Futurance: Zukunft & Versicherung

Fehlanreize in der Versicherungsbranche: Franziska Geusen über Kontrollmechanismen und Diversität

Maximilian Schroll / Franziska Geusen Episode 69

Heute begrüßen wir Franziska Geusen, die einzigartige Einblicke in die Versicherungsbranche als Geschäftsführerin bei Hans-John Versicherungsmakler und Vorständin im AFW Bundesverband für Finanzdienstleistungen mitbringt. In dieser Episode besprechen wir ein breites Spektrum an Themen - von strukturellen Problemen und Fehlanreizen durch Provisionen bis hin zu den Herausforderungen und Vorteilen der Diversität in Führungsteams.

Franziska Geusen teilt ihre Erfahrungen als Versicherungsmaklerin und beschreibt die positiven Effekte, die eine vielfältige Teamzusammensetzung auf die Entscheidungsfindung und den Geschäftserfolg haben kann. Wir gehen auf die Rolle der Strukturvertriebe bei der Nachwuchsförderung ein und wie interne Kontrollmechanismen Fehlanreize minimieren könnten. Zudem wird die Bedeutung flexibler Arbeitsmodelle und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie thematisiert, wobei Franziska betont, wie wichtig gesellschaftliche Akzeptanz und flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Digitalisierung in der Versicherungsbranche. Franziska spricht über Pläne zur Einführung digitaler Bestandsführungssysteme und wie diese helfen können, Kunden effizienter zu betreuen. Maximilian Schroll hebt in diesem Zusammenhang die Bedeutung zukunftssicherer Vergütungsmodelle und Servicevereinbarungen hervor.

Darüber hinaus diskutieren wir die Notwendigkeit der Ausbildung und Unterstützung junger Talente, die Herausforderung qualifizierte Bewerber zu finden und wie duale Studiengänge eine Lösung darstellen könnten. Schließlich betonen wir die Wichtigkeit von Resilienz und Innovationskraft in einer sich ständig wandelnden Branche.

Freut euch auf ein inspirierendes und informationsreiches Gespräch, das nicht nur Einblicke in die aktuellen Herausforderungen der Versicherungsbranche bietet, sondern auch konstruktive Ansätze und Lösungen für die Zukunft. Viel Spaß beim Zuhören!

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Maximilian Schroll [00:00:00]:
Herzlich willkommen zum Futurants Podcast. Wir sprechen über die Zukunft einer sehr traditionsreichen Branche. Wir sind nämlich der Überzeugung, dass es an der Zeit ist für echte Veränderungen in der Versicherungs- und Finanzwirtschaft. Und wer die Zukunft mitgestalten will, der muss hier zuhören. Hallo und herzlich willkommen zum Futurants Podcast. Mein Name ist Maximilian Schroll und ich freue mich sehr, dass ihr heute wieder eingeschaltet habt. Denn heute habe ich Franziska Geusen zu Gast und ich habe mich sehr auf diese Aufnahme heute gefreut. Franziska, sehr schön, dass du heute hier bist.

Maximilian Schroll [00:00:33]:
Stell dich doch bitte für die Zuhörerinnen und Zuhörer, die dich noch nicht kennen, mal vor.

Franziska Geusen [00:00:36]:
Ja, erstmal vielen Dank für die Einladung. Wie du gesagt hast, ich bin Franziska Geusen, bin Geschäftsführerin des Unternehmens Hans-John Versicherungsmakler aus Hamburg. Wir machen Vermögensschadenhaftlichtversicherung und eigentlich nur das. Kommen wir sicherlich später noch mal genauer dazu. Nebenbei bin ich Vorständin im AFW, Bundesverband für Finanzdienstleistungen. Sagt vielen Zuhörern hoffentlich auch etwas. Wir sind ein Verband als Vertreter für die Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler und Vermittlerinnen in Deutschland, beziehungsweise eigentlich alles, was der 34er so hergibt. Ob IF, bald gibt es den K, also alles, was da zu haben ist, das vertreten wir gegenüber der Politik, gegenüber aber auch Anbietern wie Risikoträgern.

Franziska Geusen [00:01:19]:
Genau, ich selbst bin Mutter zweier Kinder, bin 32 Jahre alt und wohne im schönen Lohne. Das wissen die meisten wahrscheinlich nicht, wo das ist, so ungefähr zwischen Hausnerbrück und Bremen. Jetzt seit einigen Jahren und freue mich heute hier zu sein.

Maximilian Schroll [00:01:34]:
Mega, also vielen Dank für diesen super guten Wrap-up, glaube ich, einen guten Eindruck zu bekommen, was du eigentlich alles machst und besonders interessant fand ich jetzt die beiden Zusätze am Ende noch. Du bist 32 und du bist zweifache Mutter. Da gleich mal die Frage, wie viele Stunden hat dein Tag? Wie schaffst du das?

Franziska Geusen [00:01:52]:
Zurzeit relativ viele. Also es ist immer unterschiedlich. Und das ist ja das Schöne am Selbstständigsein oder am eigenständigen Arbeiten. Wenn ich im Konzern geblieben wäre, wäre das alles so wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Aber es gibt Tage, da mache ich ein Uhr Feierabend und bin Mama und bin in meiner Freizeit und es gibt Tage, da sprinte ich aus dem Büro, unsere Nanny abzulösen und sobald die Kinder liegen, sprinte ich zurück ins Büro und sitze da bis spät in die Puppen. Also das ist unterschiedlich. Das kann man tatsächlich gar nicht so pauschalisieren, aber das Schöne ist ja, wenn die Arbeit einem so viel Spaß macht, dass es eigentlich gar keine Arbeit ist, sondern meistens wirklich eine große Freude, dann ist das auch in Ordnung so.

Maximilian Schroll [00:02:35]:
Das hört sich wirklich wundervoll an und da möchte ich gerne mehr dazu erfahren. Zuallererst interessiert mich aber, Franziska, wie bist du denn überhaupt in unsere wunderschöne Branche gekommen?

Franziska Geusen [00:02:43]:
Ja, ehrlich gesagt am Tag meiner Geburt. Meine Eltern sind beide Versicherungsmakler und mein Vater hat im Jahr, in dem ich geboren wurde, sein eigenes Maklerunternehmen gegründet, sodass tatsächlich mit dem Tag meiner Geburt ich schon voll drin war und ich auch in den Ferien früher im Büro war, damals gab es ja noch kein BIPRO, das heißt ich habe an einem Scanner gestanden, Pullisen gescannt und danach geschreddert, zugeordnet zu irgendwelchen Kundendaten. Also ich bin wirklich mit der Branche groß geworden. Es war ganz typisch, dass wenn irgendwelche Maklerbetreuer oder auch Vorstände von Versicherungen bei meinen Eltern zu Gast waren, dann haben sie im Besprechungsraum ihr Meeting abgehalten und danach bei uns auf der Terrasse Kaffee getrunken, so dass ich da wirklich ganz früh in die Gespräche mit reingegangen bin und man muss ja auch dazu sagen, meine beiden Eltern haben in dem Unternehmen gearbeitet. Das heißt, ob am Abendessen, Tisch, Ostern, beim Mittagessen, wie auch immer, es war immer Thema Versicherung bei uns. Es hat auch dazu geführt, dass ich mich am Anfang eher so ein bisschen dagegen gesträubt habe. Ich wollte eigentlich Jurastudierende, Notarin werden. Und tatsächlich hat dann einer dieser Vorstände, damals der CEO von der Swiss Life Deutschland, der saß bei uns auf der Terrasse, wieder mal, und erzählte mir von einem Programm, was in München damals den ersten Durchlauf hinter sich hatte, das AIS, Ausbildungsintegrierte Studium, das ist eine Kooperation zwischen der Universität der Bundeswehr, einigen Versicherern in München und dem BWV, also dem Berufsbildungswerk.

Franziska Geusen [00:04:09]:
Und er erzählte eben von demjenigen, der da gerade das erste Mal fertig geworden war und wie toll er doch sei und wie super ausgebildet und zukünftige Führungskraft bei uns und das wäre alles ganz großartig, sodass ich mich breitschlagen habe lassen zu einem Praktikum bei der Swiss Life in München, damals, ich glaube es war in der 10. Oder 11. Klasse, glaube ich. Und das war auch ganz großartig, ich habe mich super wohl gefühlt und habe mich dann tatsächlich dazu entschieden, mich für dieses ausbildungsintegrierte Studium zu bewerben. Bei allen Versicherern, die das so angeboten haben damals, obwohl ich in der Branche ja schon drin war, konnte ich noch nicht so richtig entscheiden, welcher Versicherer ist denn jetzt der, wo ich das machen möchte. Und Relativ schnell haben sich dann Ergo, Allianz und Swisslife gemeldet. Swisslife wollte ich nicht, weil mein Vater da ziemlich tief drin war und ist und da wäre ich immer nur die Tochter von gewesen. Ich habe mich dann für die Allianz tatsächlich entschieden und dann da auch mein Studium gemacht.

Franziska Geusen [00:04:59]:
Also Bachelor, Master und die ganz normale IHK-Ausbildung. Nur die Berufsschule hatten wir nicht, sondern wurden dann im Berufsbildungswerk fortgebildet. Also haben einen Tag Hausrat und dann musste man Hausrat können und so weiter. Und in der Zeit bei der Allianz im Studium habe ich alle drei Monate die Abteilung gewechselt. Das heißt, ich konnte in dieser Zeit unglaublich viele verschiedene Abteilungen kennenlernen, also von Marketing, ich war auch mal bei Allianz Global Investors, also ich habe wirklich versucht, alles mehr anzuschauen im Außendienst, im Maklervertrieb, in was es alles so gibt und bin danach ins Ausbildungsprogramm fürs Underwriting gegangen, nach dem Master direkt. Ja, und bin dann Underwriter geworden für Vermögensschadenhaftpflicht und so passt es dann ganz gut.

Maximilian Schroll [00:05:46]:
Also Bevor wir da jetzt gleich drauf eingehen, das ausbildungsintegrierte Studium, wie kann ich mir das zeitlich jetzt vorstellen? Vielleicht auch für die Zuhörerschaft, die jetzt gerade vor der Entscheidung steht, was ist der nächste Schritt in meinem Leben? Ich mache jetzt gerade meine Schule fertig und was gibt es dann noch für Optionen? Ich meine duales Studium wird hier auch im Podcast sehr, sehr häufig besprochen. Ich glaube, das kennt mittlerweile jeder, duale Ausbildung sowieso, ausbildungsintegriertes Studium. Wie ist so der Zeitablauf? Weil das hat sich da richtig cool angehört, was du gesagt hast.

Franziska Geusen [00:06:15]:
Ja, genau. Also man muss so ein bisschen vielleicht differenzieren zwischen den verschiedenen dualen Studiengängen. Wir selbst bieten bei uns ja auch duales Studium an, deswegen bin ich da auch relativ tief drin. Und man kennt das duale Studium ja eigentlich in so einer Drei-Monats-Drei-Monats-Phase. Also ich bin drei Monate an der Hochschule, drei Monate im Unternehmen. Wir bieten das anders an. Wir sagen, zwei Tage an der Woche bist du an der Hochschule und drei Tage bist du im Unternehmen, weil ich das damals genauso gemacht habe bei diesem ausbildungsintegrierten Studium und ich das ganz toll fand, dass man eben nicht diese drei Monatsphasen hat, sondern wirklich auch Verantwortung übernehmen kann, wirklich tief mal in Projekte mit einsteigen kann. Und das auch über einen längeren Zeitraum.

Franziska Geusen [00:06:52]:
Und so war es bei mir eben auch. Wir haben in Trimestern studiert, weil es an der Uni der Bundeswehr war. Deswegen war es jetzt nicht immer gleich, aber so Das normale Trimester war eben auch so, zwei Tage in der Woche waren wir an der Uni, drei Tage in der Woche waren wir im Unternehmen und jetzt habe ich Uni gesagt, weil es wirklich Universität war, also nicht Hochschule und das ist eben auch ein Unterschied. Die anderen Studierenden an der Universität haben das in fünf Tagen gemacht. Das heißt also, die zwei Tage waren extrem voll. Also wir haben wirklich acht Stunden, beziehungsweise es stimmt gar nicht, zwölf Stunden, von acht bis acht ging unser Tag ohne Pause im Normalfall. Das heißt, wir hatten immer nur eine Viertelstunde Zeit, dann den Raum zu wechseln. Das ist die offizielle Version.

Franziska Geusen [00:07:35]:
Die inoffizielle Version, es gab halt Vorlesungen, die waren ein bisschen wichtiger und Vorlesungen, die waren nicht ganz so wichtig. Und so konnte man sich den Tag ein bisschen strukturieren, aber es war schon heftig. Also das ganz, ganz klar. Und drei Tage die Woche waren wir dann eben in den Abteilungen. Und dann hatten wir regelmäßig so zwei Wochen am Stück im BWV dann, wie gesagt, Hausrat, Haftpflicht, Lebensversicherung, was es alles da so gab, dann die IHK-Prüfung zu schaffen. Und Das Ganze ging erst zweieinhalb Jahre bis zur IHK-Prüfung und dem Bachelorabschluss. Ich glaube, zweieinhalb bis zur IHK-Prüfung, drei Jahre dann Bachelorabschluss. Und dann nochmal anderthalb Jahre Master.

Franziska Geusen [00:08:15]:
So dass wir insgesamt, jetzt überlege ich mal, ob das passt, das habe ich da erzählt, viereinhalb Jahre genau, hatte man dann wirklich Universitären, Bachelor, Master und IHK-Ausbildung. Und jeder wird sich das jetzt denken können, das ist kein Zuckerschlecken. Also das war wirklich nicht ohne. Wobei der Master, dadurch, dass wir den Master dann Vollzeit studiert haben, das war dann die Zeit, wo ich wirklich sagte, da hatte ich eine Studienzeit, wie sie im Buch steht. Vorher war es ein bisschen anstrengender und ich bin auch notentechnisch erstmal Therapie da abgefallen. Also wenn man aus der Schule kommt und für gute Noten, das hat irgendwie so geklappt. Aber das Lernen nie richtig gelernt hat, dann ist Uni doch eine Herausforderung. Und dann, ich war gerade 18, es gibt halt auch ein bisschen andere Prioritäten, sodass meine Noten sich im Laufe des Studiums dann ein bisschen verbessert haben.

Maximilian Schroll [00:09:02]:
Aber das hat ja keinen Abbruch getan, dass du jetzt heute da stehst, wo du stehst. Und jetzt, da diesen Wechsel dann auch von, weil du hast, wie lange warst du bei der Allianz Underwriterin?

Franziska Geusen [00:09:13]:
Drei Jahre ungefähr, zwei Jahre, drei Jahre, irgendwie sowas. Also ich war insgesamt acht Jahre bei der Allianz, zweieinhalb Jahre dann wahrscheinlich.

Maximilian Schroll [00:09:18]:
Und dann aus dem absoluten Weltkonzern zum mittelständischen Maklerunternehmen in die Geschäftsführung. Wie war dieser Schritt?

Franziska Geusen [00:09:27]:
Super, ehrlich gesagt. Weil ich war schon immer jemand, ich meine Ich bin ja auch damit groß geworden. Selbstständiges Arbeiten. Meine Eltern waren, wie gesagt, beide Geschäftsführer, Gesellschafter ihres eigenen Unternehmens. Und auch in dem Allianzkonzern, ohne da jetzt zu tief einzusteigen, in der Abteilung, in der ich gearbeitet habe, Da haben wir ganz viel umstrukturiert. Wir waren ganz viele, vor allem junge Mädels, die neu ins Underwriting gekommen sind und haben das Ding mal auf den Kopf gestellt. Ganz positiv. Also haben die ehemaligen Kollegen natürlich mitgenommen, aber haben mal neue Sachen ausprobiert.

Franziska Geusen [00:09:58]:
Das heißt, wir waren schon sehr selbstständig dort. Aber natürlich, wenn ich im Konzern nach oben kommen will, dann nur durch Lenkungsausschüsse und was weiß ich nicht. Und das war mir alles irgendwie zu, es war wie ein kleiner Befreiungsschlag auch. Es war natürlich auf jeden Fall auch eine Herausforderung mit 26 da, diesen Schritt zu machen. Und am Anfang gab es so viele Situationen, wo ich heillos überfordert war. Also ein Beispiel zu nehmen, ich hatte meinen ersten Tag und mein Mitgeschäftsführer war nicht da, der auch bis heute mein Mitgeschäftsführer ist. Und ein Mitarbeiter kam und erzählte mir, sein Vater sei gestorben am Tag vorher. Und ich dachte so, okay, was mache ich denn jetzt? Und natürlich hat man irgendwie ein Gefühl, so sein Byline auszudrücken und was weiß ich nicht.

Franziska Geusen [00:10:36]:
Aber da steht jemand, der ist doppelt so alt wie du und erzählt dir sowas und mit 26 ist man auch einfach noch nicht so sattelfest, wie ich das heute vielleicht bin, in solchen Situationen zu reagieren. Und so gab es am Anfang natürlich schon echt viele Herausforderungen, die ich erstmal so reinkommen musste. Aber es war absolut toll und ich würde es immer wieder machen, weil wenn ich jetzt morgen sage, wir machen ein großes neues IT-Projekt und ich meine, das passt natürlich, muss ich schon auch aufs Budget gucken, aber das Geld ist gerade da, dann kann ich das einfach machen, ohne 100.000 Menschen zu fragen, ohne irgendwelche Strukturen einhalten zu müssen. Der einzige, der da vielleicht manchmal noch hinderlich ist, ist der Risikoträger, mit dem ich das zusammen machen will, weil der ist ja wiederum ein Konzern. Aber an sich ist das schon echt großartig.

Maximilian Schroll [00:11:20]:
Ich kann das, also ohne jemals diesen Konzernweg wirklich gegangen zu sein, sondern ja nur im Rahmen meiner Ausbildungszeit im Vertrieb diese vier Jahre. Ich kann mir sehr klar was darunter vorstellen. Ich kann deine Beweggründe sehr gut nachvollziehen, auch bei den ganzen Einblicken, die ich jetzt so über die Jahre sammeln konnte in die verschiedensten Häuser, bei denen man auch sieht, das ist in den Farben vielleicht teilweise unterschiedlich, aber es gibt ganz, ganz viele Muster, die wirklich unternehmensübergreifend auftreten. Und ich glaube, da hast du definitiv die richtige Wahl getroffen. Und vor allem, wenn man natürlich auch auf dein Branchenengagement blickt. Aber bevor wir da, da kommen wir nämlich nachher auch noch dazu, nochmal zwei Fragen zu euch auch als Unternehmen. Ihr seid spezialisiert auf Vermögensschadenhaftpflicht. Habt ihr eine gewisse Zielgruppe vielleicht?

Franziska Geusen [00:12:04]:
Vielleicht, ja. Tatsächlich schon seit vielen, vielen Jahren sind unsere Hauptkunden Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler. Ungefähr ein Drittel aller deutschen Versicherungsmakler sind bei uns versichert mit ihrer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung. Wir haben Sonderkonzepte, vier Stück an der Zahl mit Allianz, R&V, Ergo und der Alcura. Und das hat schon Hans-John, der das Unternehmen ja mal gegründet hat, hat das schon ins Leben gerufen und natürlich 2007, als dann im Mai die Pflichtversicherung kam, bis heute übrigens eine unserer Hauptfälligkeiten, der Mai, weil da brauchten alle neu ihre Versicherung, da ging das durch die Decke, ganz klar. Und das ist bis heute unser absoluter Schwerpunkt. Wir haben im Laufe der Zeit die Kanzleien mit dazugenommen, weil es gar nicht so selten vorkommt, dass bei uns ein Versicherungsmakler anruft und sagt, ich habe hier eine Kanzlei, Auto kriege ich hin, Inhalt kriege ich hin, vielleicht noch die Cyberversicherung, aber vermögenschamhaftlich, da habe ich echt keine Ahnung von, könnte mir da helfen und genau das habe ich ja bei der Allianz viele Jahre gemacht. Von daher haben wir das jetzt einmal mit dazu genommen ins Portfolio und wenn man das macht, dann kommt natürlich durch Weiterempfehlungen und so weiter, kommt man automatisch dahin, dass dann auch direkt Kunden zu uns gekommen sind.

Franziska Geusen [00:13:19]:
Und das ist jetzt ein Bereich, den wir neu aufbauen, der parallel läuft. Aber wir versuchen da natürlich die Konkurrenz zu unseren Kunden nicht zu haben. Also Ich würde jetzt niemals kalt auf irgendwelche Kanzleien zugehen und sagen, möchtest du nicht bei mir versichert sein, weil im Zweifel ist der Makler, bei dem die Kanzlei gerade ist, mein Kunde. Deswegen wäre das ein bisschen schlecht. Aber so weitere Empfehlungen oder eben im Vermittlungsgeschäft machen.

Maximilian Schroll [00:13:44]:
Ihr seid Makler für die Makler. Wie ist das? Wie ist es mit so vielen Versicherungsmaklern, selbst als Versicherungsmakler zusammenzuarbeiten?

Franziska Geusen [00:13:52]:
Das hat ganz viele ganz tolle Herausforderungen. Jeder, der in dieser Branche ist, weiß, dass Makler unglaublich unterschiedlich sind. Also es gibt da die Gewerbemakler, die total blaue Typen, die im Anzug mit Krawatte rumlaufen. Und es gibt das genaue Gegenteil. Es gibt Leute, wo man sich denkt, meine Güte, wer bringt denn zu dir seine Versicherung? Aber genauso unterschiedlich sind ja auch die Menschen. Und deswegen sind die Makler auch so unterschiedlich. Und ich finde es total toll zu beobachten. Und auch unsere Mitarbeitenden haben da natürlich immer mal wieder eine Herausforderung mit.

Franziska Geusen [00:14:27]:
Wenn man es so ein bisschen pauschalisieren will, gibt es so ein paar Sachen, die auffällig sind. Das eine, Versicherungsmaklerinnen und Makler zahlen ihre Prämie ganz schlecht. Das finde ich ganz interessant. Wir haben sehr viel mit Mahnungen zu tun und alle Versicherer bestätigen das auch. Also das ist so ganz typisch, wenn man so sage, typisch dieser Kundenklientel ist das das. Und es ist natürlich, manche stellen sehr hohe Anforderungen an uns, weil sie selbst an sich auch hohe Anforderungen stellen und sich überlegen, wie ist der ideale Makler, das ist ja mein Makler, dann müssen die das genauso machen. Es gibt aber auch die anderen, die unglaublich überrascht sind über jeden Schritt mehr, den man macht, als es sein muss. Und für jede E-Mail, die wir schreiben, eine riesen Dankeschön-E-Mail zu verfassen.

Franziska Geusen [00:15:11]:
Also da sind unsere Kunden, glaube ich, genauso unterschiedlich, wie das jeder Makler bestätigen kann. Und da gibt es welche, die zahlen 100 Euro Prämie im Jahr für vielleicht eine 34i Zulassung und andere, die zahlen deutlich mehr Prämie im Jahr, weil sie einfach ein großes Unternehmen sind. Also ganz unterschiedlich.

Maximilian Schroll [00:15:32]:
Was denkst du denn? Also ich stelle mir das so spannend vor, genau aus dieser Service-Perspektive. Ist ja eine der Fragen, von der wir gerade auch als Branche stehen, vor allem die Vermittlerschaft, vor allem die Makler. Wie schaffe ich das jetzt eigentlich, diese Leistungen, die ich anbiete, die der Kunde noch gewohnt ist, dass sie eben kostenfrei für ihn sind. Wie schaffe ich das jetzt für mich in mein Geschäftsmodell so zu integrieren, dass ich dann nochmal zusätzliche Einkommenströme habe, die vielleicht auch wiederkehrend sind, wo ich noch einen höheren Unternehmenswert aufbaue, noch eine bessere Planbarkeit und so weiter und so fort. Was denkst du denn, was können eure Kunden servicetechnisch von euch lernen und gibt es auch was, was ihr servicetechnisch von euren Kunden wiederum lernen könnt, die ihr vielleicht schon gelernt habt?

Franziska Geusen [00:16:12]:
Ich fange mal an mit den Sachen, die wir schon gut machen und dann den Sachen, wo wir noch Herausforderungen haben. Jetzt muss man ja dazu sagen, wir haben eine extrem schmale Zielgruppe. Das heißt, die Verträge, die wir betreuen, sind alle sehr homogen. Wir können also viele Sachen, die ein durchschnittlicher Versicherungsmakler oder eine Maklerin vielleicht nicht können, Weil, wenn ich jetzt unsere Schadenabteilung zum Beispiel anschaue, in unserer Schadenabteilung arbeiten nur Volljuristen, die den ganzen Tag nichts anderes machen als Vermögensschaden, Haftpflichtschäden zu betreuen. Natürlich können die das viel tiefer, als einer, der nebenher auch noch alle anderen Sparten bedient. Genauso wie jemand, der nur BU macht, da natürlich besonders gut ist im Leistungsfall, sind wir da halt wirklich richtig gut, würde ich sagen. Weil wir ungefähr so 400, 500 je nach Jahr Neuschäden im Jahr haben in dem Bereich. Wir bieten auch schon relativ viele digitale Services.

Franziska Geusen [00:17:08]:
Allerdings, was wir aktuell verbessern wollen, ist unsere Bestandskundenbetreuung. Weil wenn ich jetzt einen Gewerbemakler mir nehme, der vor allem große Gewerbekunden hat, dann schaut er sich einmal im Jahr alle Verträge an, geht mit dem Kunden im Jahresgespräch das im Zweifel oder alle zwei Jahre auch mal durch und sagt, wie sieht denn dein Risiko noch aus. Jetzt haben wir wie gesagt 14.000 Kunden und einige davon zahlen nur 200 Euro im Jahr. Das funktioniert nicht. Also das können wir nicht einmal im Jahr mit jedem machen. Das ist einfach so. Sodass wir da jetzt ganz viel auf Digitalisierung setzen. Also wir werden ganz viel mehr Daten erheben, die aktuell zwar erhoben werden, aber dann im PDF gespeichert sind.

Franziska Geusen [00:17:45]:
Und naja, so richtig viel können wir damit nicht machen. Ich hoffe, dass wir da jetzt im Januar dann mit live gehen, dass wir wirklich unser Bestandsführungssystem mit ganz viel mehr Daten unserer Kunden speisen. Also zum Beispiel, dass wir nicht nur wissen, der vermittelt Bausparverträge, sondern auch, wie viel Umsatz macht er denn da und auch keine Ahnung, welche Durchführungswege hat er denn in der befristlichen Altersvorsorge, weil es Einfluss auf die Versicherung hat, sodass ich einmal im Jahr dann später dem Kunden schicken kann, dem Makler oder der Maklerin. Hier, das wissen wir, dass du das tust. Ist das noch genau so? Und wenn er dann anklickt, ja, dann kann alles so bleiben. Wenn er anklickt nein, dann kann man auch einmal neu rechnen, automatisiert und sagen, bist du denn noch beim gleichen Versicherer, beim richtigen Versicherer versichert? Und natürlich sollte man nicht wegen 5 Euro Unterschied die verbügensschadenhaftig Versicherung wechseln. Aber vielleicht sind ja neue Tätigkeiten dazugekommen, die jetzt doch einen Wechsel sinnvoll machen. Und ich kann das auch verstehen, wie gesagt, die Makler, also unsere Kunden sind Makler und wenn jemand dann kommt und sagt, Mensch, Ich bin jetzt seit drei Jahren bei euch und wir haben nie darüber gesprochen, ob ich noch so richtig versichert bin.

Franziska Geusen [00:18:49]:
Dann kann ich das total verstehen, aber ohne Digitalisierung kann man das einfach nicht darstellen. Das geht nicht. Also dann bräuchte ich unglaublich viele Mitarbeitenden und wir alle wissen, was die heute kosten. Und da funktioniert das Businessmodell einfach nicht. Genau, also da sind wir gerade dabei und ich hoffe, dass das jetzt bald dann live geht.

Maximilian Schroll [00:19:08]:
Sehr, sehr coole Sache. Ja, ich glaube, das ist, also ich finde eure Rolle so spannend und vor allem dann auch nochmal deine, weil ihr wirklich für mich Knotenpunkt seid, Also in einer Branche mit so einer Zielgruppe, ihr akkumuliert so viel interessantes Wissen, auch wie arbeiten die, was sind die Ansprüche an die Zusammenarbeit, die auch ein Makler quasi an seinen eigenen Provider, in dem Fall an euch dann stellt, finde ich unglaublich spannend. Und ich glaube, das Wissen, das ihr da habt, dass man sich ganz vielseitig nutzen lässt, deswegen perfekt für diese Digitalisierungsthemen und auch ein perfektes ganz ehrlich Spielfeld in Anführungszeichen, Maklern zu zeigen, hey schau mal, so kann es für dich funktionieren. Also ich glaube ganz viele, und das ist jetzt aus meiner Dienstleisterperspektive, die schon wissen, ja Digitalisierung habe ich den ersten Zug schon verpasst. Ich habe es nicht geschafft, damals als es hieß, jetzt wird alles digitalisiert, diesen Schritt zu gehen, weil ich gedacht habe, ja ja, für mich reicht es schon noch. Jetzt merke ich gerade aber eigentlich, wenn ich sehe, was KI ermöglicht oder was Large Language Models ermöglichen und die ganzen Anwendungsfälle, die sich darauf bauen lassen, oh, ich habe ja doch noch zehn Jahre. Ich habe doch noch eigentlich ein bisschen und ich glaube, es wird ganz schön schwierig. Ich bekomme immer neue Kunden dazu.

Maximilian Schroll [00:20:16]:
Ich habe aber auch wieder Abrieb, weil die Leute nicht mehr so zufrieden sind. Mir macht es nicht mehr selber so viel Spaß und so weiter und so fort. Bei ganz vielen ist aber, glaube ich, noch diese Hemmnis davor, dass sie eben noch nicht erkennen, wie es für sie ganz konkret laufen kann. Ich glaube, da könnt ihr ein wahnsinnig spannendes Beispiel für die Maklerschaft werden, wie man das auch hinbekommt, vor allem auch tatsächlich mit diesem Thema Servicevereinbarungen. Weil da, glaube ich, ist diese aktuelle Digitalisierungs-2.0, 3.0, 4.0, wie auch immer Bewegung, die kann ein ganz großer Schlüssel sein, wenn es ums Thema Servicevereinbarungen geht. Und da lässt sich jetzt eine gute Brücke zu dem schlagen, was du ja auch noch machst. Du bist ja auch im Vorstand des AFW und beschäftigt euch ja auch ganz, ganz viel mit dieser Thematik, wie schaffen wir es, unsere Vergütungsmodelle zukunftsfähig zu machen, wie schaffen wir es auch diese politische Debatte, die es gibt, über die man vortrefflich streiten kann, da ist, glaube ich, ganz viel Unqualifiziertes auch dabei und ganz viel Aktionismus und ich glaube, jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt, weiß, ein Provisionsverbot, wenn es einfach so käme, wäre absolut katastrophal, würde auch nicht funktionieren. Ich glaube, wir sind uns aber auch einig, wir brauchen aus der Branche heraus zukunftsfähige Modelle, die wir selber vorschlagen, eben diese elende Debatte endlich mal aufzulösen.

Maximilian Schroll [00:21:34]:
Weil, wenn wir es selber schaffen zu zeigen, das sind Vergütungsmodelle und die sind ja in der Praxis schon, die werden ja gelebt, das machen ja Makler. Ob es jetzt die Honorarberatung komplett ist, ob es jetzt eine Hybride Vermittlungsart ist oder ob es auch der volle Provisionsvertrieb ist, aber eben bei Produkten, wo es auch gar nicht anders funktioniert oder keinen Sinn macht oder wo man dem Kunden die Wahlfreiheit lässt, was es dir lieber, haben wir ja schon eine ganz große Palette. Wenn du jetzt auf dieses Thema blickst, aus deiner Perspektive einmal als Geschäftsführerin von einem Maklerunternehmen für Makler auf der anderen Seite als Vorständin eines großen Branchen und von einem Vermittlerverbandes. Was sind deine Gedanken zu dem Thema? Wo stehen wir gerade und wo können wir hinkommen?

Franziska Geusen [00:22:15]:
Wie viel Zeit haben wir? Ich fange mal mit dem einfacheren Thema an, nämlich ich als Geschäftsführerin eines Maklerbüros, das Makler als Kunden hat. Ich habe ja gerade schon gesagt, Versicherungsmaklerinnen und Makler zahlen ihre Prämie nicht. Ich werde also ein Tunlichstes vermeiden, nämlich auf Funeralberatung umstellen, weil... Also, nee, das machen wir nicht. Außerdem wissen die ja alle, was wir verdienen. Also da haben wir dieses ganze Thema Transparenz überhaupt nicht. Also, die wissen ja genau, was ich daran verdiene. Ein Prozentpunkt mehr oder weniger ist ja, sagen wir mal, dahingestellt.

Franziska Geusen [00:22:54]:
Aus Branchensicht. Ich glaube, das ist ein riesengroßes Thema, was unglaublich vielfältig ist. Ich sehe es nach wie vor so, also man muss dazu sagen, ich habe mich schon sehr früh damit beschäftigt, ich habe schon meine Bachelorarbeit zum Thema Provisionsverbot in Europa geschrieben, habe verschiedene Länder beleuchtet, wie sich das da entwickelt hat, ob Niederlande, Großbritannien, wie auch immer. Also ich beschäftige mich schon seit vielen, vielen Jahren damit. Es gibt die Kunden. Es gibt Kunden, die mit dem Honorarmodell und auch mit den Servicevereinbarungen wunderbar beraten werden können. Es sind vor allem junge, gut ausgebildete Kunden aus meiner Sicht, die das verstehen, warum muss ich jetzt einmal Geld bezahlen dafür, die auch aus dieser Abo-Generation kommen. Also die wissen, dass ich jährlich für Dinge Geld bezahlen muss und es nicht einmal kaufe und dann ist es gut.

Franziska Geusen [00:23:40]:
Und deswegen gibt es ja vor allem auch in der jüngeren Generation von Vermittlerinnen und Vermittler unglaublich viele, die diese Modelle dann auch anbieten. Und das finde ich großartig. Und das funktioniert auch gut bei diesen Kunden. Jetzt gibt es aber auch welche, wo das aus meiner Sicht auf gar keinen Fall funktionieren kann, weil die vielleicht noch verstehen, dass man für eine Erstberatung, wo sich jemand lange hinsetzt, mit einem Geld in die Hand nehmen müsste. Aber wenn ich mir dann vorstelle, dass so jemand dann tatsächlich BU wird und sowieso schon kein Geld hat und dann Geld bezahlen soll, dass der Makler oder die Maklerin ihn oder sie dabei begleitet, das Ganze zu melden. Ich meine, derjenige, der die BU hat, das ist ja schon mal dann gut. Aber es gibt so viele Themen, wo ich einfach mir nicht vorstellen kann, dass ein komplettes Provisionsverbot oder ein Verzicht auf Provisionszahlungen dazu führt, dass unsere Verbraucherinnen und Verbraucher besser geschützt sind, als sie es heute sind. Das glaube ich einfach nicht.

Franziska Geusen [00:24:43]:
Und das haben andere Länder gezeigt. Und gerade diejenigen, die eben nicht so gut ausgebildet sind, die werden darunter leiden. Und das ist das, warum wir auch als AfW ganz stark dafür kämpfen, dass das nicht kommt. Nicht nur, weil wir natürlich den Berufsstand schützen wollen, das ist unsere ureigene Aufgabe als Lobbyverband, sondern auch, weil wir glauben, dass die Kundinnen und Kunden dadurch schlechter gestellt werden, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland dadurch schlechter gestellt sind. Und da glaube ich auch nicht, dass wir diese Debatte irgendwann verlieren oder verlassen werden, Weil das große Problem, was wir mit den Politikerinnen und Politikern haben, ist, dass die oft noch nie in der Branche waren. Die haben noch nie jemanden beraten. Was die aber mitbekommen, sind die schwarzen Schafe, weil die gehen groß durch die Presse. Die werden auch den Verbraucherzentralen gemeldet.

Franziska Geusen [00:25:33]:
Da sehe ich vielleicht auch irgendwelche Gerichtsurteile. Da kommen dann exorbitante Provisionszahlungen raus, die natürlich nicht richtig und korrekt sind. Und da muss die Branche sich natürlich an die eigene Nase fassen, dass solche Modelle einfach nicht mehr funktionieren. Durch was auch immer. Aber das Ganze möglichst weg von der Öffentlichkeit, weil solange irgendwo steht, wir wollen jetzt branchenintern irgendwelche Provisionsverbote oder was auch immer, lesen das die Politikerinnen und Politiker und sagen, naja, wenn die jetzt selbst schon sagen, die brauchen Provisionsdeckel, ja dann können wir das ja machen. Und genau das soll ja eben nicht der Fall sein. Und diese Selbstverpflichtung, da haben wir jetzt einfach die große Herausforderung, dass hier Menschen arbeiten und Menschen, die auch Geld verdienen wollen Und in jeder Branche gibt es diese schwarzen Schafe. Und da kann man nur appellieren an die Vorstände von den Versicherungsgesellschaften, dass sie das bei sich intern unterbinden, dass sowas einfach nicht mehr passiert.

Franziska Geusen [00:26:28]:
Was aber aus meiner Sicht ein viel größeres Thema ist und was in der Politik total hinten runterfällt, das jetzt so ein bisschen in den neuen Altersvorsorge-Überlegungen mit reinkommt, sind die, das Thema Kosten. Also was haben wir denn für Kosten bei den Versicherern? Und die Kosten sind eben nicht nur die Quotaschen und Provisionen, die gezahlt werden, sondern Kosten, da haben wir auch versicherungsintern extrem hohe Abschlusskosten, die von der Politik irgendwie so ein bisschen ignoriert werden, beziehungsweise es wird dann gesagt, naja, die Kosten müssen runter, aber naja, wie denn? Also, Wie kann man das denn machen, wenn wir gleichzeitig DORA, FIDA und was weiß ich nicht haben, also die ganzen neuen Anforderungen, die die Versicherungsgesellschaften erfüllen müssen, Leute dafür einstellen müssen. Also wie du siehst, ich könnte stundenlang über dieses Thema sprechen, und ich weiß gar nicht, wie tief du einsteigen willst. Ich glaube, das Provisionsmodell ist ein gutes Modell und ich glaube auch, dass das die Verbraucherinnen und Verbraucher schützt. Ich glaube aber auch, dass andere Modelle angeboten werden sollen und dass es viele junge Leute gibt, gerade junge Leute, gut ausgebildete Leute, die dafür sehr empfänglich sind und die sagen, dann weiß ich, was ich bezahle. Ich bezahle einmal die Stunden und ich bezahle, wenn ich was will, aber ich bezahle nicht für keine Leistung, eventuell, weil ich seit 100 Jahren von diesem Zollmittler nichts mehr gehört habe.

Maximilian Schroll [00:27:41]:
Ja, ich finde es super. Da haben wir, glaube ich, auch einen gemeinsamen Nenner. Ich versuche gerade immer so, weil ich mit ganz vielen verschiedenen Akteuren zu diesem Thema spreche, ich versuche so eine gemeinsame Basis zu schaffen, weil ich bin auch der Meinung, wir als Branche müssen da schon eine gewisse Geschlossenheit auch zeigen und ich glaube, wir müssen genau auch der Kommunikation aufpassen. Erstens, wen adressieren wir, was für ein Bild transportieren wir damit nach außen? Ich glaube, es ist sehr, sehr wertvoll zu zeigen, dass sich eine Branche mit den Themen befasst. Ich glaube, Forderungen aufzustellen immer gefährlich, weil die dann isoliert. Das heißt immer gefährlich. Natürlich muss man Forderungen aufstellen, das ist ganz klar. Das funktioniert nun mal.

Maximilian Schroll [00:28:17]:
Aber immer mit der Gefahr, wenn das nicht auf einen Nenner gebracht wird oder auf eine gemeinsame Basis, auf der man diskutiert, dass sich diese Forderungen dann eben zu eigen gemacht werden von der einen oder anderen Seite und dann vielleicht mit einer guten Absicht eigentlich einen negativen Effekt zur Folge hätten. Was du jetzt gerade noch gesagt hast, und das ist ein Thema, das mir im Podcast immer wieder begegnet und das ich auch immer aktiv anspreche, sind die schwarzen Schafe. Herr Franziska, machen wir uns mal ehrlich. Es sind ganze Strukturen, die schwarze Schafe produzieren. Es sind Strukturen, die eigene Vorstände dafür haben, die nichts anderes machen als dieses Lobbying. Und es sind dann unter anderem auch genau die, und jetzt kann sich das wahrscheinlich jeder denken, die dann in der Öffentlichkeit auch immer wieder als genau diese schwarzen Schafe benannt werden. Trotzdem sieht man Multimillionen Ausgaben für Werbepartner, man ist überall präsent. Das heißt, man wird eigentlich immer wieder assoziiert mit dieser gesamten Branche, ist aber, und das ist jetzt nicht nur ein Player, sondern das sind wie gesagt mehrere Strukturen.

Maximilian Schroll [00:29:17]:
Ich glaube, das ist ein strukturelles Problem, dass wir schwarze Schafe produzieren, weil da einfach diese Provision per se ist kein Fehlanreiz, aber man kann es nutzen, den Fehlanreiz zu setzen. Und ich glaube, das wird in ganz vielen Strukturen auch gemacht. Ich habe letztens selber wieder ein Angebot auf dem Tisch gehabt, wo es auch darum ging, hey, arbeite doch mit uns zusammen. Interessantes Produkt an sich. Schau ich mir die Kosten an, 78 Promille. Ein LV-Produkt. Und wir müssen nichts darüber reden, wer zahlt den Preis dafür. Und das sind schon so Sachen, da denke ich mir, wie schaffen wir es denn, diese schwarzen Schafe oder diese Strukturen irgendwo zu einer positiven Transformation zu bewegen.

Maximilian Schroll [00:29:55]:
Funktioniert es nur über komplette Konfrontation mit dem Wissen, dass man diesen Kampf auf gar keinen Fall alleine führen kann, sondern ich glaube, das wäre dann schon ein brancheninterner, eine sehr starke Polarisierung, bei der man sich auch überlegen müsste, ist es sinnvoll, ist es gewollt, was ist der Preis, den wir dafür zu zahlen haben, was ist das, was im besten Fall bei rumkommt, was ist das Worst-Case-Szenario. Aber wie blickst du auf diese Thematik der schwarzen Schafe und vielleicht auch der Strukturen dahinter?

Franziska Geusen [00:30:22]:
Also ich sage mal vorab, die perfekte Antwort habe ich darauf natürlich nicht. Ich möchte an der Stelle mal einmal sagen, die Strukturen und gerade nennen wir es mal die Strukturvertriebe, denen können wir auf einer Seite auch sehr dankbar sein, weil ich glaube, dass die Strukturvertriebe dafür sorgen, dass wir Nachwuchs in der Branche haben. Viele junge Leute werden eben mit diesen Angeboten in die Branche gelockt, sind vielleicht jung und noch nicht ganz so klar in ihren Ansichten, aber entwickeln das im Laufe der Zeit und werden dann, ich sag mal, vernünftige Vermittler, welcher Couleur auch immer. Von daher bin ich froh, dass wir Strukturvertriebe haben. Jetzt gibt es aber natürlich diese Fehlanreize und ich glaube, dass das eigentlich fast nur intern geklärt werden kann. Also die Hoffnung, dass diese Strukturen sich interne Kontrollsysteme selbst geben, dass sowas nicht passiert. Und wenn wir jetzt mal zurückblicken und da bin ich bei einem meiner Lieblingsthemen Diversifikation von Teams, wer denn an der Spitze von diesen Strukturvertrieben sitzt oder auch von diesen schwarzen Schafen. Es waren ja nicht alle Strukturvertriebe.

Franziska Geusen [00:31:33]:
Wir können es auch Schneeballsysteme, also es gab ja mehrere, nicht nur die Struktur, es gab Schneeballsysteme, es gab aber auch, ich sag mal, normale Versicherungsvermittler, die einfach Mist gemacht haben.

Maximilian Schroll [00:31:43]:
Das sind ja nicht nur Versicherungen, sind ja auch IMOs, ist ja alles möglich.

Franziska Geusen [00:31:46]:
Ja, in allem was es gibt. Ich versuche nur sehr vorsichtig zu formulieren, was ich jetzt sagen möchte. Dann waren die Führungsebenen ja oft nicht so sehr divers und wenn ich keine Diversität in Führungen oder grundsätzlich in Teams habe, dann sagt der eine, ach komm, wir machen das. Und der nächste sagt, ey, voll gut, lass das machen. Homogenität führt einfach dazu, dass einer eine Idee hat und alle sich mitreißen lassen, ganz schnell. In der Führung kennt man den sogenannten Thomas-Effekt. Ein Thomas wird immer einen Thomas einstellen und gemeinsam werden sie immer das Gleiche entscheiden. Wir haben jetzt gerade einen Wandel, auch in der Versicherungsbranche, dass mehr Diversität in die Teams kommt und ich glaube, dass wenn man jung und alt, männlich, weiblich, europäisch und nicht europäisch zusammenbringt, dass das auch dazu führen kann, dass sowas weniger passiert, weil dann doch irgendjemand dabei ist, der sagt, Leute, das können wir nicht machen.

Franziska Geusen [00:32:42]:
Ihr spinnt doch. Also Sachen hinterfragt Irgendeiner von denen. Und vielleicht ist es der Thomas. Also vielleicht ist es, ich will nicht damit sagen, dass das immer nur die junge Frau ist, die das dann hinterfragt. Aber dass einfach mehr Diskussionen innerhalb von diesen Führungsteams dazu führt, dass solche Sachen nicht passieren. Das wird nicht alles aufhalten können. Es wird immer diejenigen geben, die da ihren Superprofit rausschlagen, weil sie irgendwo eine Lücke im System finden, so wie es das in allen Branchen gibt. Also es gibt auch Ärzte, die ihre Lücken finden und Abrechnungsbetrug begehen und die Leute behandeln und nicht richtig behandeln.

Franziska Geusen [00:33:16]:
Also es gibt es ja nicht nur bei uns in der Branche. Aber Diversität ist für mich so ein Schlüssel zum Erfolg, dass Leute sich einfach mehr hinterfragen vielleicht. Natürlich wird da auch, werden vielleicht die Verbände da auch gefragt sein, auf ihre Mitglieder so ein bisschen einzuwirken. Verhindern kann man es letztlich nicht, aber wir werden irgendwie alle mithinschauen müssen, dass das nicht weiterhin oder dass es weniger wird.

Maximilian Schroll [00:33:43]:
Jetzt seid ihr ein Versicherungsmakler, der diese Diversität im eigenen Haus lebt und das geschafft hat, eben dich als 32-jährige zweifache Mutter in eine Rolle zu schaffen, in der du sowohl die Geschäftsführung mitleitest, oder das Geschäft mitleitest, aber auch noch Raum und Zeit bekommst, dein Engagement für den Branchenverband nachzugehen. Wie schafft man das denn? Also wie ist es auch aus deiner ganz persönlichen Perspektive, dieser Doppelrolle und wie, was können vielleicht andere Unternehmen davon lernen, die sich sagen, so hey Franziska, das was du gerade sagst, Ich unterschreibe es zu 100 Prozent, aber wie?

Franziska Geusen [00:34:19]:
Ja gut, an der Stelle reden wir ja sehr häufig über bestimmte Quoten, die man in den Führungsebenen hat. Da bin ich sehr zwiegespalten. Ich glaube, dass die Generation, die dann die Quote ist, also die Quotenfrauen, dass es für die ein bisschen schade ist, weil sie sind halt die Quotenfrauen, aber das ist der Beginn für den Durchbruch. Und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, ich weiß gar nicht mehr, wann das war, aber Helga Jung war damals, glaube ich, die erste Frau, die in einer deutschen Versicherungs-AG in den Vorstand gegangen ist. Sie ist vor kurzem, glaube ich, in Rente gegangen und das war ein Riesending. Die erste Frau. Heute kriegt doch kein Handler danach, wenn eine Frau in den Vorstand von einer Versicherungsaktiengesellschaft kommt. Das ist doch total normal geworden.

Franziska Geusen [00:34:59]:
Ich glaube wirklich, dass mit so einer Quote es den Anschub gibt und dann soll sie ganz schnell wieder weggehen. Und es tut mir wirklich leid für die Frauen, die in der Quote sind, weil sie sind leider die Quotenfrauen. Auch bei uns im Unternehmen war es ja damals so, als ich gekommen bin, war die Geschäftsleitung rein männlich und ich sag mal 40 plus. Und das hat man auch im Team gesehen. Und wenn dann jemand Junges kommt, und bei mir war es nun mal einfach, dass ich die Nachfolgerin meines Vaters bin, also das war jetzt keine aktive Entscheidung, wir nehmen eine junge Frau, diverser zu werden. Das war, glaube ich, beim ASW eher der Fall, aber bei dem Unternehmen nicht. Dann führt das auf jeden Fall dazu, dass es einen Rumoren gibt, dass irgendwie sich was verändert im Team, dass es Leute gibt, die nicht damit mitkommen wollen, weil eine Änderung führt immer zu einer Änderung auch des Führungsstils. Und diese Zeit, die muss man ein bisschen aushalten.

Franziska Geusen [00:35:54]:
Also da muss man mit klarem Verstand reingehen und sagen, das wird jetzt so sein. Das ist ganz klar, dass nicht jeder da mitkommt. Aber wenn man das mal durchlaufen hat, dann und an dem Punkt angekommen ist, wo wir jetzt gerade sind, nämlich mit sehr sehr diversem Team. Also von 18 bis 60 haben wir alles, ob männlich, weiblich, was auch immer, sind wir wirklich sehr sehr divers, glaube ich. Und das ist unheimlich fruchtbar in allen möglichen Diskussionen, weil jeder so seine eigene Meinung reinbringt. Ich glaube, das ist auch ein großer Erfolgsgarant für Familienunternehmen, weil ich da oft in der Führungsrolle eine Diversität habe, jung und alt. Und, oh Gott, ich darf vielleicht nicht alt sagen, meine Mitgeschäftsführer denken auch gerade, meine Güte, junge und erfahren, etwas älter vielleicht. Genau, und ich glaube wirklich, dass der erste Schritt ein aktiver sein muss.

Franziska Geusen [00:36:49]:
Also wirklich zu sagen, wir suchen jetzt Jungen, wir suchen jetzt Weiblich, wir suchen jetzt jemanden mit krummen Lebenslauf, uns divers zu machen und der Rest passiert automatisch. Weil der Thomas-Effekt, der Thomas stellt einen Thomas ein, den kann ich auch auf Weiblichkeit oder auf Diversität oder wie auch immer. Ich stelle auch eher jüngere Menschen ein, ich habe auch ältere Mitarbeiter eingestellt, so ist es nicht, aber es ist automatisch so. Ich sehe das jetzt bei meinem Bruder, der ist seit Februar Geschäftsführer im Familienunternehmen und plötzlich haben sie vier duale Studenten, weil auch junge Leute sich eher von dem jüngeren Chef holen lassen, ganz klar. Also ich glaube, der erste Schritt muss ein ganz aktiver sein, sei es jetzt mit Quote oder ohne Quote, ist ganz egal, aber wirklich aktiv zu sagen, ich möchte einen neuen Geschäftsführer, ich möchte eine neuen Abteilungsleiterin, die soll jünger sein und weiblich sein, das darf man auf keine Stellenanzeige schreiben. Sonst habe ich sofort AGG am Hals, aber ich glaube, der erste Schritt ist ein aktiver und dann passiert es automatisch.

Maximilian Schroll [00:37:46]:
Ja, das finde ich super interessant, weil ich glaube, diese Resilienz, also auch wirklich zu wissen, okay, das wird nicht von heute auf morgen passieren, das ist, glaube ich, was da tun sich viele noch schwerer mit, weil man irgendwo es gewohnt ist, wir leiten jetzt eine Maßnahme ab, jetzt will ich messbare Ergebnisse haben und zwar asap. Und vielleicht schafft auch dieser Rahmen der Messbarkeit zu früh ein zu enges Korsett für diejenige Person, die dann in diese neue Rolle auch kommt. Also vielleicht ist es da tatsächlich so, dass es einen gewissen, in dem Onboarding-Prozess, den man dafür baut, eben natürlich auch Meilensteine gibt und die müssen auch irgendwo bewertbar sein, aber dass man die viel weniger an die klassischen KPIs koppelt und da tatsächlich vielleicht eher diese Möglichkeiten auch nutzt, mehr Kommunikation in den Teams und Strukturen zu schaffen. Weil ich glaube, da bleibt, also so wirklich mein Eindruck aus ganz vielen unterschiedlichen Beratungsprojekten mittlerweile, da bleibt so viel auf der Strecke liegen. Also da bleibt so viel Potenzial, das eigentlich in diesen Unternehmen steckt, also sowohl Innovations- als auch Transformationspotenzial, dass man alles viel besser nutzen könnte, als sich von außen irgendwelche Leute reinzuholen, die einem dann sagen sollen, so und so und so und so könnt ihr es machen. Und im Endeffekt ist es meistens eine Restrukturierungsmaßnahme, die darauf abzielt, irgendwo Kosten einzusparen, effizienter zu werden. Aber das was immer in unserem Business dabei sein wird, ist der Mensch. Und wenn ich da dann nicht die vorhandenen Mitarbeiter nutze, das Unternehmen mit ihnen weiterzuentwickeln, dann finde ich, kann ich mich auch nicht wundern, wenn ich eine hohe Fluktuation habe.

Maximilian Schroll [00:39:21]:
Also mir fallen da spontan wirklich ein paar Unternehmen ein, bei denen ich die Prozesse intern sehr, sehr gut kenne, mit den Mitarbeitern gesprochen habe und ich denke mir, ja, man kann nicht immer nur erwarten, dass sich die Belegschaft anpasst, sondern vielleicht muss man auch mal die Struktur, also die formale Struktur, die man vorgibt als Unternehmer, dem öffnen, dass man Input aus der Belegschaft wirklich gleichwertig sieht und das nutzt als Chance, attraktiver zu werden, auch für vielleicht junge Mitarbeiter. Und da soll es aber auf gar keinen Fall nur die Jungen gehen, weil ich glaube, den Weg, den ihr fahrt, der ist sehr sehr sinnvoll, auch einen Wissenstransfer zu ermöglichen. Da sind wir bei einem Thema, diese Erfahrung, die jetzt in den nächsten, also die seit letztem Jahr die Branche verlässt und die in den nächsten Jahren noch noch viel höher getaktet und in einem viel größeren Umfang die Branche verlassen wird, ist ein Schatz, der uns da verloren geht, den wir uns eigentlich tunlichst bemühen sollten. Deswegen finde ich diese Kombination der jugendlichen Innovativen mit den Erfahrenen, die einfach die Expertise mit einbringen, über viele, viele Jahrzehnte oder Jahre aufgebaut, einen sehr, sehr guten. Und ich glaube auch, das ist ein Erfolgsfaktor, wenn es ums Thema Gewinnung von Nachwuchskräften geht, weil wir müssen uns immer die Frage stellen, wen wollen wir denn anziehen? Wir möchten ja nicht die kein Bock Menschen anziehen, die sich über alles ärgern oder bei allem irgendwo versuchen, nee ich muss hier für mich das Beste in meinem kleinen Dunstkreis irgendwo rausbekommen und ich muss die x-te Sonderregel noch durchgedrückt bekommen. Die will man ja gar nicht haben. Also vielleicht sollte man sich mehr darauf konzentrieren, wen man ansprechen will. Und ich kann mir vorstellen, dass bei euch deswegen auch so gut funktioniert, weil ihr da eine klare Vorstellung davon habt.

Maximilian Schroll [00:40:57]:
Wie ist es bei euch im Recruiting? Habt ihr so eine klare Vorstellung, was ein Fit ist bei euch im Unternehmen, was eine Person mitbringen muss an Persönlichkeitseigenschaften, an Charakterzügen, damit ihr sagt, hey, das passt bei uns ins Team.

Franziska Geusen [00:41:10]:
Ja, also du hast unglaublich viele Themen angesprochen, zu denen ich noch mal ganz kurz was sagen möchte, weil du auch das Thema Fluktuation angesprochen hast. Wenn man das Team diverser machen möchte oder wenn man den Führungsstil ändern möchte oder wenn man einen Nachwuchs reinholt, muss man sich klar darüber sein, dass man erstmal eine höhere Fluktuation hat. Weil die Menschen, die den Job vorher gemacht haben, die haben den gemacht, weil er so war, wie er war. Und da gibt es einfach einige, die mit der Veränderung nicht klarkommen. Und das ist dann auch völlig in Ordnung, wenn die sich einen Job suchen, wo es wieder so ist, wie es vorher war. Das war bei uns total klar zu sehen. Und das hat auch dazu geführt, dass wir genau das, was du angesprochen hast, das Wissen geht damit ja auch verloren, versuchen jetzt fest zu halten. Wir haben damals in den Übergaben und teilweise muss man ja sagen, die haben dann Resturlaub und das ist ich nicht, die sind ja teilweise nach zwei Wochen weg.

Franziska Geusen [00:42:01]:
Wir haben dann versucht in diesen Übergaben alles aufzuschreiben, was wir noch aus dem Kopf der Person rausholen können. Und das hat dazu geführt, dass wir es irgendwann in ein Handbuch haben fließen lassen. Und dieses Handbuch ist inzwischen, ich kann ja gar nicht zeiten, wie groß und wie lang. Und das ist jede woche im team meeting ist das thema das handbuch und jede frage die einem kollegen gestellt wird immer erst mal gefragt Es nicht im handbuch gefunden und wenn es nicht da war wird reingeschrieben und und und also das ist wirklich unser größtes asset im unternehmen Und als ich 19 Unternehmen gekommen bin und jemand hat gesagt, ich habe übrigens ein anderes Angebot, dann habe ich erst mal Panik bekommen, habe nicht mehr schlafen können, es war ganz furchtbar und inzwischen bin ich was das angeht relativ entspannt, weil wir haben fast alles Wissen, es gibt natürlich ein bisschen Ausnahmen, aber fast alles Wissen aus den Köpfen in dieses Handbuch einfließen darf. Es ist eine Riesenarbeit, aber es sorgt dafür, dass wir die Fluktuation, und die ist auch bei jungen Leuten, deswegen muss man sich bewusst sein, höher als bei Älteren. Weil junge Leute noch viel mehr in dem, ich mache zwei Jahre das, dann mache ich drei Jahre das, ach komm, jetzt muss ich doch nochmal die Stadt wechseln, jetzt habe ich mich irgendwo anders verliebt. Das passiert viel häufiger als bei älteren Kolleginnen und Kollegen. Deswegen muss man, wenn man junge Leute haben will, dafür sorgen, dass man irgendwie das Kopfwissen der Menschen festhält.

Franziska Geusen [00:43:18]:
So, aber zu deiner eigentlichen Frage. Wie finden wir den Fit bei uns im Team? Also erstmal sind wir inzwischen dazu übergegangen, wenn einer von uns und wer uns ist, sage ich gleich, Wenn einer von uns sich nicht sicher ist, wird diese Person nicht mehr eingestellt. Weil wir haben festgestellt, dass das Bauchgefühl ganz viel ausmacht. Und Bauchgefühl ist ja nicht, das kommt ja nicht von irgendwo her, sondern Bauchgefühl ist ja Wissen, was sich im Laufe der Zeit, jetzt können wir über verschiedene limbische Systeme und so weiter reden, was sich festgesetzt hat, wo wir nicht darüber nachdenken, aber das Wissen ist da. Und bei uns sind zum Beispiel Noten etc. Komplett egal. Ich habe gerade eine Bewerberin, die wir jetzt auch einladen für das duale Studium. Die hat einen 3, 8-Abi-Schnitt.

Franziska Geusen [00:44:00]:
Das Einzige, was wir uns dann anschauen, funktioniert Prozentrechnung. Weil das haben wir festgestellt, wenn das nicht funktioniert, dann haust du in der Versicherungsbranche, also wenn ich nicht mehr sagen kann, da kommen jetzt noch 19 Prozent Versicherungssteuer drauf und ich kann das nicht ausrechnen, dann ist schon ein bisschen schwierig. Genau, also das prüfen wir und was wir zum Beispiel auch haben als Test ist so eine Art Word-Formatierungstest. Also, du musst dir vorstellen, da ist so eine Seite und da steht da ein Satz. Bitte mach mich in Größe 5. Bitte mach aus mir eine Tabelle und so weiter. Dass so ein bisschen technisches Wissen einfach da ist oder Gefühl für Technik. Ich nenne es ja Wissen, es ist ein Gefühl für Technik, weil wenn das fehlt in dem jungen Alter, dann wird es auch schwierig.

Franziska Geusen [00:44:42]:
Und alles andere ist Verhalten während des Vorstellungsgesprächs und Verhalten während des Probetags. Wobei Probetags sind drei, vier Stunden. Da geht man bei uns von Kollege zu Kollegin und so weiter und darf ganz viele Fragen stellen. Das ist schon mal das Erste. Wer keine Fragen stellt, ist auch immer nicht so toll. Ich verstehe Nervosität, aber wenn man so ein bisschen da reingeht, dann verlieren die meisten die Nervosität und auch die Schüchternsten, die bei uns jetzt sind, haben Fragen gestellt. Was zum Beispiel gar nicht geht, das hatte ich vor kurzem, da war dann jemand neben mir und wir haben gerade was besprochen, holt er sein Handy raus und schreibt eine WhatsApp. Da dachte ich auch so, okay, du kannst eigentlich jetzt gehen.

Franziska Geusen [00:45:21]:
Also Entschuldigung, das funktioniert zum Beispiel nicht. Und dann einfach passt der oder sie ins Team, weil wir verbringen alle viel zu viel Zeit mit unseren Kolleginnen und Kollegen, als dass man sagen kann, ach ja, der ist fachlich schon echt richtig gut, aber mich mal mit dem Unterhalten funktioniert nicht oder mit dem Zusammenarbeiten funktioniert nicht. Da haben wir auch wirklich uns von fachlich Top-Leuten, auch Volljuristen getrennt, weil sie zum Beispiel der Meinung waren, dass sie als Volljurist ja viel besser wären als diejenigen, die nur eine Ausbildung gemacht hätten und deswegen die Kaffeemaschine nicht sauber reinigen müssen oder kein Wasser nachfüllen müssen oder so. So was geht zum Beispiel bei uns gar nicht. Also es ist ganz viel Gefühl, weil ich glaube, wenn ein Team gut funktioniert und natürlich muss eine gewisse Mindestintelligenz und so weiter da sein, aber wenn ein Team richtig gut funktioniert, dann ist man glücklich im Job und dann kann man den Kunden auch glücklicher machen. Wenn ich keinen Bock auf meinen Job habe, dann mache ich ihn auch einfach nicht gut. Und dass jemand aufwacht und sagt, boah, Versicherung, das ist mein Traumjob, das passiert relativ selten. Das heißt, alles andere muss wirklich gut funktionieren und muss dann auf jeden Fall auch gut stimmen.

Maximilian Schroll [00:46:29]:
Ja, Definitiv. Also das finde ich wahnsinnig spannend, weil ich versuche für mich immer diese Themenbereiche oder auch dieses Gesamtthema, wie kann man jetzt jemandem dabei helfen, auch so einen Fit rauszufinden. Also wie schaffe ich es denn wirklich rauszufinden, passt eine Person zu mir? Und ich benutze da gerne einen Begriff, der in unserer Debatte total negativ aufgeladen ist, der aber eigentlich eine sehr relativ neutrale Aussage hat, nämlich Ideologie. Also die Unternehmensideologie, da zählen die Werte mit rein, da zählt die Philosophie mit rein, da spielt die Historie von einem Unternehmen mit rein, weil die natürlich dazu beigetragen hat, dass es heute da steht, wo es steht. Eigentlich ein Sammelbegriff, unter dem man genau die Sachen, die du jetzt gerade so schön aufgedröselt hast, sehr gut fassen kann und bei dem man auch methodisch ableiten kann, wie du es jetzt eigentlich fast als Blaupause geliefert hast. Wie finde ich denn raus, passt jemand wirklich gut zu uns? Und jetzt haben wir ja Franziska als Branche da ein Riesenproblem damit. Du hast schon gesagt, und da muss man den Strukturvertrieben einfach anerkennend zur Seite stehen und dankbar auch sein. Sie schaffen es, junge Menschen in die Branche zu bringen.

Maximilian Schroll [00:47:31]:
Da könnte man jetzt wieder die Frage stellen, ja, aber mit welcher Art und Weise? Also wie werden die in die Branche gebracht? Was sind so die Lebensentwürfe, die die danach auch wählen? Weil ich spreche ja auch mit ganz vielen Leuten, die aus dem Strukturvertrieb wechseln in beispielsweise die Maklerschaft, die mir da auch sehr ähnlich sagen, ja, du hast halt doch schnell irgendwo einen Kostenapparat aufgebaut, du bist auch schnell irgendwo natürlich dann im 100% Commitment drin, das ist auch cool, das fühlt sich auch irgendwie gut an, aber irgendwann fängt es so an, wenn du mal erfährst, okay, es gibt doch noch links und rechts. Auch wenn mir erzählt wird, es gibt nur diese eine Schiene, es gibt ja doch noch viel, viel mehr. Und dann kommen die ins Nachdenken. Dann setzen die sich mit den Systemen auseinander und dann merken die, hey, ich muss ja eigentlich total viel von dem, was ich leiste, abgeben für jemanden, der nichts dafür macht, also der vielleicht irgendwann mal dafür gesorgt hat, dass diese Struktur aufgebaut wurde, aber den habe ich im schlimmsten Fall noch gar nicht kennengelernt, also eine Person, die ich gar nicht kenne, aber trotzdem die von meiner Leistung irgendwie profitiert.

Franziska Geusen [00:48:33]:
Wenn ich da kurz rein darf, Ich sehe das auch alles, aber man hat ja schon ganz viel profitiert von demjenigen, der vielleicht... Also, weil die Struktur an sich, das ist ja dieses, wovon ich profitiere. Ja, die müssen unglaublich viel abgeben. Deswegen sage ich auch immer, meistens erst mal so, mach mal zwei, drei Jahre Strukturvertrieb und dann kannst du anfangen. Dann hast du unglaublich viel gelernt, weil die Strukturen, ich glaube, das ist das, was vielen anderen Vermittlerinnen und Vermittlern noch total fehlt. Eine Struktur in der Kundenberatung, eine Struktur im Arbeiten und wenn jemand aus dem Strukturvertrieb kommt und schon mal gelernt hat, wie kann ich denn mal so ein ganzheitliches Beratungsgespräch machen. Also ich saß mal in den Beratungszug durch Zufall mit drin und die Kunden kamen und wollten eine Wohngebäudeversicherung haben. Und dann hat der Vermittler das auch alles toll beraten und dann hat er eben gesagt, was Hausrat und was Wohngebäude ist.

Franziska Geusen [00:49:28]:
Also die Wohngebäude ist und so und so. Und dann haben die gesagt, okay, also alles was rausfällt, wenn wir das Haus umdrehen, ist ja so dieses typische, ist also nicht in der Wohngebäude mit versichert. Nee, genau, das ist da nicht mit versichert. Und die Kunden sind ohne Hausrat da rausgegangen. Ich dachte so, meine Güte, wie viel Steilvorlage willst du denn noch haben? Und dieses strukturelle Arbeiten, Ich glaube, wenn man da den Start im Strukturvertrieb hat, das bringt einem enorm viel am Ende. Und ja, man muss da viel für abgeben, aber man bekommt ja auch viel dafür. Wenn man denn dann irgendwann den Absprung schafft. Und das ist vielleicht so ein bisschen das Ding.

Franziska Geusen [00:49:59]:
Also Ja, deswegen, die Leute haben irgendwann die offenen Augen, so wie du jetzt sagst, und sehen, Mensch, das funktioniert für mich nicht mehr. Und das ist auch okay, aber die ersten Jahre hat es eben funktioniert, weil sie ganz viel dafür mitgenommen haben, was ihnen dann vielleicht hilft in der Selbstständigkeit. Weil am Anfang, wenn ich neue Kunden akquirieren soll, die beraten soll und dann auch noch nebenher mich Technik kümmern was muss ich denn alles für die Datenschutzverordnung, was brauche ich denn eigentlich für meine Zulassung, was brauche ich denn, ich brauche noch ein Impressum, also dieses ganze drumherum, wenn ich das zu Beginn machen muss, also ich stelle mich auf die grüne Wiese und werde jetzt Versicherungsmakler oder Versicherungsmaklerin. Das ist ja fast unmöglich. Vor allem, wenn ich kein Jurist bin.

Maximilian Schroll [00:50:41]:
Das stimmt, ja, 100 Prozent. Also es soll jetzt auch nicht so klingen, als wäre das alles schlecht, sondern ich bin auch, also ich arbeite tatsächlich gerade auch an einer Gegenüberstellung, was kann der Vermittlermarkt von den Strukturen lernen und das in Konzepten zu verkaufen, also zu beraten und dann auch wirklich zu verkaufen, den Leuten aufzuzeigen, wo fängt mein Risiko an, wo endet mein Versicherungsschutz. Also wirklich es so einfach zu belassen, weil der Kunde, klar ich kann ihm erklären, was der Unterschied zwischen Wohngebäude und Hausrat ist und im Zweifelsfall sollte ich das auf jeden Fall auch machen, dass er es versteht, aber im Endeffekt geht es für ihn darum zu wissen, wo fängt mein Versicherungsschutz an und wo endet der? So was bedeutet das für mich jetzt bezogen auf meine Immobilie? Das heißt, in dem Beispiel, das du jetzt gerade gebracht hast, da ist es eigentlich ein Zwei-für-eins-Paket. Also da sollte man den

Franziska Geusen [00:51:24]:
Kunden Genau. Keiner sollte das getrennt verkaufen. Ja, das genau.

Maximilian Schroll [00:51:29]:
Deswegen bin ich da voll dabei, dass es auch viele positive Seiten gibt und dass da auch viel gelernt werden kann. Auf der anderen Seite würde ich jetzt natürlich gerne wissen, was können wir als Branche denn davon lernen? Also ist es die Zukunft, dass wir sagen, wir überlassen dieses Feld der Nachwuchsgewinnung, den Strukturvertrieben oder wie können wir uns als Branche da vielleicht auch nochmal insgesamt attraktiver aufstellen, damit man auch diesen Preis, den man dafür zu zahlen hat, fairerweise gibt es ja da auch ganz viele, die sehr schnell wieder aus der Maschinerie raus sind, also die reinkommen, dann schnuppern, vielleicht mal sechs Monate, vielleicht mal zwölf Monate das Ganze machen und dann raus sind. Die sind verbrannt für immer. Also das wären eigentlich Leute, die vielleicht Bock hätten, die vielleicht bei einem Makler oder bei einer AO sich hätten auch super entwickeln können, die aber dann natürlich weg sind für immer. Wie können wir uns da besser aufstellen?

Franziska Geusen [00:52:18]:
Ja gut, also das war fast abgesprochen. Nein, also ich plädiere immer dafür, bitte bildet alle Leute aus, holt junge Leute in unsere Branche, weil wenn ich heute eine Ausschreibung mache, ich suche einen Kaufmann oder eine Kaufprofifersicherung und Finanzanlagen, bekomme ich exakt null Bewerbung. Außer von denjenigen, die in den letzten sechs Jahren 20 verschiedene Arbeitgeber hatten oder seit 20 Jahren arbeitslos sind. Aber es gibt keine freien Versicherungsspezialisten auf dem deutschen Markt Und wenn es sie gibt, dann gibt es einfach Großmakler oder Versicherer, die utopische Gehälter zahlen, wo wir als kleine oder mittlere Makler nicht mithalten können. Und deswegen plädiere ich einfach dafür, mehr Leute auszubilden. Und ich kenne so viele Maklerinnen und Makler, die 30 Mitarbeitende haben, aber keinen einzigen Azubi oder dualen Studenten. Und das kann ich nicht verstehen, weil wo sollen sie denn herkommen? Also früher war es ja so, die Versicherer, als ich bei der Allianz angefangen habe, in meinem ersten Jahr, haben mit mir 100 Azubis angefangen, alleine am Standort München. Im Jahr danach waren es 20.

Franziska Geusen [00:53:22]:
Die Versicherer bilden immer weniger aus. Es ist eben nicht mehr so wie früher, dass die alle 100 Azubis hatten, die auf den Markt geschmissen haben, weil sie konnten nur 20 übernehmen, sondern heute gibt es ganz genaue Planungen, wie viele Azubis können wir denn in dreieinhalb Jahren übernehmen und so viele werden eingestellt. Und dann kommt ja auch noch die Digitalisierung dazu, also nehmen wir mal pauschal nochmal 20 Prozent weniger, weil bis dahin haben wir ja alles digitalisiert. Wir wissen digital, wie die Versicherer sind. Aber letztlich gibt es da nicht mehr dieses Potenzial von den Maklern, dann die ganzen Leute von den Versicherern zu sich zu holen. Das heißt, wir müssen alle selbst ausbilden und es ist auch einfacher, als es klingt. Jetzt muss ich dazu sagen, auch wir hatten Auszubildende. Allerdings, jemandem das Praxiswissen für Kfz- und Hausratversicherungen mitzugeben, ist für uns relativ schwierig, weil wir das einfach nicht haben.

Franziska Geusen [00:54:13]:
Wir haben nur Vermögensschaden, ein bisschen Rechtsschutz, ein bisschen Bürohaftlichkeit, aber das kommt alles in der GHK-Ausbildung auch nicht dran. Deswegen haben wir auf diese dualen Studenten gesetzt und ich möchte jetzt hier einmal sehr offen sprechen, was duale Studierende angeht. Die Studiengebühren belaufen sich je nach Hochschule zwischen, ich sag mal 350 und 800 Euro im Monat. Die übernehmen wir natürlich. Und dann bekommen duale Studierende bei uns, ja, wie eine Art Taschengeld, so ein bisschen wie ein Ausbildungsgehalt. Mehr ist es nicht. Und das ist auch in Ordnung so, weil wenn ich beides zusammenrechne, das ist ja das eigentliche Gehalt, was ich denen zahle. Und jetzt arbeiten die bei uns 20 Stunden die Woche.

Franziska Geusen [00:54:54]:
Wir haben den Onboarding-Prozess so gestaltet, dass die wirklich schnell helfen können. Also wir haben Aufgaben, die wir in Anleitungen gelegt haben, die, ich sag mal, fast jeder, der einen Computer bedienen kann, dann schnell ausüben kann. Das heißt, nach ein paar Wochen können die schon richtig gut mithelfen. Und wenn man jetzt mal überlegt, 20 Stunden, jetzt habe ich ja gerade ein bisschen was vorgerechnet, wenn ich das auf 40 Stunden hochrechne und so spätestens nach einem halben Jahr jemanden habe, der auch wirklich ein bisschen Ahnung hat in dem Bereich, ist das jetzt nicht, dass mich das in den Ruin stürzt, wenn ich dann diejenigen verliere nach dem Studium. Also weil viele jetzt sagen ja, ja dann bilde ich die alle aus und investiere total viel Zeit und dann sind sie ja danach weg. Und das ist mir, mal abgesehen von dem ganzen persönlichen, fachlichen Wissen und so weiter, relativ egal, weil ich kein Investment habe. Deswegen haben die bei uns auch keinen Vertrag, sie müssten zwei Jahre bleiben oder was weiß ich nicht, sondern ich freue mich, wenn sie bleiben und unter uns der erste Jahrgang bleibt jetzt auch komplett bei uns. Deswegen ein bisschen was scheinen wir doch richtig gemacht zu haben, aber es wäre nicht dramatisch gewesen, wenn die jetzt gesagt hätten, nee die Versicherungsbranche ist nicht meins, ich gehe woanders hin.

Franziska Geusen [00:56:02]:
Oder ich gehe auch zu einem anderen Makler, ich will nochmal was anderes sehen. Auch voll in Ordnung, total fein. Aber machen Sie nicht, Sie bleiben alle bei uns. Und das ist, glaube ich, so ein bisschen der Schlüssel, dass man sagt, dieses duale Studium und ich muss denjenigen eben nichts in der Praxis beibringen, die müssen nicht bestimmte Fachlichkeiten bei mir lernen, sondern ich kann die von Tag eins in die Kundenbetreuung setzen oder wir haben auch Informatikstudenten. Es ist ganz egal, ob ich die in Frontend, Backend, wo auch immer einsetze, ich bin sehr frei mit denen. Und ich glaube schon, dass da der ein oder andere dabei ist, der vielleicht auch irgendwann mal in der Selbstständigkeit landen wird und Versicherungsmaklerin oder Versicherungsmakler wird. Und dann habe ich ja meinen To-Do getan an der Stelle. Aber vor allem habe ich mein Team aufgefüllt mit jungen Leuten, die einfach gut ausgebildet sind, weil wir es ja selbst gemacht haben.

Maximilian Schroll [00:56:54]:
Ja, ein wunderbares Plädoyer an alle Makler, Maklerinnen, Vermittler, jeder Couleur, die uns da zuhören. Traut es euch zu, bildet aus und denkt auch gerne mal über kooperative Ausbildungsmodelle nach, wenn ihr es euch selber nicht zutraut, weil ihr gerade in einem One-Man-Show seid oder One-Woman-Show, aber ihr habt in eurer Umgebung, was wirklich, sage ich mal, entweder derselbe Ort ist oder vielleicht ein paar Kilometer nur entfernt, nochmal ein, zwei, drei Kollegen, mit denen ihr sogar ganz gut könnt, obwohl ihr im selben Markt unterwegs seid, und mit denen ihr vielleicht schon auf die ein oder andere Art gut zusammenarbeitet, auch Das kann ein Zukunftsmodell sein. Also traut euch da wirklich, euch Gedanken zu machen, wie kann man dieses Thema attraktiv machen, wie kann man dieses Berufsbild attraktiv machen und wie kann man auch die Vielfalt dieses Berufsbild vor allem zeigen. Weil eine Sache solltet ihr nicht machen, auch aus eigener Erfahrung. Hab's Gott sei Dank nur eine Woche erleben müssen. Aber holt euch keine jungen Leute und setzt die dann einfach irgendwo hin. Lasst die irgendwelche euch über die Schulter schauen. Das ist ein Teil davon auf jeden Fall, dass die verstehen, wie ihr arbeitet.

Maximilian Schroll [00:57:57]:
Aber die sind kein erweitertes Mobiliar oder was auch immer, dass man sich dann da reinsetzen kann und dann denkt man ja okay und in drei Jahren da übernimmst du dann den Laden, perfekt, das wird nicht passieren, sondern lasst da schon mal zu, dass die auch Innovationstreiber für euch selber sein können, dass die euch selber vielleicht die ein oder andere interessante Idee auch mitgeben können. Also seht das wirklich als große Chance und traut es euch zu. Ich glaube, Franziska, du hast sehr, sehr gut gezeigt, warum man das machen sollte. Und ich glaube, da müssen wir auch die Eigenverantwortung für uns als Branche alle übernehmen. Also wenn wir Nachwuchskräfte haben wollen, dann müssen wir sie ausbilden und dann müssen wir ihnen zeigen, wieso diese Branche so attraktiv ist. Und da gehört ein Teil natürlich auch mit dazu, nämlich wie kann ich als vor allem auch junge Frau in dem Fall und da bist du jetzt prädestiniert dafür diese Frage zu stellen, wie kann ich Karriere und Beruf vereinbar machen? Wie kann ich auch als Arbeitgeber es schaffen, dass diese Modelle viel, viel normaler werden, dass es eben nicht mehr dieses, du hast es vorher so schön beschrieben, für dich ist es kein Stress im Sinne von, oh ich hetze jetzt von A nach B, selbst wenn es vielleicht faktisch mal so ist, aber es ist mehr Work-Life-Blending, also mehr dieses Arbeit und Privatleben gehen eben Hand in Hand und mal ist da spontan mehr Zeit vielleicht für das eine, mal wird es da für das andere vielleicht gebraucht. Wie schafft man das in der Breite, vielleicht schaffst du da noch so eine Blaupause mitzuliefern, wie schafft man diese Vereinbarkeit zwischen Familie, Familienwunsch, auch Care-Arbeit und dann aber auch dieser beruflichen Tätigkeit?

Franziska Geusen [00:59:31]:
Also jetzt kann ich natürlich meine, so wie ich das mache, schlecht übertragen, weil die meisten sind nun mal nicht selbstständig. Aber wie schaffe ich es vielleicht, das für meine Mitarbeitenden möglich zu machen? Also zum einen glaube ich, dass wir ganz viel in unserer eigenen Überzeugung und Kommunikation arbeiten müssen, auch was die Männer angeht. Mal ein Beispiel zu nennen, mein Mann ist ja auch in der Versicherungsbranche dieses Jahr, also das erste Jahr, wo er auch zwei- mit dreimal gefragt wurde, wenn ihr beide hier seid, wer kümmert sich eigentlich die Kinder? Vor zwei Jahren wurde ich das ungefähr 20 Mal gefragt und er kein einziges Mal. Also es verändert sich vielleicht schon ein bisschen was. Als einer meiner Mitarbeitenden mir erzählt hat, dass er Vater wird und zwei Monate Elternzeit nehmen möchte, habe ich gesagt, überleg dir mal bitte, ob du nicht mehr Elternzeit nehmen möchtest, weil zwei Monate finde ich ganz schön wenig. Meistens ist es ja die ersten vier Wochen und dann mit einem Jahr noch mal vier Wochen für die Eingewöhnung. So richtig viel mit Elternzeit hat das aus meiner Sicht nicht zu tun. Also da vor allem auch die Männer nicht nur aufzufordern, sondern vor allem auch positiv zu signalisieren, wenn sie denn bereit dazu sind, das zu unterstützen.

Franziska Geusen [01:00:40]:
Ich glaube, das ist erst mal ganz, ganz viel... Als mein Schwager zum Beispiel gesagt hat, er möchte Elternzeit nehmen, hat sein Chef geantwortet, muss das sein? Und das ist halt echt was... Keiner würde einer Frau sagen, muss das sein, wenn sie Elternzeit nimmt. Also das ist nicht nur, dass den Frauen möglich zu machen, mehr zu arbeiten, sondern auch den Männern möglich zu machen, weniger zu arbeiten. Dann brauchen wir natürlich in Deutschland gute Kita-Möglichkeiten etc. Ich weiß gerade in den Großstädten, bekomme ich das auch von Freundinnen und Freunden mit, dass das schwierig ist. Hier bei uns auf dem Land ist das überhaupt kein Thema. Aber da kann das schon mal schwer sein.

Franziska Geusen [01:01:16]:
Und dann als Arbeitgeberin und Arbeitgeber müssen wir natürlich einfach flexibel sein. Also ich habe viele Mitarbeiter, ich habe hier zum Beispiel eine Mitarbeiterin, da ist klar, wenn Ferien sind, macht die Homeoffice. Das geht, weil ich ihr zu 100 Prozent vertraue, dass sie sich nicht einloggt und sich dann mit ihren Kindern beschäftigt. Das weiß ich einfach, weil sie so ist, wie sie ist. Ich habe aktuell eine schwangere Mitarbeitende. Jetzt war zum Beispiel, ist ja gerade Erkältungszeit und ich weiß, sie will gerne ins Büro kommen, aber dann haben wir gesagt, nee, jetzt kommt gerade keiner ins Büro, weil wenn du krank wirst, du kannst nichts nehmen, nichts, bitte bleib zu Hause. Da gibt es aber auch, ich habe eine andere Mitarbeiterin, die hat auch ein kleines Kind, dann ist der Mann teilweise lange nicht da, weil er beruflich weg muss. Das ist die Zeit, in der sie mehr Homeoffice macht und sehr flexibel auch mal arbeiten kann und auch mal, wenn das Kind abends schläft, arbeiten kann.

Franziska Geusen [01:02:06]:
Das geht natürlich nicht, wenn alle das immer so machen, aber ich glaube, wenn man es offen kommuniziert, dann haben auch diejenigen, die eben keine Kinder haben, also Verständnis dafür, dass das eben jetzt so ist. Und wir versuchen das bei uns. Ich weiß nicht, ob das meine Mitarbeitenden jetzt auch so sehen würden, aber ich glaube, wir versuchen, da echt Flexibilität zu bieten und zu sagen, wenn ihr ins Homeoffice müsst, müsst ihr ins Homeoffice. Wenn die Kinder krank sind, sind die Kinder krank. Da kannst du dich auch auf den Kopf stellen. Also da kannst du einfach nichts machen. Auch was so Reisen angeht, da frage ich immer sehr vorsichtig diejenigen, die Kinder zu Hause haben, ob die das überhaupt wollen. Irgendwie mal mit Übernachtung.

Franziska Geusen [01:02:45]:
Meistens sind sie ganz froh. Aber ich erlebe es eben auch bei mir im Mitarbeiterkreis, dass doch die Frauen alle im Jahr weg sind. Und eher Teilzeit arbeiten. Und das ist was, da können wir als Arbeitgeber ein bisschen vielleicht zu beitragen durch so Aufforderungen an die Männer, macht doch mal Elternzeit, aber so richtig viel kann da nur die gesamte Gesellschaft, indem wir offen über solche Fälle sprechen, indem wir offen Frauen zeigen, die eben arbeiten und trotzdem Kinder haben und indem wir diese Frauen aber auch nicht ständig fragen, wie schaffst du das eigentlich mit deinen Kindern, sondern vielleicht auch mal die Männer fragen, wie schaffst du das eigentlich mit deinen Kindern. Wir sind da schon ganz weit im Weg gegangen. Ich habe auf der DKM einen Vortrag gehalten zum Thema Nachwuchskräfte. Vor mir war die Jessie Reimers von Südfers. Sie hat erzählt, dass sie damals an ihrem ersten Arbeitstag in der Ausbildung nach Hause geschickt wurde, weil sie Hosen anzog.

Franziska Geusen [01:03:43]:
Als Frau in der Versicherungsbranche hat man Rock oder Kleid zu tragen. Die hat damals auch noch Strumpfhosengeld bekommen. Und ich dachte so, okay, wir haben schon einen weiten Weg hinter uns. Aber es ist eben auch noch ganz viel zu schaffen da. Und das ist aber ein gesellschaftliches Thema, nicht nur unbedingt ein Thema bei uns in der Versicherungsbranche. Und Vorbilder. Vorbilder ist das A und O. Und ich hatte ein Vorbild mit meiner Mutter, die eben auch Geschäftsführerin war und zwei Kinder bekommen hat.

Franziska Geusen [01:04:08]:
Und das war auch kein Thema. Und so setzen wir uns auf.

Maximilian Schroll [01:04:12]:
Franziska, ich glaube, da stimmt mir jetzt jeder, der das hört, zu. Wir haben eins dieser Vorbilder auf alle Fälle jetzt hier heute im Gespräch gehört. Ich bin dir wahnsinnig dankbar für die Zeit und für diese vielen Einblicke. Ich glaube, das war wirklich eine Folge, bei denen sich die Leute sehr konkrete Sachen mitnehmen können. Also wir haben so wichtige Fragestellungen behandelt und ich glaube, da sind sehr, sehr viele konkrete Sachen mit dabei. Wenn im Nachgang natürlich noch irgendwelche Fragen aufkommen, kommt auch gerne auf Franziska zu, kommt auch gerne auf mich zu, wenn ihr da irgendwo mitdiskutieren wollt oder noch Fragen habt. Jederzeit sehr, sehr gerne. Ansonsten bleibt mir wirklich nur noch zu sagen, vielen, vielen Dank.

Maximilian Schroll [01:04:47]:
Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich hätte noch tausend Fragen an dich und wir könnten das Gespräch wirklich diese Stunden noch fortsetzen, glaube ich. Aber mit unseren Hörern im Hinterkopf kann man das natürlich nicht machen. Aber Franziska, vielen, vielen Dank für deine Zeit, vielen, vielen Dank für diese Einblicke. Eine Frage habe ich noch, bevor wir zum Ende kommen. Die muss unbedingt gestellt werden, nämlich, wenn du jetzt mal in einer fantasiefreien Lauflist in 15 Jahren, wie sieht die Versicherungsbranche im Idealfall in 15 Jahren aus?

Franziska Geusen [01:05:20]:
Also ich hoffe, dass wir dann ganz viel Zeit haben für ganz individuelle Beratung, weil wir mit diesem ganzen administrativen Kram nichts mehr zu tun haben, weil wir alle unsere Prozesse im Griff haben, weil aber auch vielleicht die Versicherer es bis dahin mal geschafft haben, Wipro, Daten und so weiter wirklich durchgehend darzustellen und wir deswegen unsere Mitarbeitenden, die top ausgebildet sind, dafür einsetzen können, auch echt gute Beratung zu machen.

Maximilian Schroll [01:05:50]:
Mega. Das ist doch ein hervorragendes Zukunftsbild. Deswegen bleibt mir nur noch mal zu sagen, vielen, vielen Dank. Im Futurans Podcast gehören die letzten Worte dem Gast. Deswegen, The stage is yours.

Franziska Geusen [01:06:03]:
Ja, auch ich möchte mich ganz herzlich bedanken für den heutigen Podcast und ich freue mich, wenn ich dem einen oder anderen hier heute Impulse mitgeben konnte. Wenn ihr Lust auf Ausbildung habt, wenn ihr Lust darauf habt, mitzuhelfen, junge Leute in unsere Branche zu holen, meldet euch bei mir, ich zeige euch, wie wir es machen und helfe euch sehr gerne dabei, dass wir gemeinsam jungen Leuten zeigen, wie toll unsere Branche ist.

Maximilian Schroll [01:06:28]:
Was für eine spannende Folge! Vielen Dank euch fürs Zuhören, schaltet auch nächsten Donnerstag wieder ein, Ladet euch den Podcast in euren Podcatcher runter. Hört ihn auf dem Weg zur Arbeit und schaut bitte auch noch in den Show Notes vorbei. Da sind nämlich alle Infos zu unserem Gast, alle Verlinkungen. Vernetzt euch, tretet in Kontakt und lasst uns gemeinsam die Zukunft der Versicherungs- und Finanzwirtschaft gestalten.

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