Futurance: Zukunft & Versicherung
Bereite dich auf die Zukunft vor, indem du dich mit uns auf eine Reise durch den Futurance Podcast begibst!
Hier nehmen wir die großen Herausforderungen, die vor uns liegen, mit voller Leidenschaft und Begeisterung unter die Lupe. Denn durch frische Perspektiven, neue Ideen und das Durchbrechen alter Denkmuster können wir gemeinsam eine bessere Zukunft gestalten.
Lass dich von jungen Visionären aus der Branche inspirieren und erfahre, was sie antreibt, in der Branche zu arbeiten oder auch zu verlassen. Hier lernst du, wie junge Menschen die Zukunft sehen und welche Visionen sie für unsere Gesellschaft und Wirtschaft haben.
Gemeinsam mit uns und den anderen Pionieren, die den Vertrieb und die Assekuranz der Zukunft mitgestalten wollen, wirst du Teil einer Bewegung, die die Versicherungswirtschaft zum Treiber der Transformation macht.
Erlebe die Begeisterung, die Leidenschaft und die Vision, die uns antreibt, und werde Teil von Futurance: Gemeinsam. Für eine sichere Zukunft!
Futurance: Zukunft & Versicherung
KI ersetzt dich nicht, aber Menschen mit KI könnten es | Dr. Eva-Maria Zindler, R+V
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KI wird keine Menschen ersetzen – aber diejenigen, die KI nicht nutzen können.
Eine klare These von Dr. Eva-Maria Zindler, Kunden- und Vertriebsdirektorin bei der R+V Versicherung. Doch die Zukunft der Versicherungsbranche entscheidet sich nicht allein an Technologie.
Sie entscheidet sich an drei Faktoren: Kunde, KI und Kultur.
Im Gespräch mit Maximilian Schroll spricht Eva-Maria offen darüber, warum Versicherer eine Kundeninteraktion wie bei Amazon ermöglichen müssen – ohne dabei die persönliche Nähe im entscheidenden Moment zu verlieren. Denn kein KI-Agent fährt nach einer Katastrophe zu den betroffenen Menschen vor Ort.
Die beiden diskutieren, wie sich Führung, Vertrieb und Kundenverhalten verändern, warum klassische Karrierewege überholt sind und weshalb gute Führung nicht mit fachlicher Perfektion beginnt, sondern mit Verantwortung für Menschen.
Eva-Maria erzählt auch von einem Erlebnis mit Rollstuhlbasketballern, das ihren Blick auf Versicherung nachhaltig verändert hat. Von Menschen, deren Leben sich innerhalb weniger Sekunden vollständig wandelte – und von der Verantwortung einer Branche, die dann da sein muss, wenn Betroffene selbst nicht mehr handeln können.
Eine persönliche und zugleich strategische Folge über Leadership, Vertrieb, Transformation und die Frage: Wie wird sich die Rolle des Menschen im Vertrieb verändern?
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Herzlich willkommen zum Futurens Podcast. Wir sprechen über die Zukunft einer sehr traditionsreichen Branche. Wir sind nämlich der Überzeugung, dass es an der Zeit ist für echte Veränderungen in der Versicherungs- und Finanzwirtschaft. Und wer die Zukunft mitgestalten will, der muss hier zuhören. Hallo und herzlich willkommen zum Futurance Podcast. Mein Name ist Maximilian Schroll und ich freue mich sehr, dass ihr heute eingeschaltet habt. Denn ich bin heute im Herzen Münchens bei der R ⁇ V-Versicherung und mir gegenüber sitzt Dr. Eva Maria Zindler. Jetzt habe ich schon ein bisschen was vorweggenommen, aber wie immer im Futurance Podcast stellen sich die Gäste natürlich selber vor. Deswegen Eva, sehr, sehr schön, dass du dass ich hier sein darf, dass wir miteinander sprechen. Stell dich doch unsere Community mal vor. Wer bist du und was machst du?
SPEAKER_01Gerne, Max. Herzlichen Dank. Also zunächst freue ich mich total über die Einladung und die Chance, dass wir zwar jetzt die nächste Stunde uns mal austauschen können in diesem Format. Kurz zu mir, Eva Maria Zindler, was treibt mich um? Privat bin ich Teamhund. Tatsächlich lebe mit meiner Familie im schönen Rheinhessen, Rheinland-Pfalz, ganz wichtig, vielleicht hört man es auch an der einen oder anderen Stelle. Und beschäftige mich im Moment viel mit Natur, Ernährung und Sport, um eben einen guten Ausgleich zu schaffen zu meinem bewegenden Berufsleben. Ich formuliere es mal so, ich darf nämlich bei der RV Kunden- und Vertriebsdirektorin sein und bin da eben verantwortlich für drei Vertriebswege bundesweit. Das sind bei uns einmal die Generalagenten, die Straßenverkehrsgenossenschaften und die genossenschaftlichen Verbundgruppen. Und du hörst es schon raus, was alle verbindet, ist der genossenschaftliche Grundgedanke und das macht mir extrem viel Freude.
SPEAKER_00Das glaube ich sofort. Der genossenschaftliche Grundgedanke, den spürt man ja hier in der Türkenstraße beim Reinkommen auch schon. Ihr teilt euch ja hier mit der GVB die Räumlichkeiten und die Türkenstraße ist ja voll mit der DZ-Finanzgruppe. Aber Eva, wie sah denn eigentlich dein Weg in die Branche aus? Wie bist du in die Branche gekommen und wieso hat es dich auch hier gehalten?
SPEAKER_01Ja, sehr schöne Frage. Wenn ich das unsere Azubis und Studenten frage, dann sagen die ganz oft, das war irgendwie Zufall. Tatsächlich gilt es für mich auch. Also als Studentin an der Uni in Mainz habe ich das wirklich, ich nenne das mal oldschool, gab es einen Aussang zur studentischen Aushilfe bei der RV-Versicherung. Jetzt hat sich das angeboten. Mainz und Wiesbaden ist ja sehr nah, zumindest geografisch. Und das war ein toller Job, ja. Also ich durfte eine AC-Betreuung übernehmen und durfte dann bundesweit, das war vielleicht schon der Anfang des Reisens, bundesweit für die RV Assessment Center betreuen. Und das habe ich jahrelang gemacht, bis ich dann mit dem Studium fertig war. Dann hat sich so kurz die Frage gestellt, wie mache ich weiter. Ich habe mich dann erst noch für die Promotion entschieden, um danach tatsächlich bei RV einzusteigen. Und der Weg über die studentische Aushilfe war eigentlich perfekt, weil du ein Unternehmen kennenlernst, die Menschen und die Kultur hat mich damals schon so gefesselt, dass ich großes Interesse hatte, zurückzukommen.
SPEAKER_00Es ist ja jetzt für jemanden, der gerade zuhört und der sich denkt, okay, ich komme irgendwo im Rahmen meines Studiums jetzt zu so einem Versicherer, ist ja total unerwartet, dass man dann da auch erstmal so lange bleibt. Gab es für dich Momente, wo du dir überlegt hast, Versicherung, ist das das Richtige? Oder war für dich ab dem Moment, wo du dann gemerkt hast, okay, ich bin hier mit den richtigen Leuten, in der richtigen Unternehmenskultur verankert, kann hier selber Sachen machen, darf Verantwortung übernehmen. Und dann war gleich klar, okay, das wird jetzt hier auch mein berufliches Zuhause.
SPEAKER_01Also ich würde sagen, zunächst habe ich mich für Menschen entschieden. Das hätte tatsächlich auch ein anderes Unternehmen sein können. Für die Führungskraft, die mich eingestellt hat, für das Team und auch für Gestaltungsmöglichkeiten und auch die inhaltliche Herausforderung. Und dann gab es einen Moment, in dem sozusagen für mich die Frage nach dem Purpose der Versicherungsbranche sich für immer gefestigt hat. Und das war tatsächlich eine Veranstaltung für unsere besten Unfallverkäufer. Da war ich zwei Jahre als Filialdirektorin in Augsburg. Und da durfte ich mit meinen besten Unfallverkäufern an einem Tag teilnehmen. Den haben wir in Wiesbaden organisiert. Und da haben wir mit den Ryan River Rhinos einen Tag verbracht. Ich weiß nicht, ob du die kennst.
SPEAKER_00Basketball.
SPEAKER_01Genau, Rollstuhlbasketball, die sponsoren wir ja jetzt auch als RV-Versicherung. Und wenn du einen Tag verbringst mit Menschen, die entweder krankheitsbedingt oder eben unfallbedingt nicht mehr laufen können und einen Spirit versprühen und du mit denen am Ende zusammen Basketball spielen kannst im Rollstuhl und die dir erzählen, wie wichtig Versicherung ist, also verkehrte Welt, ja, das war ein Gänsehaut-Tag. Und seitdem weiß ich noch mehr, wie wichtig unser Beitrag für die Gesellschaft ist.
SPEAKER_00Hat der Tag für dich was verändert in deinem in deinem Arbeiten? Also hat das so nachhaltig was gemacht, dass du gesagt hast, okay, das, was ich da jetzt auch an Erfahrung mitgenommen habe und mal zu sehen, ich kenne das selber bei mir aus der Agentur, wenn man da mit den ersten wirklich schlimmen Leistungsfällen einfach beschäftigt ist. Das heißt, irgendwo schwere Unfälle, Todesfälle, schwere Eigentumsschäden, dann merkt man eben auch genauso, okay, das sind echte Menschen, echte Schicksale. Und wenn ich mich so dann zurückerinnere, ich kann mich total gut mit dem identifizieren und mit diesem Aha-Moment und mit diesem zu erkennen, was eigentlich der Wert hinter der Versicherungsbranche auch ist. Und dann war es für mich ganz persönlich so, ich habe dann gesagt, okay, wir müssen das eigentlich viel mehr nach außen kehren. Ist vielleicht auch ein Grund, wieso wir jetzt gerade hier in diesem Podcast miteinander sprechen. Aber wie war es denn für dich? Hat es dann was mit dir gemacht, dass du gesagt hast, okay, da hat sich was verändert dadurch?
SPEAKER_01Ja, total. Also ich war vorher schon hoch motiviert, mir war klar, wir leisten einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft, für Menschen, für Firmenkunden. Aber so richtig, dass das im Innern was verändert hat, so Game Changer-mäßig, das war der Tag tatsächlich. Also wenn du mit einem Menschen, der gesund war, ich muss da an eine spezielle Spielerin einfach denken, die auf dem Heimweg war mit dem Rennrad von der Arbeit und wurde halt eben vom Lkw erfasst. Und mit 19 Jahren verändert sich dein Leben komplett. Ja, und du, das sind ja so Dinge, an die wir vielleicht wie Fußgänger, habe ich gelernt, nicht denken. Klar, wir denken jetzt, das Haus wird umgebaut und du brauchst jetzt vielleicht eine Rampe, um reinzukommen. Aber dass du dein Leben lang eben medizinisch anders versorgt werden musst, dass sich dein soziales Umfeld ändert, dass du beruflich schauen musst, wie geht es für mich weiter. Und die Kollegen, die haben natürlich jetzt auch im Sport eine Motivation und einen Ehrgeiz erfahren und einen Teamgeist, das fand ich einfach bemerkenswert. Und wenn ich dann ja auch manchmal auf uns schaue oder auch auf mich, ich beginne mal bei mir selbst und manchmal Tage habe, wo ich denke, ah ja, heute gingen mir bestimmte Dinge nahe oder haben mich genervt, dann erdet es doch sehr, ja, wenn man sieht, welche Schicksale es gibt und welchen Beitrag wir als Unternehmen einfach leisten können. Und das war natürlich im Moment des Unfalls große Emotion. Zum Teil können die gar nichts selbst machen, weil die im Koma liegen und dann eben viele Operationen folgen. Und da brauchst du einen Partner, der ja, es klingt jetzt so blöd, weil es halt um Menschen geht, aber im Schadenfall eben da ist und dich auch weiterhin begleitet.
SPEAKER_00So ist es. Wie war es denn für dich nach diesem Erlebnis mit den Gesprächen, die du geführt hast mit deinem Umfeld rund ums Thema Versicherung? War das vorher ein Thema, dass du dich für den Berufsweg in der Versicherungsbranche entscheidest? War das für dich vorher anders darauf zu antworten, bis zu dem Zeitpunkt, wo du erkannt hast, okay, das ist das, wofür wir das machen. Also, das ist diese Verantwortung, die wir übernehmen. Da stecken einfach hinter jedem Schaden und Leistungsfall echte Menschen, echte Schicksale. Wie war das für dich?
SPEAKER_01Ja, also die Gespräche oder die Erklärungen hatten eine andere Qualität danach, ja. Also wirklich von dem eher rationalen noch mehr hin zum Emotionalen, weil ich jetzt immer Bilder von Menschen im Kopf habe. Natürlich wurden das über den Zeitverlauf auch mehr, ja. Wir haben ja auch andere großflächige Schadenfälle. Gestern hat sich das Aartalunglück gejärt. Das hat uns auch als Unternehmen extrem bewegt. Wir haben da auch unzählige Schäden beglichen. Unsere Kolleginnen und Kollegen waren vor Ort. Viele unserer Bankkollegen aus dem Bankenvertrieb waren eben auch betroffen, auch Generalagenten. Das war schon ein Gefühl des Zusammenhalts und gleichzeitig eben wieder der Moment, dass wir ja eine ganz besondere Aufgabe und einen ganz besonderen Beitrag eben leisten. Und das ist mir so wichtig, weil du hast es ja eben auch angesprochen, wir ja trotz aller Bemühungen immer wieder mit unserer Branche uns rechtfertigen müssen und erklären müssen, warum das, was wir tun, gut ist. Und das hat ja Auswirkungen bis zu uns als Unternehmen, uns als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.
SPEAKER_00Das ist wahr, das ist wahr. Und ich glaube, es ist auch, Debatte wird sich nur verändern, wenn man genau solche Themen auch sichtbar macht, wenn man auch drüber spricht und wenn man auch die Möglichkeit dem Verbraucher gibt, das besser nachzuvollziehen. Weil ich glaube, und da bin ich total gespannt, wie du das siehst, wir müssen schon an unserer Transparenz arbeiten als Branche. Also wir sind schon, was die Verständlichkeit angeht für einen Außenstehenden, unglaublich schwer durchschaubar, was, glaube ich, auch einfach macht in der Berichterstattung über uns, sehr viele Pauschalurteile zu fällen. Da ist dann einfach jeder gleich. Und ja, ich glaube, da haben wir auch einen kommunikativ echt wichtigen Auftrag. Deswegen super gut, dass du solche oder dieses Erlebnis für dich gleich da schon mal so rausgestellt hast, weil ich glaube, genau das ist auch ein echtes Symbolbild für ganz viele Erfahrungswerte, die vor allem Menschen, die im Vertrieb arbeiten, in unserer Branche sammeln, was ja nochmal mit einem schlechteren Ruf versehen ist, als jetzt beispielsweise der Sachbearbeiter im Innendienst. Aber abseits von dem Erlebnis, wie sah denn dein Weg noch aus? Gab es noch Stationen, bei denen du sagst, die haben mich besonders geprägt auf meinem Weg? Gab es Erlebnisse, die dir noch besonders im Gedächtnis geblieben sind?
SPEAKER_01Ja, klar. Also was mich jedes Mal geprägt hat, war der Wechsel einer Funktion und die neue Übernahme von Verantwortung und eben auch als das Thema Führung für mich Realität wurde. Wann war das? Das war tatsächlich schon nach drei Jahren des Einstiegs. Dann durfte ich ein Team übernehmen. Und so die erste Führungsfunktion ist schon sehr spannend, ja, weil du natürlich dich, du bekommst ein Team, dann ist so die Frage, wie viele Gestaltungsmöglichkeiten hast du, für welche Menschen hast du Verantwortung? Und das sind ja immer Menschen und da stecken auch Familien hintendran. Das sind persönliche Geschichten. Wie viel Zeit räumt man denen im beruflichen Alltag eben auch ein? Ich glaube, das ist hochrelevant, weil man ja sein Leben nicht beim Gang ins Büro irgendwie ablegt. Von daher, das ist immer eine Gesamtgeschichte. Und sind wir da auch gemeinsam eben am gleichen Ziel orientiert. Und das ist total spannend. Und je mehr Führungsverantwortung ich einfach bekommen habe, umso demütiger wurde ich auch, wie viel Reichweite wir als Führungskräfte haben auf ganz, ganz viele Menschen. Und welche Strahlkraft wir auch als Vorbild haben. Und das war für mich, das sind für mich jedes Mal prägende Stationen.
SPEAKER_00Ja, das glaube ich. Und wie würdest du da deinen eigenen Reifeprozess als Führungskraft in der Retrospektive bewerten?
SPEAKER_01Ja, das ist eine gute Frage. Ja, da gibt es unterschiedliche Dimensionen, würde ich sagen. Also bei meiner allerersten Führungsaufgabe, da habe ich mich aus dem Team, wurde ich zur Führungskraft. Das ist ja tatsächlich häufiger der Fall. Und da habe ich mich erst ein bisschen schwer getan, mich dann eben auch tatsächlich abzukoppeln, ja, weil man ist Teil des Teams, man hat Erlebnisse zusammen gehabt. Und auf einmal darf man die Verantwortung für die Zielerreichung für das gesamte Team übernehmen und muss eben auch Entscheidungen treffen, die der Harmonie vielleicht nicht zuträglich sind. Das muss man lernen. Das ist okay, war aber erstmal sehr spannend, ja. Und dann reifst du schon, weil du natürlich verschiedene Situationen einfach erlebst, die dich prägen, ja. Also zum Beispiel, als ich dann den nächsten Schritt gemacht habe, auch eben in die Abteilungsleitung und du führst dann Gespräche mit Menschen, mit denen du eben vereinbarst, dass sie zukünftig selbst keine Führungsfunktion mehr einnehmen. Weil ich das nicht sehe und wir da in einem sehr offenen Dialog das eben besprochen haben. Und inhaltlich waren die Menschen sogar bei mir, aber emotional ist das einfach eine Herausforderung. Und ich glaube, das bleibt auch noch, solange wir auch kulturell so geprägt sind, dass sowas als Schwäche oder als Misserfolg gewertet wird. Ich hatte einmal einen Mitarbeiter, da haben wir sehr offen gesprochen und der hat gesagt, ich fahre, ich will das nicht mehr. Die Führungsverantwortung, ich würde gerne wieder, ich war so glücklich in meiner Fachlaufbahn und das fand ich so mutig und habe das natürlich auch begleitet, dass das aber einfach die absolute Ausnahme. Und durch solche immer neue Situationen reifst du halt und ja, kannst immer auf einen viel größeren Erfahrungsschatz zurückgreifen.
SPEAKER_00Was muss sich kulturell verändern, damit wir genau dieses deterministische, ich bin gut in meiner Fachlaufbahn, ja gut, dann muss ich eigentlich auch zwangsläufig Führungskraft werden, weil ich bin ja gut in dem, was ich tue. Es gibt ja auch das Peter- oder Thomas-Prinzip, das da in diesem Zusammenhang greift. Was müssen wir denn deiner Meinung nach kulturell verändern, damit wir diese Muster durchbrechen können und damit wir dann in der Konsequenz auch dafür sorgen können, dass die Stärken der Leute da eingesetzt werden, wo sie auch für den gesamter Volk am zuträglichsten sind?
SPEAKER_01Also, das ist ein Thema, das mich sehr bewegt. Warum? Weil ich schon unterschiedliche Erfahrungen da gemacht habe. Also ich habe mich einmal zum Beispiel bei einer leitenden Position bewusst für jemanden entschieden, der fachlich Quereinsteiger war, aber aus meiner Sicht unfassbare Leader Skills. Und für die Person wurde es, und das war mir, ich habe es unterschätzt, wurde es von der Peergroup abgestraft, dass da eben jemand kommt, der sich arg um Menschen kümmert und denen eben die fördert und fordert, aber eben in der Fachlichkeit noch Nachholbedarf hat. Das war sehr spannend zu sehen. Und wenn du jetzt sagst, was können wir tun? Ich glaube, wir brauchen Vorbilder. Wir brauchen Menschen, die den Weg gehen. Es tut gut, wenn die dann eben auch erfolgreich sind, ja. Dass man eben sagen kann, okay, dieser Weg ist auch möglich und wir müssen uns erlauben, da viel drüber zu reden. Das eben zuzulassen und drüber zu sprechen und Menschen eben da auch zu fördern. Und das halte ich übrigens auch für eine der Kernaufgaben für uns als Führungskräfte.
SPEAKER_00Sehr gut. Das wäre nämlich jetzt genau meine Anschlussfrage gewesen, bei dem Kollegen, den du damals, in dem du diese massiven Führer-Leadership-Qualitäten gesehen hast. Was genau macht denn für dich eine gute Führungskraft aus?
SPEAKER_01Also ich denke in erster Linie jetzt an den Menschen. Ich habe es anfangs schon mal gesagt, wir haben als Führungskräfte viel Verantwortung für Menschen. Die dürfen einen Rahmen geben, in dem gearbeitet werden kann und haben natürlich gleichzeitig auch eine unternehmerische Verantwortung. Wir sind mitverantwortlich dafür, dass jetzt bei meinem Fall die R ⁇ V ihre Ziele erreicht, dass wir uns zukunftsfähig aufstellen und was aber auch wieder mit der Sicherung von Arbeitsplätzen und einem guten, einer guten Marktpositionierung zu tun hat. So, und dafür brauchen wir Menschen, die, ich sage es jetzt mal ein bisschen flapsig, Bock haben auf Zukunft, Bock haben, die extra Meile zu gehen und sich im Team idealerweise gegenseitig befruchten. Und da haben wir als Führungskräfte einen großen Anteil. Und wenn ich jetzt mal so zurückblicke, was ist auch das, was bleibt, Max? Ja, klar, Vertriebsziele sind wichtig, Ergebnisse sind wichtig. Aber wenn du dir anschaust, was habe ich wirklich erreicht, dann sind es doch Menschen, die du entwickelt hast, denen du Gestaltungsmöglichkeiten gegeben hast und denen du was zugetraut hast. Und ich muss da jetzt so an zwei, drei Beispiele denken. Einmal brauchte ich eine kommissarische Abteilungsleitung für eine für unsere Verhältnisse sehr große Abteilung, also so 120 Kolleginnen und Kollegen. Und habe einfach jemanden aus dem Team gefragt, die Person war Teilzeit auch angestellt, würdest du das machen für einen gewissen Zeitraum? Und dann war erstmal Zurückhaltung. Und du merkst ja, ich rede die ganze Zeit so genderneutral, aber vielleicht löse ich das jetzt auch mal auf. Das war eine Kollegin und die hatte dann den Mut und auch das Vertrauen wahrscheinlich in mich, das zu machen. Und das hatte so eine Strahlkraft auf die Organisation. Zum einen Irritation, wie kann man das in Teilzeit machen? Zum anderen auch, wie kann man sowas kommissarisch machen, wenn man es danach gar nicht übernehmen will. Das fand ich auch spannend. Also nach dem Motto, extra Meile nur gehen, wenn danach auch was für dich rausspringt. Und das fand ich total bemerkenswert. Und das hat mir wieder gezeigt. Also es hat die Person unfassbar weiterentwickelt und eben auch der Organisation Mut gemacht, in solche Schritte einfach mal zu gehen.
SPEAKER_00Weil du sprichst da ja auch durch die Blume so ein wirklich total wichtiges Thema an. Nämlich, dass wir natürlich in der Branche auch eine extreme Ungleichverteilung der Geschlechter haben. Das ist was, was irgendwo logisch herleitbar ist aus der Historie der Versicherung. Auf der anderen Seite ist ja auch ein Thema, wenn wir jetzt zum Beispiel mal an solche Initiativen wie den Jungmakler Award denken, wo genau diese Geschäftsmodelle jetzt irgendwo schon seit Jahren immer wieder auch mit ausgezeichnet werden. Trotzdem, und da ich jetzt nicht über euer Haus, sondern bin im Markt ja doch ganz gut vernetzt und bekomme viele Sachen mit und bekomme schon auch mit, dass das Thema jetzt noch nicht gelöst ist, sondern dass es schon auch immer noch bei vielen Personalentscheidungen, auch genau in Führungsentscheidungen, durchaus eines der Themen ist, die mit diskutiert werden. Wie blickst du denn auf die Gesamtsituation, was das angeht und was müssen wir tun, damit wir da tatsächlich eine stärkenorientiertere Förderung ermöglichen und dass wir eine höhere Durchlässigkeit für Menschen mit gutem Drive, mit guten Ideen, mit gutem Herz und mit Tatendrang schaffen können, um dann eben auch genau solche Überraschungen zu produzieren, wie du es jetzt getan hast, nämlich dass man dann zum Beispiel jemanden, der mit Sicherheit selber überhaupt nicht damit gerechnet hat, dass diese Verantwortung da einem zuteil wird, dass man diese Leute, die dann aber eben dafür geeignet sind, aufgrund ihrer Persönlichkeit, dass man die dann trotzdem schafft, noch strukturierter und systematischer zu fördern. Weil was natürlich super schön ist, dass jetzt bei dir und euch so im Individualfall quasi klappt, aber das ist ja total von dir wiederum als direkte Führungskraft abhängig. Deswegen vielleicht schaffen wir es da so einen einen oder anderen Impuls für die Branche rauszuarbeiten, wie wir dieses Thema besser, strukturierter angehen können und nicht nur darüber sprechen, sondern dann auch dafür sorgen, dass die Ergebnisse entsprechend aussehen.
SPEAKER_01Wow, Max, die Frage ist riesig und da könnten wir wahrscheinlich mehrere Podcasts draus machen. Aber ich teile gern mal meine Gedanken dazu. Also zum einen, glaube ich, ist das Thema größer, wenn wir über das Thema Diversity, Equity und Inclusion reden. Wir stellen ja ganz oft auf das Gender-Thema ab, aber Diversität ist ja allumfassender. Nichtsdestotrotz können wir jetzt mal bei dem Thema Frauen im Vertrieb oder Frauen in Führung in der Versicherungsbranche bleiben, weil das eben handhabbar ist und es ist ein bisschen. Eigentlich schon viele Entwicklungen gibt. Ich kann dazu nur sagen, wir nutzen einfach 50 Prozent der Bevölkerung und damit das Potenzial nicht so, wie wir könnten. Und ich darf im AGV-Branchenbeirat Women in Leadership and Culture Mitglied sein und da diskutieren wir das Thema eben auch zwischen unterschiedlichen Versicherern und wir haben das Thema schon alle, ja, weil du eben ja gesagt hast, du stellst nicht auf RV ab, das passt. Wir arbeiten da sogar gemeinschaftlich an der Frage, wie kann man das auch strukturell anpassen. Und da gibt es unterschiedliche Gedanken. Also zum einen stellt sich die Frage: bieten wir gute Rahmenbedingungen für Männer und Frauen. Klar, wir denken dann an Care-Arbeit, wir denken auch an Erziehung. Und ich glaube, wir sind schon einen Riesenschritt weiter als vor ein paar Jahren. Also, ich habe so viele Kollegen männlich, die gerne Elternzehmen, denen wir das auch ermöglichen und die es einfach genießen, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, die so halt nie wiederkehren wird. Und die leisten einen großen Beitrag aus meiner Sicht, weil die sind Vorbild. Weil trotzdem gibt es immer noch die Bewertung, ja gut, wie kann man sich das eigentlich erlauben? Ist das nicht ein Frauenthema? Wie kann man so lange wegbleiben? Ist das schädlich für die Karriere, etc. Also tatsächlich, und das finde ich einen Wahnsinn, muss man sich für solche Entscheidungen immer teilweise noch rechtfertigen. Und je mehr Menschen das machen, umso normaler wird es einfach. Und dasselbe gilt halt für Frauen in Führung, Führung in Teilzeit, Mütter, die bei Dienstreisen oder auf Kongressen ihr Kind einfach auch dabei haben. Ich glaube, wir müssen da, also wir haben eine gemeinschaftliche Aufgabe und müssen da viel über Vorbild agieren. Jetzt hatte ich wirklich so meine Schwierigkeiten mit dem Thema Quote, bin ich ganz ehrlich, weil das echt das Thema polarisiert. Und gerade ich als Frau, ich war immer ganz stolz darauf, dass ich über Ehrgeizdisziplin, einen hohen Arbeitseinsatz dahin gekommen bin, wo ich heute bin. Und rückblickend muss ich trotzdem sagen, du brauchst immer jemanden. Das gilt wahrscheinlich für beide Geschlechter oder für alle Geschlechter, der dir zutraut und der sich ganz am Ende, weil das ist ja Eignungsdiagnostik, für dich entscheidet und dir die Möglichkeit gibt. Und wenn wir natürlich, man nennt es ja ethnozentrischer Bias, wenn man einfach Personalentscheidungen unbewusst einfach noch so trifft, dass man sagt, ich selber bin gut, also nehme ich jemanden, der mir ähnlich ist, weil dann wird es auch gut, dann wird sich aufgrund der heute noch nicht paritätischen Verteilung von Führungen erstmal nichts ändern. Und wir müssen uns damit auseinandersetzen. Und wir müssen auch, weil das kommt bei mir jetzt auch an, ich war ja jahrelang auch für Personalthemen zuständig. Wir müssen auch junge, männliche Kollegen weiterhin motiviert halten. Es darf auch nicht der Eindruck entstehen, wir fördern jetzt nur noch Frauen, weil wir müssen jetzt endlich die 50 Prozent erreichen, sondern es muss um Qualifikation gehen, aber ehrliche. Und da haben wir einfach noch einen langen Weg vor uns.
SPEAKER_00Und da wird es mit Sicherheit auch weiterhin die Best-Practice-Beispiele brauchen, die dann auch genauso eine Transparenz reinbringen in ihr Denken und Handel, wie du es jetzt hier tust, weil ich glaube, natürlich könnten wir viele strukturelle Maßnahmen irgendwo ergreifen. Auf der anderen Seite, ich bin auch kein Freund davon, dass ein Regulator einem Unternehmen vorschreibt, wie jetzt eine Geschlechterverteilung zu sein hat, halte ich für komplett ununternehmerisch und wirklich auch absolut nicht zielführend. Nichtsdestotrotz glaube ich schon auch daran, dass wir genau das, was du auch angesprochen hast, nämlich man sucht sich Leute, die einem ähnlich sind. Man baut die auf, weil am Ende auch Vorstände sind Menschen und auch die möchten eine gewisse Sympathie wenigstens den Leuten gegenüber haben, mit denen sie da ganz, ganz viel Zeit verbringen, ihre Referenten, Assistenten, wie auch immer. Vielleicht ist es ja schon mal da, ein erster Start zu sagen, die Fragestellung für sich selber immer mitzunehmen, wie schaffe ich es denn, auch mal jemanden reinzunehmen, der vielleicht ein total entgegengerichtetes Skillset hat zu dem, was ich selber habe. Vielleicht werden dann natürlich auch ein, zwei Stellen mehr da geschaffen, mit dem der Gewissheit, dass auch da nach oben triagiert wird. Das heißt, trotzdem wird es nur eine Person geben, die das Ganze dann wirklich beerben kann oder die selber mal in diese Rolle schlüpfen kann. Auf der anderen Seite glaube ich, wenn man solche Teams auch schafft, in so einer engen, vertrauensvollen Zusammenarbeit auf einer Referentenebene beispielsweise, dann sorgt man natürlich auch automatisch dafür, dass auch diejenigen, die einem vielleicht etwas ähnlicher sind als die anderen, natürlich ganz neuen Input bekommen. Und das noch zu einer Lebensphase oder in einer Lebenszeit, in der auch noch nicht alles irgendwo in Stein gemeißelt ist, sondern wo man sagt, okay, da sammelt man jetzt auch sehr prägende Erfahrungen. Bin ganz gespannt, was wir da in der Zukunft in der Branche noch so sehen werden.
SPEAKER_01Absolut. Ich glaube halt, ein wichtiger Faktor, Max, ist auch das Thema Sichtbarkeit und Durchlässigkeit von Karrierewegen. Also gerade wir bei der RV, wir haben ja Top-Programme, ja, wir haben Mentoring-Programme, Reverse-Mentoring, Patenschaften, Hospitationen, Entwicklungsprogramme, Potenzialträgerprogramme, aber ganz am Ende geht es ja auch darum, was ist, also wie kommen wir zu einem Match? Wie erfahren suchende Führungskräfte, welche Talente wir eigentlich haben, und zwar raus aus den Silos, unternehmensweit, vielleicht sogar, wenn man bei uns auf den genossenschaftlichen Finanzverbund schaut, vielleicht sogar Finanzverbund weit, dass wir Menschen entwickeln können und stärkenbasiert einsetzen können. Und dass wir uns ehrlicherweise auch von dem Bild verabschieden, dass jemand 20 Jahre dieselbe Funktion macht, sondern dass diese Durchlässigkeit dem Gesamtunternehmen oder auch Verbund total zuträglich ist. Das ist ein Gewinn, ja. Und es gibt Studien, das wissen wir mittlerweile auch alle, dass diverse Teams einfach erfolgreicher sind. Und das müssen wir noch viel mehr spielen. Am Ende geht es tatsächlich um einen Wettbewerbsfaktor. Das ist keine Esoterik.
SPEAKER_00Das ist so und auch allein aus einer Wissensmanagement-Perspektive. Also du hast es vorher so richtig gesagt, Diversität heißt nicht Mann, Frau, alles, was dazwischen und außerhalb irgendwie noch stattfindet, sondern ist natürlich auch eine Altersfrage beispielsweise. Das heißt, auch da ganz viel von diesen kulturellen Themen, wo vielleicht der ein oder andere ältere Kollege gerade auf die jüngeren Kollegen schaut und manchmal die Nase rümpft, das sind alles eigentlich Sachen, die viel mehr in einem positiven Zusammenspiel miteinander dann auch einen Mehrwert erzeugen könnten. Weil ich glaube, da steckt so viel Wissen und so viel Erfahrungswert zum einen dahinter. Auf der anderen Seite muss man fairerweise auch sagen, die Dynamik hat sich massiv verändert, vor allem natürlich in den letzten fünf Jahren. Wir sind im Dauerkrisenmodus, wir haben eine KI-Revolution, die immer weiter fortschreitet, den Arbeitsmarkt verändert, die mit Sicherheit noch nicht so weit ist, wie sie in zwei, drei, fünf Jahren sein wird. Das ist auch ganz klar. Aber wir sehen auf alle Fälle, das ist eine grundsätzliche Verschiebung der Spielregeln. Wie blickst denn du auf dieses Thema, ältere, jüngere Kollegen, wie kriegt man das gut miteinander verheiratet und sorgt dafür, dass dann auch ein positiver Effekt draus entsteht und eben nicht das Naserümpfen zum Alltag wird?
SPEAKER_01Ja, also Altersdiversität aus meiner Sicht auch ein Erfolgsfaktor guter Teams und erfolgreicher Teams. Warum? Wir haben ja klar, demografisch bedingt viele sehr erfahrene Kolleginnen und Kollegen, die uns ja bedauerlicherweise in naher Zukunft auch verlassen werden. Also eine Riesenherausforderung, dieses Wissen irgendwie zu halten und auch jetzt ganz platt gesagt die Arbeitskraft. Deswegen brauchen wir ja auch KI, aber da werden wir auch noch drauf kommen, denke ich. Und was den jungen Kolleginnen und Kollegen eben einfach hilft, ist jemand, der das Wissen weitergeben will und auch seinen Erfahrungsschatz. Also ich habe so viele ältere Kollegen, erfahrene Kollegen, die sagen, du Eva es an der Zeit, jetzt was zurückzugeben. Und ich nehme gerne unerfahrenere oder jüngere Kolleginnen und Kollegen an die Hand und zeige denen alles, was ich gelernt habe. Und ehrlicherweise lerne ich dann noch was in Sachen Technologie und oder Blick auf bestimmte Dinge. Dann haben die meistens noch oder oft noch Kinder in dem Alter, dann fühlt man noch so eine Art Verbundenheit und Verpflichtung den Kollegen gegenüber, dass die gut im Job ankommen. Und wenn das Zusammenspiel passt, dann ist das extrem befruchtend und fürs Unternehmen dann sowieso ja eine tolle Entwicklung. Und für junge Kolleginnen und Kollegen, die können natürlich, und das sehe ich auch oft bei all, du hast es eben angesprochen, bei all der Unsicherheit und auch diesem digitalen Overload von Input, Impulsen und Inhalten, den man ja auch irgendwie bewältigen muss, hilft es, wenn du Kollegen hast, die ja so eine gewisse Altersresilienz schon haben und einen einfach auch mal runterholen und sagen, wir hatten schon viel Veränderung, vielleicht noch nie so viel und so schnell auf einmal. Aber ich gebe dir ein bisschen was von meiner Ruhe und Gelassenheit und meiner Erfahrung ab. Also aus meiner Sicht totale Chance, wenn sich beide drauf einlassen.
SPEAKER_00Du hast gerade was super Wichtiges, finde ich, gesagt. Vor allem, also ich meine, es müssen sich beide drauf einlassen und vor allem auch diese Ruhe mit dieser permanenten Omnikrise und auch dem dauerhaften damit konfrontiert sein, irgendwo so ein bisschen emotional, gedanklich auch mal entfiehen zu können. Ich glaube, das steckt für junge Menschen, die zumindest in meiner Wahrnehmung einen sehr ausgeprägten Weltschmerz gerade empfinden, wo ganz viele eigentlich so am Rande zu so einer depressiven Episode stehen, vielleicht sogar schon den Schritt leider gegangen oder schon in dieser Episode sind. Und ich glaube, dafür ist es wirklich sehr, sehr, sehr wertvoll, auch das genau mit der Ernsthaftigkeit anzugehen und es eben auch nicht als in einer jugendlichen Leichtigkeit und Arroganz abzutun und zu sagen, ja, ja, die Alten, was wollen die mir denn erzählen? Sondern es ist genauso, wie du sagst, wenn sich beide mit offenen Ohren, mit offenem Hirn und offenem Herzen da begegnen und sich überlegen, was kann ich denn mitnehmen aus dieser Zusammenarbeit, dann wird, glaube ich, genau diese Ruhe, die du jetzt auch beschrieben hast, und vielleicht einen Schritt zurücktreten, die Sachen nicht so persönlich nehmen, sondern Sachen auch besser trennen zu können, die vielleicht im beruflichen Kontext passieren, die aber dann mit mir als Person gar nicht direkt was zu tun haben, sondern vielleicht mit einem Teilbereich meines Berufs. Ich glaube, da steckt vor allem auch für die jungen Kollegen und Kolleginnen ein echt großer Hebel drin und deswegen möchte ich hier auch alle, die uns zuhören, sehr motivieren, das zu nutzen und da auch in ihren eigenen Unternehmen und Organisationen gerne proaktiv das anzugehen, weil ich glaube, diese Proaktivität, und da bin ich auch auf deine Meinung gespannt, die wird ja auch eigentlich immer wertgeschätzt, oder?
SPEAKER_01Absolut. Und alle meine Mitarbeitenden und auch Kolleginnen und Kollegen, die, wenn sie den Podcast hören werden, jetzt schmunzeln, weil es gibt so ein geflügeltes Wort und das meine ich wirklich aus tiefstem Innern ernst. Feedback ist ein Geschenk. Und ich weiß, das ist ziemlich abgedroschen, weil einfach häufig verwendet, aber ich meine das ernst. Also ein anderer Mensch nimmt sich die Zeit, dir mitzuteilen, wie er dich wahrnimmt. So, und da Zeit sowieso ein begrenztes Gut ist, meine ich das ernst mit Geschenk, weil die Person könnte es auch lassen. Also es ist eine Chance für dich zur Weiterentwicklung, wie das bei Geschenken so ist, kannst du damit machen, was du für richtig hältst. Aber es ist die Chance, eine Rückmeldung dazu zu bekommen, wie andere dich wahrnehmen. Ob das zu deinem Selbstbild passt, ist ja dann was, was du zu bewerten hast, ja. Aber es ist ja spannend, weil wenn es da einen Riesengap gibt, dann hast du vielleicht einen blinden Fleck, an dem du wachsen kannst. Und wir haben gerade jetzt am Wochenende, war ich bei einer Veranstaltung und da haben wir auch viele von unseren dualen Studenten und auch Azubis, die da unterstützt haben. Und wir haben da einfach so coole junge Leute, die haben so wirklich Lust zu lernen und sich einzubringen und bringen eine Energie mit. Das macht einfach Freude. Und die haben auch Bock auf Feedback. Von daher offene Kommunikation, wie du es eben gesagt hast. Wir in unserer Entwicklung, Führungskräfteentwicklung, Mitarbeiterentwicklung, aber auch so in unserem kulturellen Paradigma. Bei RV sprechen wir davon Radical Candor. Also offen und vielleicht auch hart in der Sache, aber immer wertschätzend dem Menschen gegenüber. Das darf man üben, weil du hast es eben angedeutet, manche Dinge dann persönlich genommen werden, darum geht es aber gar nicht. Wir kommen halt auf eine echt hohe Geschwindigkeit, wenn wir aufhören, lang um die Themen drumherum zu reden und die Fakten auf den Tisch zu bringen und am Ende aber doch nur sagen, du bist mir wertvoll als Mensch. Nichtsdestotrotz kann ich mit der Vorgehensweise nicht mitgehen und oder mir missfällt XY. Aber ansprechen, weißt du, wir haben jahrelang gelernt, wir reden drumherum, dann in meiner Welt, denke ich, war doch klar, in der Welt des Gegenübers war gar nichts klar oder halt selektiv wahrgenommen. Das ist so fehleranfällig. Deswegen, Radical Candor, Themen auf den Tisch.
SPEAKER_00Sehr schön. Jetzt sind wir schon richtig hier ins Thema reingegangen. Ich wollte eigentlich noch deine Biografie hier unserer Community bis zu dem heutigen Zeitpunkt darbieten. Haben wir denn was vergessen? Filialdirektion Augsburg haben wir kurz angesprochen. War ja auch für dich dann in dieser, ich sag mal, vertrieblichen Verantwortung die erste Rolle, oder?
SPEAKER_01Also im Vertriebsaußendienst, genau. Also ich war Teamleiterin, Abteilungsleiterin im Vertriebsinnendendienst. Dann Kunden und Filialdirektorin in Augsburg im schönen Bayern, also nicht weit von hier, hatte ein ganz tolles Gebiet, durfte mit ungefähr 110 Kolleginnen und Kollegen 46 Genossenschaftsbanken betreuen und habe in den zwei Jahren, in denen ich das gemacht habe, unfassbar viel gelernt. Tolle Kollegen, einen sehr konstruktiven, zugewandten Chef, das war auch toll, der einem den Rücken freigehalten hat. Also, das war sehr besonders und vor allem brauchst du halt immer jemanden auch, der sagt, geh den Schritt. Ja, vielleicht ist das übrigens auch nochmal, ich springe einmal, ich komme auch wieder zurück. Unser Gender-Thema, das erlebe ich auch bei vielen Kolleginnen. Da darf man vielleicht noch einmal mehr sagen, mach das, ich traue dir das zu. Und das ist, da gibt es ja Diskussionen, das ist auch kein fehlendes, fehlender Selbstwert oder Selbstvertrauen, sondern einfach aus meiner Sicht auch fehlende Vorbilder. Kann ich das wirklich machen? Und ich hatte mal einen Kollegen, der hat gesagt, weißt du, Eva, ich will niemanden zum Jagen tragen. Und darum geht es gar nicht, sondern einmal mehr zu sagen, ich traue dir es zu und dann kann das richtig gut werden. Also ich hatte in Augsburg Verkäuferinnen, die waren richtig erfolgreich. Und das macht dann ja echt Spaß. Gut, ich komme zurück zu den Stationen. Genau. Und nach Augsburg tatsächlich ergab sich die Möglichkeit, in Wiesbaden eine große Verantwortung zu übernehmen als Bereichsleiterin. Vertriebs- und Personalorganisation, was heißt es bei uns? Das war praktisch die Verantwortung für die komplette Vergütung unseres Außendienstes. Das sind roundabout 5000 Kolleginnen und Kollegen zuzüglich Vertriebspartnern. Und du kannst dir vorstellen, das ist natürlich ein sehr, also das ist ja eigentlich das Herz des Vertriebs. Gleichzeitig eben auch alle HR-Themen für Vertrieb, also im Prinzip die Wertschöpfungskette, ja. Recruiting, Ausbildung, Verträge, Vertriebsverwaltung, Compliance und auch die betriebsrätlichen Gremien, ja. Das war eine ganz tolle und auch prägende Zeit. Ich habe da mit 350 Kolleginnen und Kollegen bundesweit eben im Team gearbeitet und wir haben da auch einige Erfolge feiern dürfen. Und das Schönste war eigentlich, so auch als Feedback aus der Runde, auch wir hatten natürlich kulturelle Herausforderungen vor uns. Also Corona steckte alle noch in den Knochen. Es gab Kolleginnen und Kollegen, die haben sich einfach noch nie gesehen. Könnte man sagen, ist ja jetzt vielleicht auch normal, wenn man bundesweit arbeitet. Ist aber irgendwie bedauerlich, weil du natürlich sogar innerhalb eines Teams, also innerhalb eines Bereichs, Grenzen in der Zusammenarbeit hast, die aus meiner Sicht abzubauen sind, weil du dich nie persönlich gesehen hast. Da haben wir uns tatsächlich einmal und einmalig in der Historie des Bereichs erlaubt, uns alle einmal zu treffen. Und also schließt sich der Kreis, da hatte ich auch zwei Kollegen von den Ryan River Rhinos da, um auch der Mannschaft die Chance zu geben, das zu erleben. Die haben das wirklich ganz toll gemacht. Und da haben wir nochmal so zurechtgerückt, worum geht es eigentlich im Leben, was ist unser Auftrag auch als Vertriebsinnendienst, der ja nie auf einer Bühne steht, der ja nie gefeiert wird, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Die das zum Teil auch gar nicht wollen. Die sagen, bitte tu mir einen Gefallen, ich verbringe mich nie auf eine Bühne. Ja, aber trotzdem, denen trotzdem ganz viel Wertschätzung gebührt. Ja, und da haben wir uns mal zwei Tage die Zeit genommen und natürlich haben wir die dann auch einfach mal gefeiert. Und das war ein ganz tolles Erlebnis, weil danach hat das was mit der Zusammenarbeit gemacht. Wir hatten Kollegen in Teams, ich sage das mal ein bisschen flapsig, da ging die Kamera nie. Und das hat sich maximal verändert, ja, und das war richtig schön, einfach zu sehen. Und dann macht Zusammenarbeit auch wieder richtig Spaß.
SPEAKER_00Ja, das ist so gut, weil am Ende geht es ja auch wirklich darum, dass man mit seinen eigenen Gedanken, die man sich dann macht über wie denken andere vielleicht über mich, eben nicht alleine gelassen wird, weil die sind in der Regel leider sehr, sehr häufig destruktiv. Deswegen glaube ich auch, solche Begegnungen, die können Wunder bewirken, in Anführungszeichen oder können auch einfach eine Zusammenarbeit in dem Team so grundsätzlich verändern. Und ich glaube, genau der richtige Schritt, dann vor allem nach so einer Zeit wie Corona, die uns ja vielleicht sogar immer noch ein bisschen in den Knochen hängt. Da gibt es bestimmt auch noch die ein oder anderen Sachen aufzuarbeiten. Aber so einen Rückblick will ich jetzt mit dir nämlich gar nicht machen, sondern ich möchte eigentlich den Rückblick machen oder dich fragen, wenn du zurückblickst auf deinen Karriereweg bis heute, gibt es irgendwas, was du anders machen würdest, rückblickend?
SPEAKER_01Also anders machen. Ich glaube, das hat was mit Thema Mindset zu tun. Also mit der Erfahrung von heute würde ich sagen, früher Glaubenssätze zu beerdigen. Also Glaubenssätze, die uns alle mich aber eben auch prägen. Da haben wir in Corona was gelernt, da habe ich aber auch in unterschiedlichen Funktionen was gelernt. Ich mache ein Beispiel: Präsentismus. Also sind diejenigen, die lange im Büro sind, inklusive Führung, die erfolgreichen, die Produktiven, die, die die besten Ergebnisse erzielen. Und du merkst ja schon an meiner Formulierung, ich sehe das nicht so. Gleichzeitig war ich aber zumindest vor Corona Teil des Zahnrats. Also zu deutlich zu machen, ich bin früh da, ich bin lange da, das heißt, alles, was ich tue, ist sehr wichtig. Das darf man beerdigen. Also Empfehlung an alle, die da draußen zuhören. Es ist keine Form von Produktion oder Produktivität, im Gegenteil. Und es spielt sich ja jetzt auch in New Normal, New Work und was wir alles gelernt haben, wieder. Klammer auf, das darf natürlich nicht kippen. Also es gibt ja jetzt auch schon Erhebungen, dass die Produktivität im Homeoffice sinkt. Das ist wiederum ein anderes Thema, ja, also das muss man sich auch anschauen, aber Präsentismus war so ein Glaubenssatz, den ich hatte. Ein anderer, den ich tatsächlich hatte, war wie welchen Wert? Hat die berufliche Herausforderung im Gegensatz zum Privaten und oder Gesundheit. Also Thema Work-Life-Balance. Jetzt ist das ja für viele schon fast ein Schimpfwort. Wie sagen manche Kollegen oder auch Freunde privat, ja, ja, mittlerweile sind wir ja bei Life-Life-Balance. Und das ist ein wunderbares Diskussionsthema für laue Sommernächte, weil man da irgendwie am Ende Konsens im Dissens wahrscheinlich hat. Nichtsdestotrotz, wie blicke ich darauf? Sportliche Betätigung hat einen Riesenwert. Das Thema Gesundheit, Ernährung hat einen Riesenwert und darf auch in den Arbeitsalltag Einzug nehmen. Was meine ich damit? Ist eine Mittagspause eine echte Mittagspause oder mache ich da noch einen Termin? Kann man nicht mal einen Walk-end-Talk machen und sich auch gehend unterhalten? Darf insbesondere eine Führungskraft, weil da wird immer nochmal anders gewertet, darf eine Führungskraft eine Stunde Sport im Kalender stehen haben oder markiert man die privat, dass auf keinen Fall der Eindruck entsteht, das ist laissez-faire. Also das ist ultraspannend, hat auch was mit Kultur zu tun. Und da würde ich sagen, rückblickend früher davon verabschieden und eher auch Vorbild sein, weil ich bin davon überzeugt, gesunde Mitarbeiter bringen uns als Unternehmen sowieso viel mehr.
SPEAKER_00Das kann ich mich nur anschließen. Ich glaube, das ist auch, wir selber sind ja mit Health Mood auch genau in diesem Bereich betriebliche Gesundheit unterwegs und kümmern uns genau da drum bei Unternehmen. Und ich denke mir das häufig, wenn ich auf die Versicherungsbranche blick und auch auf den einen oder anderen großen Maklerpool zum Beispiel, da wird immer dann, werden diese Themen irgendwie ganz viel kommuniziert und das ist so wichtig für unsere Kunden. Und ich denke mir, ja, aber dann lasst uns doch auch da einfach das Best-Practice-Beispiel sein. Also ich meine auch da, das ist ja kommunikativ und auch eine Handreichung in so einem großen kulturellen Branchenveränderungsprozess, die man, die nur wir machen können in der Form. Weil die anderen Unternehmen, die verkaufen keine betrieblichen Krankenversicherungen, werben also auch gar nicht genau mit diesen Themen. Für uns ist dementsprechend da schon echt ein super spannendes Feld offen und ich glaube, der Mehrwert, den man daraus zieht in der Produktivität, und du hast das wichtige Thema Präsentismus da auch schon angesprochen, es geht nicht nur um Fehlzeiten, die dadurch reduziert werden können, sondern vor allem eben auch um Produktivitätssteigerungen, weil wir haben alle nichts davon, wenn wir noch mehr Stunden schreiben, sondern eigentlich müsste es vielmehr um die Ergebnisse gehen, die in dieser Zeit produziert werden und nicht um die Aufgaben, die gemacht werden. Aber finde ich sehr, sehr, sehr spannend, Eva. Und bevor wir jetzt zur heutigen Station kommen, würde mich noch total interessieren. Wenn du jetzt an die zwölfjährige Eva zurückdenkst, mit all dem, worüber wir jetzt schon gesprochen haben, gibt es was, was du der mit auf den Weg geben würdest, gerne?
SPEAKER_01Ich muss eben schmunzeln. Also sagen wir mal vor Puppertär, da hört man noch zu. Das ist ein gutes Alter. Ja, Spaß beiseite. Das ist eine sehr gute Frage. Also ich komme aus einem Elternhaus, da bin ich auch echt dankbar und stolz. Die haben mir immer die Überzeugung mitgegeben, du kannst grundsätzlich alles werden. Und weil ich habe erst, ich habe jetzt erst so gedacht, würde ich der zwölfjährigen Eva sagen, sei noch mutiger, sei noch neugieriger. Ich glaube nicht. Ich war mit 16 ein Jahr im Schüleraustausch in Sao Paulo, habe selbst gar nicht gemerkt, wie mutig das war, bis ich im Nachgang so das Feedback bekommen habe. Und heute denke ich, oje, oje, gut, dass es da nicht mehr passiert ist. Also da würde ich sagen, da war ich schon ganz gut unterwegs. Ich glaube, was ich ihr heute tatsächlich sagen würde, ist, genieße alle Stationen, die da kommen. Es wird sich alles fügen. Mach dir nicht so viel Gedanken.
SPEAKER_00Sehr gut, Gelassenheit. Ja, ich glaube, die können wir uns alle mitnehmen auf jeden Fall. Die Sachen nicht immer so todernst und unausweichlich zu sehen, sondern da auch ein bisschen Urvertrauen wieder zu finden und zu sagen, das wird schon. So ist das. So, Eva, dann sind wir im Hier und Heute angekommen. Und du hast es eingangs schon erwähnt, Kunden und Vertriebsdirektoren der genossenschaftlichen Partnervertriebe und der vor allem auch Generalagenten. Erzähl doch mal unsere Community, du hast es auch schon gesagt, den typischen Tag, den gibt es nicht, aber was macht denn deinen Aufgabenbereich jetzt genau aus?
SPEAKER_01Ja, also ich bin seit 1.4. tatsächlich in der neuen Funktion und das ist so spannend, Max, und ich weiß jetzt gar nicht genau, wo ich anfangen soll, weil es einfach so unfassbar vielseitig ist. Gut, wie bin ich gestartet? Ich habe mir tatsächlich die Freiheit genommen, 100 Tage zuzuhören. Und ich glaube, die größte Challenge war ich selbst, ja. Weil ich dachte, oh nein, ich habe doch schon Wahrnehmungen und irgendwie ein paar Entscheidungen, die sind für mich schon klar. Aber ich habe mir das fest vorgenommen, auch gelernt von anderen Führungskräften. Und es hat auch was mit Respekt vor der Arbeit der Kolleginnen und Kollegen zu tun. Weil bevor du vorschnell Entscheidungen triffst und dein Gehirn, darauf sind wir ja programmiert, schnell glaubt, verstanden zu haben, worum es geht, habe ich echt, ich war viel unterwegs, habe Vertriebspartner kennengelernt, meinen Führungskreis natürlich, Mitarbeitende und auch Kunden, um mir ein Bild zu machen, welche Relevanz haben eigentlich die drei Vertriebswege, die ich jetzt verantworten darf, neben unserem ja sehr für uns extrem wichtigen Bankenvertrieb, den ich ja in Augsburg kennenlernen durfte, und eben auch dem Maklervertrieb, den meine Kollegen verantworten. Und die 100 Tage waren für mich, die sind jetzt übrigens seit letzter Woche rum. Herzlichen Glückwunsch. Vielen Dank, ja. Dann wird jetzt endlich wieder gequatscht. Ja, jetzt darf ich wieder antworten, deswegen sitze ich hier genau. Ja, na, jetzt gehen wir einfach ein paar Themen ganz konkret an. Und ja, wie sah die Zeit aus? Sehr spannend, sehr heterogen, aber eins hat alle verbunden. Eine unfassbare Lust und Motivation, unsere Kundinnen und Kunden bestmöglich zu beraten. Ja, und es ist jetzt kein Management-Talk, sondern das habe ich wirklich gespürt. Weil ich nehme mal die Generalagenten, die sitzen in der Region, die sind tief verwurzelt, die sind zum Teil in enger Zusammenarbeit mit unseren Genossenschaftsbanken vor Ort und sind da eben Ansprechpartner und einfach Gesicht für die Kundinnen und Kunden. Und wir kommen ja aus einer Welt, wo so der Schaden und Leistungsfall so der Moment of Truth war. Ja, und ich glaube, wir haben ja mittlerweile eine andere Entwicklung, weil wir, du hast es eben im Gesundheitsthema angesprochen. Wir sind jetzt auch zunehmend einfach Präventionsberater, Ökosystem, Anbieter, Serviceplattform. Also da verändert sich ganz, ganz viel. Und gleichzeitig gibt es immer noch ganz viele Menschen, die die persönliche Nähe wollen. Und wir sagen immer so schön, ganz viele sind nicht bei R ⁇ V versichert, sondern beim Hans Müller. Das ist so und das ist ja ein ganz, ganz tolles Feedback. Bei den anderen beiden Vertriebswegen, die ich verantworten darf, also die Straßenverkehrsgenossenschaften und die genossenschaftlichen Verbundgruppen, da arbeiten wir ja mit genossenschaftlichen Partnern auch zusammen, die sich eben verantwortlich zeigen, zeichnen für große Kundengruppen.
SPEAKER_00Das heißt wahrscheinlich auch viel Landwirtschaft zum Beispiel oder wo kann man sich die vorstellen?
SPEAKER_01Ja, also Handel, Gewerbe, das ist jetzt vor allem eben auch Lebensmittelbranche, das ist die GVG. Bei den Straßenverkehrsgenossenschaften, das kennst du, Max. Das steht auf den LKWs hinten drauf. Das kenne ich. Hoffentlich. Krawak versichert, genau. Und da ist halt Krawak unsere extrem starke Marke und da sind wir einfach starker Partner im Bereich Transport und Logistik. Und das sind wieder ganz andere Herausforderungen. Also ich durfte am Wochenende beim Track Grand Prix am Nürburgring dabei sein. Da sind wir Aussteller und laden eben Unternehmer und Spediteure ein. Und ja, auch die haben ihre Herausforderungen mit E-Mobilität, wie gehen wir damit um, mit einem Fahrermangel, der sich natürlich direkt auf die Lieferfähigkeit auswirkt und damit eben auch direkt auf Kunden und dann mittelbar auch auf Preise. Also extrem spannend. Und dann habe ich so gedacht, naja, wie geht es nach den 100 Tagen weiter? Also ich glaube, das Lernen hört nicht auf. Ist auch gut so. Das ist ja das, was mich auch irgendwie trägt und bewegt. Aber wir haben eine Riesenverantwortung und der wollen wir jetzt eben als Team auch gerecht werden.
SPEAKER_00Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennst du denn zwischen den verschiedenen genossenschaftlichen Partnervertriebswegen, die du jetzt betreust und da natürlich, weil du ja auch aus dem Bankenvertrieb den Einblick hast, gerne auch noch den genossenschaftlichen Vertriebsweg mit dazunehmen in die Gesamtbewertung.
SPEAKER_01Ja, gern. Also ich glaube, die Gemeinsamkeiten sind größer als die Unterschiede. Und zwar ist die Gemeinsamkeit einfach unsere genossenschaftliche DNA. Also das, was Wilhelm Reiffeisen geprägt hat. Was eine allein nicht schafft, das schaffen viele. Und das verbindet uns unabhängig vom Vertriebsweg. Was uns genauso verbindet, ist, dass der Kunde entscheidet, welcher Kanal, welches Produkt, welche Dienstleistung, welcher Berater, welcher Zugangsweg. Das sind also unsere Gemeinsamkeiten und klar Unterschiedlichkeit ist. Gerade auch in Sachen Führung ist es ein Unterschied, ob du einen Angestelltenvertrieb hast oder ob du mit Selbstständigen zusammenarbeitest, ob du B2B oder B2C arbeitest. Das sind einfach unterschiedliche Herausforderungen. Aber auch da ist wieder die Gemeinsamkeit. Wir hatten vorhin das Thema Radical Candor. Offene und ehrliche, transparente Kommunikation. Das merke ich jetzt auch in den vielen Gesprächen mit meinen heutigen Vertriebspartnern, die sagen, Eva, wir halten das aus, Themen auf den Tisch und Lösungen finden, um eben auf keinen Fall Geschwindigkeit zu verlieren. Und das macht's aus.
SPEAKER_00Was für eine Rolle spielt das Kundenverhalten? Wie hat sich das in dem Zugehört? Klar, auch wieder unterschiedlich B2B, B2C, dann natürlich nach den verschiedenen Zielgruppen auch nochmal mit Sicherheit Unterscheidungen, aber in deiner Wahrnehmung, wie verändert sich das gerade?
SPEAKER_01Also grundsätzlich, und das ist jetzt, das klingt jetzt total trivial, weil wir das ja auch durch Google etc. schon erlebt haben, dass Kunden einfach viel besser informiert sind. Was aus meiner Sicht ein Vorteil ist. Ja, weil du natürlich an einem späteren Punkt oder direkt da eben die Themen besprechen kannst. Was spannend ist, ist natürlich die Wahl des Kanals und die Anforderung, dass jederzeit und der Kunde entscheidet, über welchen Kanal es eine Beratung gibt. Und da müssen wir als Versicherer das eben auch leisten können. Und da spielt aus meiner Sicht Omnikanalfähigkeit eine Riesenrolle. Also wirklich so ein friktionsfreier Wechsel zwischen Kanälen, sei es WhatsApp, sei es Homepage, weiß ich gar nicht, wie sehr frequentiert. Oder auch persönliche Beratungen bei Themen, wo ich sage, nee, jetzt hätte ich gern doch nochmal einen Menschen vor mir. Und was wir auch in Teilen schon erleben, aber noch stärker erleben werden, ist natürlich die Relevanz von KI-Agenten. Ja, also welche Verantwortung übertrage ich als Kunden, dem KI-Agenten, den ich idealerweise bestmöglich gepromptet habe, dem ich vielleicht sogar finale Entscheidungen übertrage zum Abschluss von Versicherungen. Und wie schaffen wir es eben sozusagen in den Auswahlprozess von ChatGPT und auch des KI-Agenten, dass wir da überhaupt noch auftauchen. Das ist vielleicht so direkt schon, ich greife vielleicht vorweg, die Challenge für uns dann eben als Versicherer oder auch für unsere Vertriebspartner. Aber das ist aus meiner Sicht eine Riesenveränderung bei Kundinnen und Kunden. In Abhängigkeit eben von der Alterskohorte. Also ich war gestern wieder bei einer großen Generalagentur von uns, die schon lange mit uns zusammenarbeiten. Und die sagen, weißt du, Eva, früher hatten wir 50 Laufkunden ohne Termin pro Tag. Das ist weniger geworden, aber es sind immer noch 20. Also weißt du, so dieser Shift von komplett hin zu komplett digital und den sehen wir noch nicht, aber da sich die Kohorten auch verändern, müssen wir da auf jeden Fall vorbereitet sein.
SPEAKER_00Ja, ja, da bin ich auch gespannt, was der Faktor Verfügbarkeit da in der Zukunft machen wird. Also wirklich, wie planvoll gehe ich dieses Thema noch an? Auf der anderen Seite ist es ja auch eine wahnsinnig große Chance. Und ich meine, ich kenne es ja zum Beispiel von der Agentur Clank sehr gut. Da wird ja diese Technologie auch schon vielfältig eingesetzt, um mit den Kunden einfach besser zusammenarbeiten zu können, um mit dem eigenen Team aber auch prozessual einfach besser zusammenarbeiten zu können, die Aufgaben effizient zu verteilen und dann auch möglichst effektiv und schnell zu lösen. Deswegen, wenn du jetzt mal auf das ganze Thema Marktveränderung, technologische Veränderung, die Branche als Ganzes, eigentlich alles der Overkill, über den wir schon gesprochen haben, blickst. Was heißt denn das für die Arbeit der Generalagenten heute und morgen? Wie stelle ich mich jetzt als Generalagent aus deiner Sicht auf die Zukunft vernünftig ein?
SPEAKER_01Also, was wir jetzt schon beobachten und das ist eine Entwicklung, die wir auch unterstützen, ist, es wird eine Entwicklung hin zu größeren Agenturen geben. Wir brauchen Agenturen, die mit Personal Bestände bearbeiten und die Kundeninteraktion eben so bedienen, wie der Kunde das will. Unterlegt oder die Basis ist die Omnikanalfähigkeit. Digitale Tools, die eben auf Basis von Kundendaten, Klammer auf, die qualitativ hochwertig hinterlegt sein müssen. Eine der Hauptchallenges, glaube ich, aller Versicherer, Klammer zu, um eben durch solche Tools und auf Basis der Kundendaten personalisierte Empfehlungen auszusprechen. Und gleichzeitig erwartet der Kunde, wenn er dann in den persönlichen Kontakt kommt, dann ja für die qualifizierte, hochwertige Beratung. Und da brauchen wir eben top ausgebildete Kolleginnen und Kollegen, die wir in der Region heute schon haben, die wir eben aber zum Teil wahrscheinlich weiter spezialisieren dürfen und die da eben das perfekte Gesicht sind für den Kunden, wenn er sich für eine persönliche Nähe eben entscheidet, ja. Also das ist, glaube ich, so die Hauptherausforderung. Gleichzeitig aber das Hygienefaktor, Präsenz in Social Media Kanälen, da eben, wo auch die jungen Zielgruppen sind und da eben auch Dinge anbieten, die einfach möglichst einfach, vielleicht sogar möglichst ohne direkte Kommunikation jederzeit verfügbar sind.
SPEAKER_00Ja, ich glaube, da über Service mal nochmal anders nachzudenken, kann sehr interessant sein, weil wir verstehen das ja schon sehr in Deutschland per se, aber auch in der Branche nochmal im Speziellen. Es gibt ein Problem, dann meldet sich jemand. Aber ich glaube, so wie es Amazon uns eigentlich vorgemacht hat, was Service bedeutet, also was kann ich denn an den Kunden auslagern, ist ja aus einer reinen betriebswirtschaftlichen Optimierungslogik raus entstanden, aber diesen Service verfügbar zu machen, den Leuten die Möglichkeit zu geben und so Antamiris zum Beispiel auch im einen oder anderen Projekt, sich selber zu qualifizieren. Also sich seine Bedarfe selber zu erklären, die auch zu quantifizieren, da auf einmal dann eben nicht mehr darauf zu warten, bis mich mal jemand anruft von meiner Agentur und mir erzählt, was ich jetzt brauche, sondern proaktiv mich zu melden, weil ich verstanden habe, dass ich einen Bedarf habe, der mir vielleicht vorher noch gar nicht bewusst war, den ich aber aufgrund der Priorität, denen das Risiko zum Beispiel für mich hat, unbedingt gerne schließen würde. Und ich glaube, da können wir, wenn wir über Service anders nachdenken und diskutieren, echt noch viel uns wieder oder uns gedanklich öffnen, weil der Kunde und da natürlich auch Unterschiede in den Kohorten und da auch in den Alterskohorten sind natürlich auch nochmal ganz, ganz viele Segmente, die man nochmal unterscheiden muss. Aber was man schon natürlich, und du hast vorher den Normalisierungseffekt bei den kulturellen Themen angesprochen, das ist ja auch ein konsumkulturelles Thema, sag ich mal, beim Kunden, dass er einfach, egal wo er ist, gewöhnt ist, total viel auch selber zu machen. Und am Ende, du hast es vorher auch schon richtig gesagt, der kommt ja mit ChatGPT, mit dem er vorher kommuniziert hat. Früher war es Check 24, da habe ich Leute Generaldirektion ein paar lustige Gespräche mit Betriebspartnern auch geführt, die auch gesagt haben, ach, kommen immer alle mit diesem Check24, ja, dann benutzt halt auch. Also dann ist doch eigentlich ein einfacher Schritt zur Vorbereitung. Und ich glaube aber, da steckt für uns auch als Branche nochmal ein riesiger Produktivitätshebel drin, weil wenn ich auch als Vermittler diese Kontaktpunkte entweder nicht mehr aktiv selber erzeugen muss, die etwas unbeholfen manchmal fairerweise auch vertrieblich sind, dann weiß ich, der Kunde kommt immer auf mich zu, wenn er ein Thema hat und auch wenn es einen Vertriebsanlass in den Bestand beispielsweise gibt, kommt der immer auf mich zu. Und ich nehme mir eben selber oder verändere meine Rolle, auch da in der Wahrnehmung, in der tatsächlichen gelebten Rolle, über die Zeit, weil der Kunde eben auch versteht, das ist ein Teamwork und mein Ansprechpartner ist nicht da dafür, dass er mir jeden Wunsch von den Lippen abliest und dann springt, wenn ich sage, springen, sondern der ist dafür da, um mir mit den Themen, die ich selber nicht verstehe, die ich selber nicht lösen kann, die ich selber nicht lösen will, wo ich auch eine Haftungsauslagerung zum Beispiel mal haben will, dann eben zu helfen. Und ich glaube, in dieser Rolle steckt so wahnsinnig viel, und das vor dem Begriff Ökosystem ja schon eingeführt, steckt so viel Potenzial für das Berufsbild des Versicherungsvermittlers, dass er dem Kunden einfach ein Lösungsangebot macht, das über das klassische Produktportfolio hinausgeht. Und da sehen wir die Bewegungen auch schon, da muss man auch den einen oder anderen Vertrieb tatsächlich sehr positiv hervorheben, die das ja schon seit, die Produkte will ich jetzt überhaupt nicht bewerten, da will ich auf ein anderes Urteil kommen, aber die von der Logik und von der Struktur dieses der One-Stop-Shop für den Kunden einfach schon ganz lange etabliert haben. Und da bin ich total gespannt, wie sich das dann auch in der Zukunft tatsächlich gestalten wird. Und würdest du dann, jetzt schmeiß ich hier mal noch eine steile These rein, als Generalagent oder Vertriebspartner, jetzt nicht nur von euch, sondern ganz grundsätzlich, muss ich mir eigentlich gerade die Frage stellen, will ich richtige Unternehmeragentur werden oder will ich partnern mit einem meiner Kollegen, der auch selbstständiger Vertriebspartner ist, weil in Zukunft werde ich alleine immer solche Kostenachteile haben und solche Aufwände produzieren, dass es für mich sowieso nie ein so ertragreiches Geschäft werden könnte, wie ich es mir vielleicht selber vorstelle. War jetzt eine lange These, aber ich bin gespannt, was du dazu sagst, ob du dazu stimmst oder ob du sagst, nee, ich spin komplett.
SPEAKER_01Letzteres kann ich verneinen. Nein, du spinnst nicht komplett. Ich glaube, das ist ja eh eine Aufgabe innerhalb der Veränderungen vom Marktumfeld und von Kundenanforderungen. Es ist ja jetzt nicht so, als hätten wir das jetzt zum ersten Mal. Nur, wie hat mal jemand so schön gesagt, so wenig Veränderung wie heute wird es nie mehr geben. Also wir müssen damit ja irgendwie klarkommen. Und das bedeutet eben auch immer wieder das Hinterfragen von etablierten Geschäftsmodellen, um uns eben zukunftsfähiger aufzustellen. Von daher ist sowohl die Partnerschaft und Kooperation aus meiner Sicht eine Richtung, genauso wie das Thema Unternehmeragentur. Es gibt da halt unterschiedliche Herausforderungen. Bei Kooperation ist es immer die Frage, wie wollen wir uns gemeinschaftlich aufstellen, was sind Synergien, was nicht. Gibt es noch eine Markenbotschaft? Welches Ökosystem wollen wir eventuell bedienen? Also da gibt es halt viele Themen, erstmal intern zu klären, bevor man wirklich so Partner. Kooperativ zusammenarbeiten kann. Bei den Unternehmeragenturen sehe ich eine der größten Herausforderungen die systematische Personalarbeit. Nicht, weil ich es den Agenturen nicht zutraue, sondern weil das einfach unfassbares Zeitinvest ist. Und gerade jetzt im Zuge des demografischen Wandels und der zunehmenden, also des noch größeren War for Talents oder vielleicht noch nicht mal nur Talents, sondern überhaupt Arbeitskraft, Workforce, genau. Das einfach viel systematischer anzugehen ist. Und gleichzeitig, und da meine ich jetzt den Unternehmer als solchen, ist es natürlich auch eine persönliche Entwicklung vom Top-Verdriebler mit viel Anerkennung, mit Erfolgen, mit dem Gefühl, einfach, ja, wir grinsen jetzt beide. Also dieses Gefühl zu haben, toll, ich habe einen Kundennutzen gestiftet und ich habe einen Abschluss gemacht. Hinzu, ich bin verantwortlich für ein Unternehmen, ich bin verantwortlich für Menschen, ich mache die Personalarbeit, ich trete zurück. Das erleben wir heute schon. Und da haben wir Generalagenten, die sind einfach toll, die teilen das auch und die sagen, Eva, weißt du, ich habe mir bei zehn Kunden, die habe ich mir behalten, weil die mache ich noch persönlich. Also das ist eine ganz, ganz tolle Entwicklung, aber darauf muss man sich halt eben auch einlassen.
SPEAKER_00Sehr schön. Und Entwicklung ist genau auch das richtige Stichwort, Eva. Wenn wir jetzt nochmal die Linse etwas weiten und den Blick auf die gesamte Branche nochmal einnehmen, haben wir zu Beginn schon bei dem Thema auch Geschlechterverteilung und kulturelle Veränderung gemacht, aber vor allem jetzt mal mit Blick auf die Demografie, sowohl der Vermittler als auch der Kunden. Ich glaube, das ist wichtig, beide da in den Blick zu nehmen. Wohin entwickelt sich die Branche aus deiner Perspektive?
SPEAKER_01Also, du hast im Prinzip so die Buzzwords eben schon genannt. Ich glaube, es geht um Kunde, KI und Kultur. Ach, guck mal, wie schön, 3K. Also die Kundenanforderungen, Veränderungen eben ernst zu nehmen. Und dann, wir hatten eben schon so die drei Punkte für mich. Also zum einen Omnikanalfähigkeit, zum anderen die Kompetenz eben in der persönlichen Beratung stärken und das Thema digitale Beratungstools, also datengetriebenen Vertrieb eben bestmöglich vorbereiten und dann auch nutzen. Dann das Thema KI, also ich bin davon überzeugt, KI wird keine Menschen ersetzen. Wird aber die ersetzen, die die KI nicht nutzen können.
SPEAKER_00KI ist für Fleiß ist die Kategorie, in der wir es jetzt diskutieren sollten. Ich glaube, ich habe letztens in einem sehr guten Podcast gehört. Alles, was Fleiß braucht, dafür ist KI sehr, sehr, sehr, sehr notwendig.
SPEAKER_01Ja, und ich glaube sogar, dass viele Menschen sich freuen, wenn ihre Tätigkeit befreit wird von, ja, sich immer wieder, also redundanten Aufgaben, um sich endlich mal wieder, weil viele stöhnen ja unter der Arbeitslast, um sich endlich wieder qualitativ hochwertigeren Aufgaben, dann haben wir auch weniger Purpose-Diskussionen widmen zu können. Von daher ich sehe da extrem viele Chancen. Wir müssen das nur eben auch gut transportieren und da auch eine saubere Transformation eben auch gestalten. Ja, ansonsten, du hast es genannt. Wie wird sich's verändern? Wir brauchen auch eine Kundeninteraktion wie bei Amazon. Da ist die Frage, wie können wir das gut gestalten? Das schaffen wir gar nicht ohne Technologie. Und dann gleichzeitig persönliche Nähe im Fall der Fälle eben darstellen zu können. Also ich gehe nochmal auf gestern, weil das eben auf den Jahrestag des Aartals, weil das jetzt eben mir nochmal ganz präsent ist, weil das einfach in Nachrichten auch nochmal kam. Es wird kein KI-Agent ins Aartal fahren. Also und dann ist tatsächlich der Moment of Truth der persönlichen Nähe und auch dann sind wir da. Ich glaube, wir müssen halt beide Felder bespielen. So, und kulturell bedeutet das eben Versicherung als und ich nehme jetzt mal das Komplette, ja, weil wir vorhin gesagt haben, wir gehen weg von, sind wir eigentlich. Also wir sind schon weg von Produktverkauf, aber wirklich noch deutlicher den Kundennutzen in den Mittelpunkt zu stellen. Und wir sind sowas wie ein Lebensbegleiter, inklusive Prävention, dann natürlich den Fokus auf Absichern und Vorsorgen. Wir sind im Schadenfall da und wir sind auch bei zusätzlichen Fragen einfach da. Und dann tatsächlich gelebt und ernst gemeint One Face to the Customer. Und selbst wenn es nicht unser Thema ist, dann wissen wir aber, an wen der Kunde die Kundin sich wenden kann. Und das bedarf aber einer Kultur auch im Unternehmen, indem man eben nicht sagt, bin ich nicht für zuständig oder haben wir noch nie so gemacht, sondern wirklich ganz proaktiv und immer am Nutzen orientiert. Und ich glaube, dann macht es auch wieder mehr Spaß oder noch mehr Spaß, zusammenzuarbeiten.
SPEAKER_00Ja, finde ich ein sehr gutes Zukunftsbild. Und wenn man das jetzt nochmal aus der Perspektive vielleicht derjenigen, die uns gerade zuhören, die entweder schon ihren Weg in die Versicherungsbranche gefunden haben, sich aber die Frage stellen, ist das hier für mich die richtige Branche oder diejenigen, die hier zuhören und sich die Frage stellen, könnte Versicherungsbranche für mich vielleicht das Richtige sein? Was glaubst du, erstmal würdest du die Frage mit Ja beantworten und warum?
SPEAKER_01Absolutes Ja, aus eigenem Erleben, aus dem Erleben von Kolleginnen und Kollegen. Und nicht zuletzt, wenn man Kunden sieht, denen wir einfach helfen konnten. Also ja, das verstaubte Image des Versicherers haben wir, glaube ich, auch schon überwunden. Die Frage ist, wie können wir noch mehr deutlich machen, welchen Beitrag wir leisten. Und wenn man sich das mal überlegt, nur das Thema Sicherheit in einer so volatilen Welt. Es verändert sich unfassbar viel. Es gibt Menschen, die sagen, ich gucke schon gar keine Nachrichten mehr, weil mich das so umtreibt und irgendwie belastet. Wer, wenn nicht der Versicherer, der Partner für Absichern und auch Vorsorge im Alter, im Krankheitsfall, in den Fällen, in denen man selbst nicht weiter weiß und mit Emotionen beschäftigt ist und sich nicht um Themen außenrum Formal der Bürokratie kümmern will. Für diese Themen wäre nicht, wenn wir als Versicherer dann da sind. Und deswegen weiß ich gar nicht, ob es einen Beruf gibt, der so vielseitig ist, der so einen großen Beitrag leistet und der so viele Menschen hat, die wirklich Lust haben auf Zusammenarbeit. Von daher, herzliche Einladung an alle, die zuhören und sagen, ich würde gerne mal reinschnuppern oder mich interessiert das oder ich würde gern Verantwortung übernehmen. Also auch Generalagenten suchen wir immer. Da freue ich mich über Kontaktaufnahme. Ich bin überzeugt, dass ich da überzeugen kann.
SPEAKER_00Das kann ich nur bestärken. Also jeder und jede, die uns bis jetzt hier gerade zugehört hat und die sich genau davon jetzt angesprochen fühlt, geht mit Eva in den Kontakt. Ihr findet unten in den Shownotes auch natürlich das LinkedIn-Profil vernetzt. Das heißt, auch da sehr, sehr gerne einfach in den Austausch gehen. Ganz frei nach Erich Kästner. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es und da muss man sein eigenes Glück auch manchmal einfach selber in die Hand nehmen. Deswegen da auf jeden Fall von meiner Seite aus schon mal vielen, vielen Dank, Eva. Das war bisher schon ein ganz hervorragendes Gespräch. Und ich glaube, du hast es jetzt schon, ich habe mich schon, hab's mir schon selber in die Wege geleitet. Bisher. Das heißt, es kommt ja noch was. Aber auch schon für die Community, wir werden eure Aufmerksamkeit nicht überstrapazieren, sondern Eva, ich habe natürlich noch zwei Fragen an dich. Und zwar gibt es jetzt hier eine kleine Änderung im Betriebsablauf. Normalerweise ist das die letzte Frage, aber mich interessiert es als vorletzte Frage, nämlich, wie sieht die Branche aus deiner Perspektive im Idealfall in zehn Jahren aus?
SPEAKER_01Ja, und Glaskugel. Also das ist natürlich, zehn Jahre ist lang. Insbesondere in dem, was gerade passiert. Und wenn ich zehn Jahre zurückdenke, ist einiges passiert und in manchen Fällen wenig, ja, das ist eigentlich ganz lustig. Wie sieht die Branche aus? Ehrlicher und wahrgenommener, echter Partner für Kundinnen und Kunden in den Themen Absichern und Vorsorgen, in der Prävention und in der Begleitung in Schadenfällen. Also echte Entlastung für Menschen und Unternehmen. KI, Nutzung, Automatisierung, datengetriebener Vertrieb und Betrieb, überall wo nötig. Ist ja ein bisschen wie wünscht ihr was. Also von daher war ein Krisenwunsch, den ich noch hätte, wäre Bürokratieabbau. Dass wir ein bisschen Geschwindigkeit an den Tag legen. Und dann, und damit steht und fällt eigentlich alles. Menschen, die Interesse am Kundennutzen haben, die gemeinschaftlich an diesem Ziel arbeiten und, und davon bin ich immer überzeugt, und das möchte ich selbst auch haben, die einfach unfassbar viel Freude bei der Arbeit haben.
SPEAKER_00Wundervolles Zukunftsbild. Und du hast genau schon mir die perfekte Vorlage für die letzte Frage geliefert, nämlich welche Rahmenbedingungen brauchen Versicherer, brauchen Vermittler, um dieses Idealbild, was du jetzt gerade skizziert hast, zu erreichen.
SPEAKER_01Spontan würde ich jetzt sagen, ja, wir brauchen die IT. Da haben wir ein bisschen was aufzuholen, wir brauchen gute Prozesse, wir brauchen eben dienliche Strukturen. Das stimmt alles. Ich glaube dennoch, es steht und fällt mit dem Mindset und den Menschen, die wir an Bord haben. Weil die Menschen sind diejenigen, die Kunden begeistern, sind diejenigen, die Kunden beraten dürfen und dann eben auch jeweilig Zielgruppen auch an uns binden. Auch junge Zielgruppen, die wir einfach auch bedienen wollen.
SPEAKER_00Sehr schön. Eva, vielen, vielen Dank für deine Zeit. Mir hat es wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wir sind jetzt am Ende unserer Folge angekommen. Und im Fitchurren's Podcast ist es immer so. Also auch das vielleicht nochmal ganz kurz, bevor ich meine Standardab-Moderation hier mache. Es wird mit Sicherheit nicht die letzte Folge sein, kann ich hier auch schon mal sagen, wo wir dich gehört haben. Also Einladung für Teil 2 steht auf alle Fälle. Ich glaube, wir haben heute noch einige Themen aufgemacht, über die wir in der Tiefe nochmal unbedingt sprechen sollten. Deswegen kommt jetzt meine letzten Worte, denn im Futurance Podcast ist es so. Die letzten Worte gebühren dem Gast. Deswegen vielen, vielen Dank, dass ich hier sein durfte, dass du zu unserer Community gesprochen hast. Und die letzten Worte gebühren dir. The Stage is yours.
SPEAKER_01Also vielleicht sage ich auch erstmal danke, Max. Es ist eine tolle Möglichkeit, sehr angenehm, du machst es einem leicht, hier in ein Mikrofon zu sprechen und irgendwie scheinbar eine Stunde rum. Von daher herzlichen Dank für den schönen Austausch. Ja, womit kann man gut schließen? Unser Purpose ist, wir geben Menschen Sicherheit, damit sie sich unbeschwert entfalten können. Und das gilt für Kundinnen und Kunden, das gilt aber auch für Mitarbeitende. Und deswegen ist es ein unfassbares Privileg, in der Versicherungsbranche zu arbeiten. Und ich freue mich, wenn ich dazu angeregt habe und blicke total zuversichtlich in die Zukunft und freue mich auf Kontaktaufnahme. Danke dir.
SPEAKER_00Was für eine spannende Folge. Vielen Dank euch fürs Zuhören. Schaltet auch nächsten Donnerstag wieder ein. Ladet euch dem Podcast in oder dem Podcatcher runter, haltet ihn auf den Weg zur Arbeit und schaut bitte auch noch in den Shownotes vorbei. Da sind nämlich alle Infos zu unserem Gast und alle Verlinkungen. Vernetzt euch, tretet in Kontakt und lasst uns gemeinsam die Zukunft der Versicherungs- und Finanzwirtschaft gestalten.