler, der wo man sagt, da schicke ich den Kunden jetzt hin und den Kunden darüber aufzuklären, hey, ja, du zahlst im Zweifel doppelt. Das solltest du wissen am Anfang. Wir machen unseren Aufwand geltend und du musst dir die Frage stellen, ist es mir die Unabhängigkeit und die Interessenskonfliktfreiheit wert? Weil so Beispiel PKV, also BU kommst du noch klar. PKV kannst du vergessen, da gibt es ein paar, ich glaube zwei Honorartarife. Das heißt, da ist es ganz natürlich, aber es gibt sicherlich genug gute PKV-Berater und ich kenne auch einige, die dir auch neutral erklären, wann PKV Sinn macht und wann nicht, aber auch aus Strukturvertriebszeiten und teilweise eben auch noch Kunden, die bei uns landen, die logischerweise auch bei uns landen, weil wenn sie zufrieden sind, würden sie nicht bei uns landen, was auch immer so ein Bias, ne, aus einer Sichtwelt, wo du feststellst, puh, also neutral gesehen hätte dir das so jemand wie wir nicht empfohlen, in die PKV zu gehen. Und dann ist immer das Fragezeichen, gab es jetzt einen Interessenskonflikt in Form von Provision oder nicht? So, aber grundsätzlich muss man festhalten, das ist der Nachteil, der Kunde würde in solchen Bereichen doppelt zahlen. Also wo es Sinn macht und wo aus meiner Sicht, ich will das immer nicht aufmachen, aber auch ein Provisionsverbot sinnvoll sein würde, wenn es genug Tarife geben würde, wäre alles, was mit Biometrie zu tun hat. Weil Gesundheitsfragen werden nicht immer von allen sauber behandelt. Altersvorsorge, alles, was damit zu tun hat, Investment. Ich finde Provision total gut und total richtig mit allem, was mit Sache zu tun hat. Würde ich sofort unterschreiben, Haken dran, Gewerbe, Privathaftpflicht, Kfz, alles was dazu gehört, super kann man machen, gar kein Thema. Da empfinde ich auch keinen Interessenkonflikt. Bei allem anderen hängt es halt immer von dem Berater der Beraterin ab. Wenn du das dann sagst, dann sagen alle, ja, ich bin ja der Gute. Die Praxis zeigt ja immer was anderes, aber ja, zehn gute werden durch einen schlechten runtergezogen, ist dann leider so. Aber von daher ist es nicht pauschal umsetzbar. Honorarmodelle sind schon in den Bereichen, die ich genannt habe, umsetzbar im Sachversicherungsbereich, Gewerbe geht vielleicht noch, aber oder auch gut sogar, aber da gibt es ja nicht immer provisionsfreie Tarife, dann stehst du wieder da. Und bei einer Haftpflicht und bei einer Hausrat ist es einfach nicht sinnvoll. Also, was soll ich ein Honorar nehmen für 400 Euro, dafür, dass ich jemand sage, deine Haftpflicht kostet jetzt statt 70 Euro, 40 Euro und du hast 10 Punkte mehr im Frankfurt-Baumberg-Leistungsscore. Also das muss man immer so ein bisschen ins Verhältnis setzen.
SPEAKER_00Ja, und auch ganz ehrlich, Ingo, also wir kennen die Tarifrechner, wir wissen, wie aufwendig, wenig aufwendig es ist, sich für eine Haftpflichtversicherung zu entscheiden. Also, das ist jetzt wirklich was, das kriegen Leute hin. Ich glaube, da kann man auch die Befähigung in den Vordergrund stellen und das ist, glaube ich, auch ein Zukunftsthema, was für viele, die jetzt gerade noch als Vermittler tätig sind, die zukünftig vielleicht auch als Berater tätig sein wollen, trotzdem noch ein super Bestandteil ihrer Wertschöpfungskette sein kann, weil man eben den Zugang zu ausgewählten Tarifen dann auch liefern kann, da auch vielleicht vorab schon Empfehlungen aussprechen und ich meine, ein Provisionsverzicht ist der da in der Praxis gut klar, du hast immer, du hast immer den Punkt, du musst dann noch Makler sein, um das quasi ermöglichen zu können, aber der wäre ja in der Theorie möglich, oder?
SPEAKER_0134D-Asatz 1er, ja. Aber dann hast du halt den Interessungskonflikt. Also wir haben häufiger, also wir haben jetzt die Tage jetzt wieder ein Webinar gemacht, wo dann jemand sagt, naja, dürfte denn, also woran kann ich denn feststellen, dass nicht vielleicht doch jemand Provision nimmt? Dann muss ich sagen, ja, also bei dem der 34. Also wir waren ja vorher mal 34D Absatz 1, genau wegen diesen Struggles, die ich gerade beschrieben habe. Wir haben aber genauso gehandelt wie jetzt auch. Und aber an sich hat dann der Verbraucher auch die Nachfrage recht und du müsstest ehrlich beantworten, ja, rein theoretisch kann ich dir nicht versprechen, dass ich keine Provision nehme, wenn ich nicht nach H oder Absatz 2 registriert bin. So, und dann sind wir wieder bei, ja, ich als Mensch bin ein guter Berater und mir kannst du vertrauen, das, was ich dir sage, aber wie sollen Verbraucher von außen hin feststellen, dass es wirklich so ist? Und dann kommt wieder eben das Bild, das Stimmungsbild gegenüber der Finanzbranche mit dazu, dann hast du an und die nach oben draufhauen, ja, wie Verbraucherschützer, teilweise ja auch zu Recht. Und dann kann ich das schon verstehen, dass jemand sagt, nur der 34D-Absatz Zweiler, bei dem kann ich das eben sicherstellen und auch nur da werde ich unabhängig beraten, weil der Provisionsverzicht, also ich meine, das ist ja ein total technischer Vorgang, also wie soll ein Endverbraucher nachher, der mal gerade ETFs verstanden hat oder ein Riester, wie soll der das sicherstellen? Also du hast ja keine Kontrollinstanz wie bei einer DRL-Lieferung, wo du siehst, oh, ja, dein Paket ist kurz vom Ankommen, oh, deine Provision wurde dir, da wurde drauf verzichtet, also dieser Prozess ist ja überhaupt nicht transparent.
SPEAKER_00Ja, das war. Ich habe gerade eine Idee im Kopf, da sprechen wir im Nachgang mal noch drüber, weil wir auch zu Verbraucherschützern ja ganz gute Kontakte haben und auch über ein paar Sachen sprechen. Ich glaube, da wäre es wirklich mal interessant, auch wirklich so ein konstruktives Austausch schon mal hinzubekommen. Da sprechen wir nachher noch, Ingo. Ich habe nämlich noch eine Frage an dich, weil man soll ja, habe ich gelernt, eine Klammer um so einen Podcast wie den, den wir jetzt gerade hier machen, setzen. Und wir sind reingestartet mit dem Ereignis, das nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten die deutsche Öffentlichkeit noch mehr aufgescheucht hat und für noch mehr Hysterie gesorgt hat und vor allem für noch mehr sinnfreie Debatte. Deswegen versuchen wir jetzt mal einen positiven Debattenbeitrag zu leisten, beschäftigen uns also weniger mit dem Hier und Jetzt und Klein-Klein, sondern dem, wo wollen wir hin. Es wird ein Posten vakant, und zwar der des Finanzministers. Wenn du jetzt ein paar Wünsche an ihn äußern könntest rund ums Thema finanzielle Bildung, rund ums Thema Vorsorge, rund ums Thema Absicherung in lebensnotwendigen Bereichen, was würdest du dir von ihm wünschen?
SPEAKER_01Boah, das ist aber ein großes Paket. Also, was würde ich mir von ihm wünschen? Also, ich finde den Schritt Finanzbildung in Schulen richtig. Und ich glaube, auch das, was da gestartet wurde, müsste aber mit einer noch viel, viel stärkeren Vehemenz durchgezogen werden. Also an sich kenne ich nur relativ wenige Projekte, vor allem die nicht von interessenskonfliktbefangenen Leuten gestartet werden, sondern wirklich von interessenskonfliktfreien Vereinen geleitet werden, die sich mit dem Thema beschäftigen. Aber das wäre sicherlich, um an erst einen guten Startpunkt zu setzen, solche Initiativtage zu haben, Finanzbildung in der Schule, darüber hinaus eben auch Finanzbildung wirklich als Fach zu haben, aber damit bin ich jetzt auch nicht der Erste, der das sagt. Ich glaube, das ist das eine. Ich fand auch die Idee gut, eben zusätzlich quasi den Kids Geld mitzugeben, vielleicht übers Kindergeld zu sagen, hey, wir geben 25 Euro mehr aufs Kindergeld obendrauf und dafür machen wir direkt einen staatlichen Topf auf, ähnlich wie jetzt eben dieses pauschale Depot, was quasi der Staat aufmacht als Ausgleich zur gesetzlichen Rente, dass man das eben für Kinder aufmacht und das quasi auch koppelt damit, ähnlich wie wenn dann mit dem nullten Lebensjahr der Bescheid zur Steuer-ID kommt, dass man da eben direkt ein Depot mit hat und dann irgendwie festgelegte Bildungsinhalte mitgibt über die Jahre, da eine Struktur zu haben, das festzulegen. Ansonsten fand ich den Riester-Reformansatz sehr, sehr gut. Sicherlich ist in Frage zu stellen, warum nicht direkt auch Provisionsverbot da mit drin ist, weil ein Problem, und das ist dann mein nächster Appell, ja, ich würde definitiv für Altersvorsorgeprodukte Provisionen verbieten, weil Riester vor allem gescheitert daran ist, dass die Kosten zu hoch waren des Produkts. Und ja, Altersvorsorgedepot, super Idee, ohne Garantien, super Idee, höhere Förderung, keine steuerliche Verrechnung. Ich würde auch sowas machen wie eben die 401Ks in den USA, also das einfach noch mehr zu fördern, dann auch eben die Steuerfreibeträge dynamisch anzupassen, das, was ja auch schon mal immer ein Tenor war, das finde ich schon sehr gut. Und das sind, glaube ich, so die Haupt-Punkte. Ich weiß gar nicht, ob so viel mehr fordern, so viel sinnvoller wäre. Aber im Endeffekt dort Voraussetzungen zu schaffen auf deutscher Ebene, dass es eben, dass dieses Aktiensparen in irgendeiner Form schon so früh verankert wird. Also ich meine, wenn ich wüsste, dass jeder ein Depot hat und ich könnte da unwiderruflich nicht bis 18 dran und daran Bildungsinhalte koppeln. Ich glaube, da ist schon vielen geholfen, wenn sie erstmal wüssten, dass es so solche Sachen gibt und dass es nicht der Bausparvertrag oder das Sparbuch ist, was ich von Oma oder Opa bekommen habe. Plus sinnvolle, steuerlich geförderte Varianten, die eben nicht durch Interessenkonflikte und durch zu, oder ich nenne es einfach mal zu teure Kostenstrukturen zerstört werden und dann danach die nächste Sau durchs Dorf zu treiben. Damit wäre, glaube ich, schon vielen geholfen und wenn man das dann noch damit verbindet, dass steuerliche Verrechnungen, wenn es dann für die Altersvorsorge gedacht ist, auch diese Steuerfreibeträge angehoben werden. Ich glaube, da wäre schon viel getan.
SPEAKER_00Ingo, es ist mir eine riesige Freude gewesen, dich heute hier zu Gast haben. Und zum Ende des Podcasts fehlt eigentlich nur noch eine Frage. Da bin ich jetzt auch sehr, sehr, sehr gespannt auf die Antwort. Denn wir fangen noch ein bisschen an zu phantasieren zum Ende hin. Wir denken mal 15 Jahre in die Zukunft und wir machen uns die Welt jetzt, wie sie uns gefällt. Wie sieht idealerweise in 15 Jahren die Finanzwirtschaft für dich aus?
SPEAKER_01Wie sieht die Finanzwirtschaft in 15 Jahren aus? Also in einer idealen Welt gibt es von wem auch immer angeleitet, ich bin ja schon Form von freier Wirtschaft und Unternehmertum, aber auf jeden Fall staatlich gefördert. Für jeden Zugang zu Finanzbildung, zu digitaler Finanzbildung und dass nach einheitlichen Leitplanken, die Interessenskonfliktfreie Inhalte vermitteln, damit jeder Zugang dazu hat und dass eben dadurch ein größerer Wohlstand in der Gesellschaft. Und ich glaube, damit auch viele, viele, viele, viele Probleme gelöst werden könnten, dass es diesen Zugang gibt, dass wirklich jeder, ich meine, die Idee ist mir gerade erst gekommen mit diesen Kinderdepots, aber dass eigentlich mit dem nullten Lebenswert quasi ein Bildungsinhalt festgelegt wird, der jedem zur Verfügung steht. Alles andere wäre schon zu viel im Detail und ich glaube, das würde schon viel verändern.
SPEAKER_00Ein wunderbares Big Picture, das auch noch realistisch ist. Finde ich super, Ingo, ganz, ganz toll, dass du hier warst. Vielen, vielen Dank für die Zeit. Ich hoffe, wir wiederholen das nochmal zu einem späteren Zeitpunkt, um mal zu gucken, wie weit wir schon gekommen sind, vielleicht in einem Jahr oder so. Wenn du mich einlädst, gerne. Einladung steht, also lass uns das wirklich sehr, sehr gerne machen. Zwei Sätze noch von mir. Ich finde es einfach wichtig, dass wir hier auch in der Branche, also uns hören ja sowohl junge Menschen außerhalb der Branche, als auch eben viele Kollegen und Kolleginnen aus der Branche zu. Und ich finde es wahnsinnig wichtig, dass wir diese Debatte miteinander führen, dass wir uns, dass wir darauf achten, was jemand sagt und was für Vorschläge er macht, dass wir weniger darauf achten, wie es jemand sagt und was es quasi nur emotional mit uns macht, sondern da hast du heute auch, glaube ich, eine gute Anleitung gegeben, sich mit den eigenen Emotionen vielleicht auch mal anders auseinanderzusetzen. Also nehmt dieses Gespräch gerne auch als Anlass, nehmt Kontakt auf, sprecht uns an, wenn ihr Fragen habt jederzeit. Ich glaube, auf der Internetseite von MyWerk kann man da auch noch die ein oder andere spannende Info abgreifen. Also schaut euch die Sachen alle an. Wir sind im Endeffekt eine Branche, die gemeinsam Richtung Zukunft geht, die auch, und ich kenne so viele Leute mittlerweile aus dieser Branche, die das Kundenwohl gerne mehr in den Fokus stellen möchte. Ich glaube, da gibt es eigentlich einen ziemlich breiten Common Sense. Die Leute wollen Gutes tun. Die Leute wollen, dass wir eine Zukunft haben, eine gemeinsame Zukunft, die sicher ist, die lebenswert ist. Und ich glaube, es ist wichtig, dass wir dann da auch wirklich Hand in Hand arbeiten. Und jetzt habe ich genug zum Ende noch geschwafelt, Ingo. Die letzten Worte im Futurance Podcast, die gehören nämlich immer dem Gast. Vielen, vielen Dank an dich. The Stage is yours.
SPEAKER_01Danke. Ich möchte das unterstreichen, was du sagst. Wir haben das für uns im letzten halben Jahr auch nochmal festgestellt, dass wir nachhaltig im Sinne für VerbraucherInnen nur was verändern können, wenn mehr Leute, ohne dass wir jetzt denken, dass wir den Königsweg gefunden haben, so denken wie wir oder in die Richtung denken wie wir. Möchte da auch jedem die Hand reichen, der Lust auf eine auch angeregte Diskussion hat, weil das finde ich auch total schön und gut und deswegen habe ich ja auch, also ich nehme ja nicht häufig solche Einladungen an, aber habe mich auch gefreut, dann die Einladung von dir anzunehmen in dem Bereich. Und ich glaube auch, dass es eben, das ist, man hat einen Common Sense, dass man Kunden helfen will und gleichzeitig ist es aber auch notwendig, wenn ich in dieser Branche langfristig, also gerade wenn ich jetzt über Personen spreche, die 20, 30, 40 sind, die noch 40, 30, 20 Jahre in der Branche arbeiten wollen, VerbraucherInnen werden immer aufgeklärter, es gibt immer mehr Do-I-Yo-Self-Möglichkeiten, die Technologie geht hoch. Das heißt, ich komme gar nicht vorbei, wenn ich mich langfristig in dieser Branche aufstellen will und damit auch gutes Geld verdienen will, dass ich mich mehr mit dem Kunden beschäftige und den Kunden mehr in den Fokus rücke, weil den Leuten es immer mehr auffällt und weil der Regulierer auch immer mehr versucht, Transparenz einzurichten. Und wenn man da feststeckt und dann nicht unternehmerisch weiterdenkt, dann wird man, glaube ich, nicht ewig in dieser Branche arbeiten an der Stelle. Und daher finde ich deine Einladung so schön und würde es hier einfach nochmal doppelt aussprechen, auch von unserer Seite aus. Und freue mich, dass ich die Chance hatte, da auch unser Gedanken gut hier zu teilen.
SPEAKER_00Was für eine spannende Folge. Vielen Dank euch fürs Zuhören. Schaltet auch nächsten Donnerstag wieder ein. Ladet euch den Podcast in euren Podcatcher runter. Hört ihn auf den Weg zur Arbeit und schaut bitte auch noch in den Shownotes vorbei. Da sind nämlich alle Infos zu unserem Gast, alle Verlinkungen. Vernetzt euch, tretet in Kontakt und lasst uns gemeinsam die Zukunft der Versicherungs- und Finanzwirtschaft gestalten.